Formel 1 Titelvergabe vertagt: Verstappen-Triumph in Katar
Lando Norris hat es noch nicht geschafft. Der WM-Titel wird erst im letzten Formel-1-Rennen vergeben. Und Max Verstappen kann sich nach einer erneuten Triumphfahrt doch wieder krönen.

Lusail - Max Verstappen hat die WM-Entscheidung vertagt und ein Herzschlag-Finale wie vor vier Jahren beim Beginn seiner Formel-1-Titelära in Abu Dhabi perfekt gemacht. Auch begünstigt durch einen Reifentaktik-Patzer von McLaren um WM-Spitzenreiter Lando Norris und Polesetter Oscar Piastri gewann Verstappen den Großen Preis von Katar und verhinderte als neuer WM-Zweiter die vorzeitige Krönung von Norris.
Der Brite, der bei einem Sieg schon neuer Formel-1-Champion geworden wäre, kam nicht über den vierten Platz hinaus, Piastri wurde Zweiter. Als Dritter komplettierte Carlos Sainz im Williams das Podium.
Norris, Verstappen und Piastri haben nun jeweils sieben Siege in diesem Jahr gefeiert. Chancen auf den Titel haben sie nächsten Sonntag alle drei auf dem Yas Marina Circuit, wo Verstappen vor vier Jahren in einem Drama-Duell Lewis Hamilton damals im Mercedes geschlagen hatte. Rechnerisch ist Norris immer noch in der Titel-Pole - emotional dürfte Verstappen vorn sein. Der 28 Jahre alte Niederländer liegt im Red Bull nur noch 12 Punkte hinter Platz eins - Ende August waren es über 100 gewesen. Piastri hat 16 Zähler weniger als Norris.
Nervenkitzel am Start
Nach weit über 45.000 Rennkilometern seit seinem ersten Formel-1-Rennen 2019 auch schon für McLaren wurde die rund paar hundert Meter bis zur ersten Kurve erstmal die wichtigsten in der Karriere von Norris. Startplatz zwei, eingeklemmt zwischen Piastri und Titelverteidiger Verstappen.
Die Voraussetzungen waren einerseits klar: Mit 22 Punkten Vorsprung auf Piastri nach dessen Sprintsieg am Tag vorher startete Norris in den vorletzten Grand Prix. Verstappen lag 25 Zähler zurück. Die einfachste Rechnung für Norris: Rennen gewinnen, Titel feiern. Oder aber: Norris holte mindestens vier Punkte, Piastri und Verstappen keinen. Am Ende brauchte es den Rechenschieber nicht.
Norris musste sich schon vor dem Rennen beeilen
Die Frage: Hat Norris seine Nerven im Griff. Mit seinen offenen Worten auch über Selbstzweifel und mentale Herausforderung sorgte der Brite im Fahrerlager für neue Töne. Als Letzter rannte er vor dem Start zur Hymne, das Lächeln eher gequält. Dann ab ins Auto, ab in Startaufstellung. Wer würde wen wie hart attackieren, wer riskiert alles?
Ein Ausfall wäre für Norris das Schlimmste. Ob er deswegen so moderat in die Gänge kam, blieb zunächst offen. An einen Angriff auf Piastri war nicht zu denken. Gegen die Attacke von Verstappen konnte sich Norris nicht mal ansatzweise wehren.
Kein Crash war die Hauptsache, einen Platz zu verlieren und das auch noch gegen Verstappen, war nicht nach Plan. An der Spitze fuhr Piastri mit gut zwei Sekunden Vorsprung auf Verstappen. Es deutete sich ein eher ereignisloses Rennen auf dem Kurs an, auf dem Überholen als schwierig gilt.
Hülkenberg macht es spannend
Doch dann krachte es. Und es erwischte ausgerechnet Nico Hülkenberg in seinem 250. Grand Prix. Bei einem Überholversuch berührte sein Sauber den Alpine von Pierre Gasly und schlitterte ins Kiesbett - das Safety Car muss raus.
Alle kamen rein zum Reifenwechsel, weil das in so einer Phase Zeit spart. Nur die beiden McLaren nicht. Entsprechend verwundert erkundigte sich Norris umgehend bei der Box. Den Restart meisterte Piastri ziemlich souverän, Norris konnte Platz zwei verteidigen. Verstappen blieb Dritter und hatte jetzt die besten Siegaussichten.
Piastri und Norris drückten nun mächtig aufs Tempo, sie mussten Zeit rausfahren, weil beide noch zweimal die Reifen wechseln mussten. Aus Sicherheitsgründen wurde der Einsatz der Reifen auf 25 Runden limitiert, 57 waren zu fahren. Nach 24 Runden rief McLaren Piastri an die Box, Norris fuhr noch eine mehr.
Die beiden Stallrivalen reihten sich danach auf den Rängen vier (Piastri) und fünf (Norris) ein. Neuer Führender war Verstappen, der schon vor einer Woche in Las Vegas gewonnen und dank der Disqualifikation beider McLaren wegen eines technischen Regelverstoßes den Rückstand im Klassement weiter verkürzt hatte.
Verstappen lag mal über 100 Punkte zurück
Wohlgemerkt: Verstappen hatte nach seinem Heimrennen in Zandvoort 104 Punkte Rückstand auf Platz eins. „Ich habe damals gedacht, ich habe ausgecheckt aus dem WM-Kampf“, erinnerte er sich in Katar. Als Erster absolvierte er den zweiten Reifenwechsel und reihte sich ein hinter Piastri und Norris, der dann auch kurz von der Strecke abkam und einen Schaden an seinem Wagen befürchtete. Zeigte er doch wieder Nerven?
Verstappen - ohnehin einen Boxenstopp im Vorteil - kam von hinten auch näher. Die Boxenfunk-Frequenz bei McLaren war nun hoch. Kein gutes Zeichen. Verstappen und seine Crew spielten die Routine von bis dahin schon 69 Grand-Prix-Siegen aus. Piastri ging auf Attackemodus und ließ den zweiten Reifensatz aufziehen, Norris blieb noch ein bisschen länger draußen.
Als Fünfter kam der WM-Führende mit frischen Reifen dann wieder auf die Strecke, der nächste Rückschlag im Titelrennen nahm weiter Formen an. Vorn brachte Verstappen den Sieg sicher ins Ziel, Piastri kam nicht mehr entscheidend näher. Norris schaffte es zwar noch an Antonelli vorbei, verpasste aber einen Podiumsplatz.