Magdeburg l Alys Thomas stand bislang nicht im Verdacht, die 200 Meter Schmetterling besonders schnell schwimmen zu können. Das lag auch daran, dass die 27-jährige Waliserin in der Vergangenheit die halbe Distanz bevorzugt hatte. Doch in diesem Jahr brach sie nicht nur ein in die Weltrangliste mit 2:05,45 Minuten, mit denen sie bei den Commonwealth Spielen gewann, sie setzte sich sogleich an die Spitze. Das ist mit Blick auf die Europameisterschaft in Glasgow (Schottland/2. bis 12. August) ein echtes Achtungszeichen. Auch deshalb sagt Franziska Hentke vom SC Magdeburg: „Die Konkurrenz rückt immer enger zusammen.“

Hentke ist übrigens die derzeit Vierte in der Welt. Aber der Platz sieht spitzenmäßiger aus, als es ihre Saisonbestzeit eigentlich aussagt, damit steht sie allerdings nicht allein in der europäischen Konkurrenz da. Mit einer 2:07,21 Minuten hat sie sich am 20. April bei den German Open in Berlin für die EM qualifiziert. Damals blieb sie nur eine Hundertstel unter der Norm, schüttelte nach dem Zielanschlag heftig den Kopf und stellte fest: „Ich hatte das Gefühl, ich wäre viel schneller im Becken.“ Und dieses Gefühl hatte die 29-Jährige nicht nur bei den German Open: „Mein Hauptproblem war: Ich hatte eine Wahrnehmungsstörung“, erklärte sie zur ersten Saisonhälfte.

Kein optimales Training

In der lief nun das Training nicht optimal. Im ersten Trainingslager in der Höhe der Sierra Nevada (Spanien) im Februar und März fiel sie mit einem Infekt aus, kurz darauf plagte sie sich mit einem Magen-Darm-Virus. „Vielleicht hat mich das verunsichert“, meinte Hentke. Zumindest, sagte ihr Trainer Bernd Berkhahn, wollten sie zum jetzigen Zeitpunkt schneller sein. „Eigentlich sollten wir jetzt bei 2:06 Minuten stehen“, so der Coach. „Aber ich finde es eigentlich ganz angenehm, dass sie nicht so früh in der Saison schon so schnell ist wie in den vergangenen Jahren.“

Hentke trainiert gut, trainiert hart. „Sie schafft momentan mehr Grundlagen, was für mich perspektivisch wichtiger ist für die Sommerspiele 2020 als für die kommende EM“, berichtete Berkhahn. Zudem hat sie ihr falsches Gefühl fürs Tempo inzwischen abgelegt, bestätigte die Athletin.

Hentke will zehnten Titel

Grundlagen schaffen beide seit einer Woche wieder in der Sierra Nevada, beim zweiten Höhentrainingslager der Saison. Und Hentke hat sich ihr zweites Wohnzimmer etwas gemütlicher gemacht: „Spanier schlafen ja nur mit einem Laken, das hat mich in den letzten Jahren schon genervt. Jetzt habe ich meine Bettdecke von Zuhause da, das wertet alles auf“, so Hentke.

Im Training indes „werden wir drei Wochen lang Vollgas geben, denn danach bleiben noch vier Wochen bis zur EM, um sich zu regenerieren“, erklärte Hentke. Dazu kommt noch die deutsche Meisterschaft in Berlin (19. bis 22. Juli), in der sie den zehnten Titel in Folge auf ihrer Paradedistanz gewinnen kann. „Das bedeutet mir schon etwas, ich glaube, das hat in Deutschland noch keiner geschafft“, sagte sie. Nur eine Wunderzeit könne man da nicht von der deutschen Rekordhalterin (2:05,26) erwarten, dazu ist ihr Abstand von der Höhe zu kurz.

Die Wunderzeit gibt es vielleicht in Glasgow. Immerhin hat Mireia Belmonte (Spanien) einen neuen Europarekord angekündigt, den hält Katinka Hosszu (Ungarn) seit 2009 mit 2:04,27 Minuten. „Ich hoffe auf eine Medaille“, sagte Coach Berkhahn. „Aber das wird schwer genug.“ Auch Hentke, Europameisterin von 2016, erklärte: „Klar, möchte ich eine Medaille, aber diesmal wird es noch spannender und enger als in den vergangenen Jahren.“