Schierke/Berlin l Das Eishockey erlebt in Schierke gerade seinen zweiten Frühling. Mit der Eröffnung der Feuerstein-Arena kommt auch beim ESV, einem der ältesten Eishockey-Vereine Deutschlands, wieder Leben in die Bude. Vor allem die Kids sind heiß auf Eis. „Seit Jahresbeginn rennen uns die Kinder die Bude ein. Die Jüngsten sind gerade mal fünf Jahre“, freut sich Bernd Riemenschneider, Vorsitzender des ESV Schierke. Das Erstaunliche dabei: „Unter den 23 Neuzugängen im Nachwuchsbereich, die einmal die Woche trainieren, sind zehn Mädchen.“ Weiteren Zuwachs erhofft er sich auch aufgrund des sensationellen Olympia-Silbers der deutschen Eishockey-Cracks bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea. „Unsere Tür steht jedem offen. Die Kinder können zum Schnuppertraining kommen.“ Das nächste ist am 21. März zwischen 18 und 20 Uhr geplant. Riemenschneider: „Helm und Ausrüstung stellen wir, der Rest ist Spaß pur.“

Auch an einem Vorbild, dem die Jungen und Mädchen nacheifern können, soll es nicht mangeln. Für die Eishockeys-Fans und die kleinen Puckjäger im Harz gibt es eh nur einen: Jens Baxmann. Der Kufenkünstler, geboren am 24. März 1985 in Wernigerode, ist die Galionsfigur des Eishockeys im Harz. Bereits seit 2001 geht er für die Eisbären Berlin in der DEL auf Torejagd. Siebenmal holte der Verteidiger mit den Berlinern die deutsche Meisterschaft (2005, 2006, 2008, 2009, 2011, 2012, 2013). Dazu kommen der Pokalgewinn 2008 und der Sieg in der European Trophy 2011. Größter Erfolg als Nationalspieler ist der 6.  Platz bei der WM 2013 in Helsinki.

Der Grundstein zu der großartigen Karriere des Eisbär-Dinos wurde 1992 beim ESV Schierke gelegt. „Ich wollte mit sieben Jahren unbedingt Eishockey spielen. Aber in Schierke waren wir nur drei Jungen, die sich in meiner Altersklasse für Eishockey interessierten. Zum Glück für uns war die Mauer gefallen. Dadurch konnten wir Drei zum Eishockey in den Westharz nach Braunlage und dort mittrainieren“, erinnert sich der 32-Jährige.

Die Begeisterung des Filius mussten die Eltern „ausbaden“: Dreimal in der Woche kutschierten sie den Sohn zum Training nach Braunlage. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, und so mischte Baxmann bereits mit 16 Jahren in der Braunlager Männermannschaft mit.

Katalysator für die Karriere war im Winter 2000 ein Freundschaftsspiel auf einer Kunsteisbahn auf dem Halberstädter Weihnachtsmarkt. Der Eishockey-Crack erinnert sich: „Als Höhepunkt wurde ein Eishockeyspiel Schierke gegen die Eisbären-Juniors organisiert. Und bei der Gelegenheit bettelte unser Trainer förmlich die Berliner an: Nehmt den Baxmann mit, der darf hier nicht versauern. Er ist ein Talent.“

Ein paar Wochen später zog Jens Baxmann ins Internat im Berliner Sportforum ein, besuchte das Sportgymnasium, wirbelte bei derEHC-Jugend und schaffte den Sprung in das U-17-Nationalteam. „Ich hatte Glück, denn unser damaliger Trainer Pierre Pagé hat mich mit 18 Jahren schon ab und zu in der DEL bei den Profis eingesetzt“, erinnert sich Baxmann, der mit Frau Susanne und zwei Kindern in Brandenburg lebt.

Der Defensivspezialist, dessen Stärke das Unterzahlspiel ist, kassiert wenige Strafzeiten, ist selten verletzt und ein Garant der guten Laune in der Eisbärenkabine. Hin und wieder lässt er sogar offensiv sein Können aufblitzen und dann staunen nicht nur die gegnerischen Spieler. In der laufenden Saison in der DEL hat der Harzer 52 Spiele absolviert und fünf Tore erzielt.

Ursprung: Eishockey wurde in Schierke erstmals am 5.  Februar 1911 gespielt, als der neugebaute Eissportplatz an der Kalten Bode mit einem Spiel zweier Berliner Mannschaften eingeweiht wurde. Im November 1910 wurde der Schierker ESC (Eishockey- und Skeleton-Club) gegründet. Ab 1920 wurde Eishockey gespielt, aber erst 1928 gab es eine eigene Mannschaft. In den 50er und 60er Jahren spielte der SG Dynamo Schierke in der DDR-Gruppenliga, von 1990 bis 2000 der ESV Schierke in der Landesliga Niedersachsen und der Verbandsliga Nord – Spielort war Braunlage.

Schwere Zeiten: 2001 musste der ESV Schierke aus finanziellen Gründen den Spielbetrieb einstellen. Ein Grund war die Insolvenz des Zweitligisten Braunlager EHC/Harz, mit dem Schierke kooperierte. Mit der Eröffnung der überdachten Feuerstein-Arena Mitte Dezember 2017 feiert der ESV Schierke seine Wiedergeburt. 23 Kinder wurden bis dato neu aufgenommen. Aktuell zählt der Verein 68  Mitglieder.