Berlin l Überall in Berlin jubelt Florian Wellbrock von Wänden und Türen. Der Mann ist ein formidabler Plakat-Werbeträger für den Weltcup, der seit gestern im Europa-Sportpark ausgetragen wird. Aber nicht nur in Berlin ist der Schwimmer vom SCM längst ein Star. „Nach meinen WM-Titeln ist die Aufmerksamkeit auch in Magdeburg deutlich größer geworden“, sagt Wellbrock. „Ich merke schon, wenn mich die Leute in der Stadt erkennen.“

Und wenn sie ihn ansprechen. Das gehört zum Leben des 22-Jährigen dazu. Er selbst will vor allem schwimmen. Wie zum Auftakt der dreitägigen Veranstaltung direkt am S-Bahnhof Landsberger Allee. Wellbrock hat den zweiten Platz über 400 Meter Freistil belegt. Mit 3:48,98 Minuten blieb er 1,33 Sekunden hinter dem Sieger Danas Rapsys (Litauen). Und resümierte gelassen: „Ich hätte schon gerne vor heimischem Publikum in Berlin gewonnen.“

Ruhe nach der WM

Wellbrock war schon im Vorlauf mit 3:53,48 Minuten schneller geschwommen als eine Woche zuvor in Budapest (Ungarn). „Aber diesmal hat es sich souveräner angefühlt“, beschrieb er sein Gefühl im Wasser, in das er vor vier Wochen erstmals nach dem Ägypten-Urlaub zur Saisonvorbereitung gesprungen ist. „Ich brauchte nach der WM meine Ruhe“, berichtet Wellbrock zwar. Aber: „Der Urlaub war irgendwie sehr lang. Nach einer Woche dachte ich schon: Jetzt kann es langsam wieder losgehen.“

Solche Sportler – erfolgreich, ehrgeizig, offenbar nimmermüde – mag auch die Agentur Albus aus Heidelberg, die sich Wellbrock inzwischen angenommen hat. Eine Agentur, die Sponsorenanfragen und -suche koordiniert und Sportler zu Marken aufbaut: wie die Weitspringerin Malaika Mihambo oder den Ex-Skirennläufer Felix Neureuther.

Wellbrock vermarktet Erfolge

Das ist der Lauf der Dinge: Noch vor der WM in Gwangju (Südkorea) im Juli war Wellbrock mit seinen regionalen Unterstützern absolut zufrieden. Aber zwei Goldmedaillen später – im Freiwasser über zehn Kilometer, im Becken über 1500 Meter Freistil – kann er sich einer professionellen Betreuung nicht mehr erwehren.

Wellbrock zündet den Turbo nun auch in der Vermarktung seiner Erfolge und Persönlichkeit. „Das mache ja nicht ich“, relativiert er, „sondern die Agentur. Deshalb hat dieser Tapetenwechsel vor der olympischen Saison gutgetan.“ Sechsstellige Summen sollten ihm aus der Zusammenarbeit jedenfalls garantiert sein.

Sommerspiele 2020 im Hinterkopf

Er selbst will den Unterstützern auch Erfolge garantieren. Obwohl er oft betont: „Versprechen kann ich nichts.“ Dass er sich bereits in einer guten Form befindet, erklärt der Schützling von Trainer Bernd Berkhahn so: „Gut war, dass wir nach den deutschen Meisterschaften Anfang August nicht gleich in die Pause gegangen sind, sondern drei Wochen weitertrainiert haben. So konnten wir einiges an Grundlagenniveau in die Vorbereitung rüberretten.“

Und in der spielen die Sommerspiele 2020 die Hauptrolle: „Natürlich habe ich Tokio im Hinterkopf“, gesteht Wellbrock. „Aber erst müssen wir einige Bausteine aus dem Weg räumen.“ Wie das erste Höhentrainingslager ab kommenden Mittwoch in der Sierra Nevada (Spanien). Zunächst stehen für Wellbrock allerdings weitere Rennen in Berlin an. Am Sonntag startet er auf seiner Paradedistanz über 1500 Meter. Wellbrock sagt: „Ich werde Vollgas geben.“