Bonn (dpa) - Der Jahrestag vor der Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele 2020 in Tokio am kommenden Sonntag kommt für Friedhelm Julius Beucher einige Monate zu früh.

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes hätte die Spiele wie auch Olympia nach dem Vorbild der Fußball-WM 2022 in Katar lieber in den Winter verschoben gesehen.

"Man muss sich nach dem Kalender des Austragungsortes richten. Es ist nicht in Stein gemeißelt, dass Sommerspiele im August stattfinden müssen", sagte Beucher der Deutschen Presse-Agentur: "Mich drückt diese beunruhigende Wahrscheinlichkeit von teils unerträglichen klimatischen Bedingungen. Entweder hätte man es an einen anderen Ort vergeben oder auf einen anderen Zeitpunkt verlegen müssen. Stattdessen legt man es in den Zeitraum der größten Hitze."

Ein Jahr vor dem Beginn der Paralympics am 25. August 2020 herrschen in Tokio 30 Grad Celsius. Es können zu diesem Zeitpunkt aber durchaus auch bis zu 40 Grad werden. "Es ist keine neue Erkenntnis, dass es in Tokio auch Ende August noch sehr heiß sein und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrschen kann", sagte Beucher: "Dort sollen sportliche Höchstleistungen gebracht werden. Das ist ein Angriff auf die Gesundheit. Das ärgert mich, und diesen Groll muss ich rauslassen. Diese Daten waren vor sieben Jahren sicher auch bekannt. Deshalb kann ich nur den Kopf schütteln über diese IOC-Entscheidung."

Andrew Parsons, dem Präsidenten des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), ist das Problem bewusst. "Die Hitze ist ein Thema. Aber wahrscheinlich kein so großes wie bei Olympia", sagte er der dpa. Ganz einfach deshalb, weil man später dran sei. "Dann hoffe ich, dass Andrew Parsons ein guter Wetterfrosch ist", antwortete Beucher ironisch: "Und wenn es wirklich ein wenig besser ist, ist das nur ein schwacher Trost. Denn ich leide auch mit den olympischen Sportlern." Parsons betonte, man habe "einige Test-Bewerbe in diesem Sommer, aus denen wir lernen werden. Und wir hoffen auf Flexibilität der Organisatoren, wenn es doch heißer werden sollte."

Für den brasilianischen IPC-Boss ist ein anderes Problem das größere, nämlich die Zahl an barrierefreien Hotel-Zimmern in Tokio. "Das betrifft nicht die Athleten, denn die sind ja im Athleten-Dorf", sagte er: "Aber in den Hotels gibt es viel zu wenige barrierefreie Zimmer. Das bedeutet, dass wir mehr verschiedene Hotels einbinden müssen. Und das wirkt sich wieder auf den Transport aus, den wir breiter aufstellen müssen." Das beschäftigt auch Beucher. "Für eine Weltstadt gibt es eine völlig unangemessene Zahl an barrierefreien Zimmern", sagte er: "Und das verstärkt mein Kopfschütteln."

Einig sind sich beide, dass die Aufmerksamkeit auf dieses Problem für eine positive Veränderung für die Gesellschaft sorgen wird. Und auch in Sachen Organisation haben beide nur Lob für die Japaner. Der Aussage von IOC-Präsident Thomas Bach, nach der noch kein Ausrüster ein Jahr zuvor so weit gewesen sei, stimme er voll zu, sagte Parsons: "Und Tokio ist nicht nur in der Olympia-Vorbereitung weit voraus. Sondern auch bei den paralympics-spezifischen Dingen." Auch Beucher erwartet keine Probleme mit der Infrastruktur. "Und ich erkenne in Japan eine hohe gesellschaftliche Bereitschaft, paralympischen Sport zu verfolgen. Und ein großes Bemühen in der Regierung, ihn in der Gesellschaft zu verankern."

Er erwarte familiäre Spiele erklärte Parsons. "Man weiß aus Erfahrung: Olympia ist eher für internationales Publikum aus aller Welt. Die Paralympics sind eher die Veranstaltung der Einheimischen", erklärte er: "Deshalb haben wir sehr darauf geachtet, familienfreundlich zu sein. In Bezug auf die Ticketpreise oder auch die Wettkampfzeiten."

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