Berlin (dpa) - Der frühere Sporthilfe-Chef Hans Wilhelm Gäb schenkt den Versprechen des Profisports für mehr Bescheidenheit nach der Corona-Krise wenig Glauben.

"Ich glaube, da wo der Erfolg im Geschäftsbetrieb über viel Geld, Wohlstand, Existenzen entscheidet, da wird Demut kaum eine Rolle spielen. Heute nicht und morgen nicht", sagte der 84-Jährige im Interview der Funke Mediengruppe. Demut werde in schweren Situationen eher taktisch eingesetzt, weniger aus Überzeugung, sagte der frühere Auto-Manager und langjährige Sportfunktionär. "Solche Art von Demut grenzt ja schon an Unmoral", befand Gäb.

Topverbände und Großclubs vor allem aus der Fußballbranche hatten in den vergangenen Monaten immer wieder beteuert, ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen und mehr Rücksicht auf die Wünsche der Fans nehmen zu wollen. Gäb aber erwartet nicht, dass diese Ankündigungen nachhaltig sind. "Die Erfahrung zeigt, dass die Menschen, Krisen, Krankheiten und schwierige Zeiten sehr schnell vergessen", sagte der Ehrenvorsitzende des Sporthilfe-Aufsichtsrates. Dies werde wohl auch nach der Bewältigung der Pandemie eintreten. "Der Mensch will sich nicht mit dem beschäftigen, was an Bösem hinter ihm liegt", sagte Gäb.

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