Köln (dpa) - Was Otto-Normal-Bürgerin normalerweise nervt, findet die deutsche Turn-Meisterin Sarah Voss richtig gut: raue Hände mit einer dicken Hornhaut an den Innenflächen.

Der Grund ist einfach. Die Schwielen schützen beim Stufenbarren-Turnen und verhindern Blasen und blutige, aufgerissene Hände. Zwar tragen die Turnerinnen und Turner (Reck und Ringe) Leder-Riemchen zum Schutz. Doch das allein reicht nicht bei den hohen Reibungsbelastungen. Durch das ständige Training an den Geräten bilden sich schnell dicke Schwielen, die sich in der unerwünschten Corona-Pause nun zurückbilden. Was bei der WM-Zehnten im Mehrkampf von 2019 unerwünscht ist, wie die 20 Jahre alte Nationalturnerin dem "Kölner Stadt-Anzeiger" verriet.

"Meine Hände verändern sich gerade. Sie werden weicher, die Hornhaut geht zurück. Durch die fehlende Belastung, aber auch durch das viele Händewaschen", sagt Voss, die auf ihr tägliches Training im Turnzentrum der Deutschen Sporthochschule Köln seit gut zwei Wochen verzichten muss. Das häufige Waschen mache ihre Haut so trocken, dass sie diese nun regelmäßig eincremen müsse. Das steht sonst auf dem Index: "Das mache ich sonst nicht, höchstens mal die Rückseite der Hände. Wenn ich mir meine jetzt ansehe - es sind noch keine normalen Hände, aber ich habe auch keine richtigen Turnerinnen-Hände mehr."

Doch das ist noch ihr geringstes Problem. "Wir wissen jetzt, dass wir bis einschließlich August keine Wettkämpfe haben werden und dass Olympia 2021 am 23. Juli startet. Alles andere ist noch ungewiss", berichtet Voss. Unklar sei, wann sie wieder in die Halle könne, ob im Sommer ein Trainingslager mit dem deutsche Team anstehe, ob im Herbst Wettkämpfe und in diesem Jahr noch die ebenfalls verschobenen deutsche Meisterschaften stattfänden. Mit einer Art von "Erhaltungstraining" versuche sie, ihre Fitness zu bewahren. Doch Voss sehnt sich danach, "endlich wieder an die Geräte zu können". Dann ist es auch schnell wieder vorbei mit den weichen Händen.

Interview Voss

Profil Sarah Voss