London (dpa) - Die Idee, den Darts-Sport in Deutschland groß zu machen, kam Werner von Moltke einst in seinem Ski-Urlaub. Der heute 48-Jährige spricht im Interview der Deutschen Presse-Agentur über die Anfänge, die Zukunftsaussichten und einen deutschen Star, den man sich nicht backen kann.

Frage: Herr von Moltke, können Sie noch einmal den Ursprung der PDC  Europe skizzieren?

Antwort: Angefangen hat das letztendlich rund um Weihnachten 2005, als ich im Skiurlaub vor dem Fernseher saß und mir Darts angesehen habe. Ich habe mir irgendwie die Zeit vertrieben, und dann lief Darts. Das habe ich gesehen, ein, zwei, drei Abende. Da dachte ich: Mensch, das hat was. Dann habe ich mich entschlossen, Phil Taylor mal zu einer Show nach München zu holen. Am 15. April 2006 haben wir ein Showturnier in München gemacht. Das war der Startschuss, damals hatte ich noch gar keine Ahnung von PDC und BDO (die beiden großen Weltverbände, d. Red.).

Frage: Wie entstand aus dem ersten Event mit "The Power" Taylor später der Verband?

Antwort: Das Event lief gut. Kurze Zeit später hat Phil mich eingeladen, und ich habe mich in England mit Barry Hearn, dem Chef der PDC in England, getroffen. Dann fragte er mich: Werner, hast du Lust, das in Deutschland anzugehen? In der Folge haben wir die German Darts Cooperation gegründet. Am Anfang gab es nur Turniere für Spieler, mit 50 bis 60 Boardanlagen, aber ohne Zuschauer. Da hatten wir noch keine Bühne und gar nichts.

Frage: Was passierte, dass aus der GDC die heute so erfolgreiche PDC Europe wurde?

Antwort: Wir haben das System umgestellt und wollten professioneller werden. Das erste wirkliche TV-Turnier war dann die European Darts Championships 2008 im Frankfurter Südbahnhof. Dort hatten wir am ersten Abend 20 Zuschauer, waren aber live im englischen Fernsehen. 2010, als das Turnier erstmals im Düsseldorfer Maritim-Hotel stattgefunden hat, hat das Flugzeug dann begonnen abzuheben.

Frage: Warum waren Sie von der Idee Darts so überzeugt, dass Sie so viel Zeit dafür geopfert haben?

Antwort: Ich hatte einfach eine Grundüberzeugung. Eigentlich hatte ich einen festen Job, doch ich habe alles Stehen und Liegen lassen. Wie das so ist: Die Not macht erfinderisch, und dann sind Sachen entstanden, die ich zunächst gar nicht machen wollte. Wir haben unsere eigene Ticketing-Plattform aufgebaut, weil am Anfang keiner unsere Tickets verkaufen wollte. Wir haben sie per Hand verschickt damals. Heute ist das ein großer Vorteil: Die Fans kaufen bei uns, wir können alles selbst steuern. Am Anfang hatten wir auch keine Sponsoren. Die ersten acht Jahre hat uns im Prinzip keiner ernstgenommen.

Frage: Was macht Darts so interessant für das Publikum?

Antwort: Darts ist 90 Minuten Elfmeterschießen. Es geht ständig hin und her, das Spiel ist sehr leicht nachvollziehbar. American Football hebt jetzt ja auch ab, aber das hat Jahrzehnte gedauert, weil es so kompliziert ist. Darts ist sehr einfach. Jeder hat schon mal so eine Scheibe gesehen, dazu ist der Fan ein Teil der Veranstaltung. Sie geben dem Ganzen ein eigenes Flair, einen eigenen Charme. Die Spieler sind eigene Charaktere. Das ist Hochleistungssport, was diese Athleten auf der Bühne zeigen. Außerdem glaube ich, dass es noch ein bisschen bodenständiger ist und ein Gegenentwurf zum Fußball, Tennis oder Golf, wo manchmal schwierig zu fassende Sphären erreicht werden.

Frage: Wie würde sich ein erfolgreicher deutscher Spieler auf den Darts-Hype auswirken?

Antwort: Sehr positiv, davon bin ich fest überzeugt. Am Anfang dachte ich, wir brauchen ganz schnell einen Deutschen wie damals Jan Ullrich oder Michael Schumacher. Das ist aber gar nicht so leicht, du kannst den nicht einfach so backen. (...) Wenn ein Deutscher wirklich eines Tages Darts-Weltmeister wird, dann passiert hier etwas ganz Verrücktes. Schön ist aber, dass wir auch davon nicht mehr abhängig sind.

Frage: Die Spieler sagen, Darts ist zu 100 Prozent Sport. Was sagen Sie als Verkäufer des Produkts dazu?

Antwort: 80 Prozent ist für mich Sport. Wenn ich gegen Sie Darts spielen würde, dann könnten wir Musik machen und Bier verkaufen, wie wir wollen, und es würde keiner anschauen. Je besser die Leistungen werden, desto besser ist auch die Stimmung. Der Sport macht immer den Großteil aus, das muss er auch. Der Rest ist quasi der sugar on top.

ZUR PERSON: Werner von Moltke, 48, ist Geschäftsführer der PDC Europe. Er gründete Mitte 2006 die German Darts Corporation (GDC), die Vorgänger-Organisation der PDC Europe.

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