Hamburg l Hamburg-Hamm ist schön, sagt Max Appel. In dem Stadtteil der Elbmetropole hat er sich seine neue Wohnung eingerichtet. Ruhiger Innenhof, kein Autokrach, Großstadt-Idylle sozusagen. Max Appel ist umgezogen vom Familiendomizil in Mölln ans Tor zur Welt. Nicht nur, weil der Deutsche Ruderverband (DRV) bestimmt hat, dass alle Skuller aus dem Olympia-Kader sich am dortigen Stützpunkt auf die nächsten Sommerspiele in Tokio vorbereiten, sondern auch, weil seine Lena im August ihre England-Reise beenden und sich in Hamburg einen Job suchen wird. „Die Wohnung gefällt ihr“, berichtet Appel.

Hamburg-Hamm ist also die künftige Bleibe des 23-Jährigen vom SCM, wenngleich in Hamburg nicht alles so läuft, wie es Appel aus Magdeburg gewohnt ist: „Hier wartet man zum Beispiel vier Wochen auf einen Termin bei der Physiotherapie. Ich hoffe, dass sich das künftig bessert.“ Das wäre jedenfalls eine sehr nützliche Veränderung. In seinem Doppelvierer bleibt derweil sowieso alles anders.

Nach dem Weltcup in Polen am vergangenen Wochenende will Bundestrainer Marcus Schwarzrock sein Großboot wieder in neuer Formation zur nächsten internationalen Herausforderung schicken. In Rotterdam (Niederlande/12. bis 14. Juli) soll diesmal Hans Gruhne als Schlagmann für Lars Hartig den Vierer auf Frequenz bringen. Dafür rückt Appel wieder direkt hinter ihm auf Position drei vor. Und Timo Piontek setzt sich vor Bugmann Karl Schulze ins Boot. Schwarzrock hat dann nach dem Weltcup sechs Wochen Zeit bis zur Weltmeisterschaft in Linz (Österreich/26. August bis 1. September), die letzten Erkenntnisse im Training umzusetzen.

Appel kann sich anpassen

Man muss schon sehr anpassungsfähig sein, um den ständigen Tausch der Position oder des Personals für sich zu koordinieren. Der technisch versierte und kräftige Appel ist das. Als er noch mit dem Clubgefährten Philipp Syring die Junioren-Welt im Doppelzweier mit WM-Titeln eroberte, hatte ihn sein Heimtrainer Roland Oesemann zwischenzeitlich von Schlag auf Bug gesetzt. Was aber unterscheidet nun Hartig, 28 Jahre, und Gruhne, 30? „Das ist schwer zu erklären“, sagt Appel. „Beide lassen das Boot laufen. Lars ist dabei geschmeidiger, Hans arbeitet intensiver.“

Mit Hartig ist der Doppelvierer zuletzt auf dem Maltasee in Poznan um zwei Hundertstelsekunden am Podium vorbereigefahren (Volksstimme berichtete). „Da kann man nichts machen“, sagt Appel. Die Enttäuschung über den verpassten ersten Weltcup-Podestpatz hielt sich aus drei Gründen in Grenzen. Erstens: „Zum Glück war es nicht die WM, dann wäre das Ergebnis natürlich richtig brutal gewesen.“ Zweitens: „Wir sind sehr gut gerudert, haben die Geschwindigkeit hochgehalten. Wir müssen eben weiter daran arbeiten, auch als Team bis zum Ende zusammenzubleiben.“ Und drittens: „Es haben noch einige Nationen gefehlt.“ Das nämlich relativiert auch das Resultat.

Die Niederlande zum Beispiel, die bei der Europameisterschaft der Konkurrenz um sieben Sekunden zum Titel vorausgefahren war. Die Esten, die Ukrainer, die Australier, die Neuseeländer. Alles harte Konkurrenten. „Im vorolympischen Jahr“, hat Appel festgestellt, „ist die Leistungsdichte noch viel größer geworden.“

Harte Wochen für Appel

Um in dieser eine bedeutende Rolle zu spielen, beginnt nach Rotterdam ein langer Ritt durch die Trainingsdomizile – und kein leichter. Auftakt in Weissensee (Österreich): „Es ist wirklich schön dort, aber drei Wochen ist ziemlich heftig“, erklärt der 1,96 Meter große Appel. Die Lagerkoller-Gefahr ist also groß. Dann trifft sich das gesamte DRV-Team in München-Oberschleißheim, ehe es zur Mission Startplatz für die Sommerspiele nach Linz-Ottensheim zur WM weiterreist. Appel & Co. müssen für ihren Tokio-Start in die Top-Ten fahren. Und zur Mission Medaille.

Mit welcher Doppelvierer-Formation auch immer.