Burg l „Ich drehe noch eine Runde.“ Der 18-jährige Lukas Müller* schwingt sich aufs Rad. Auch Tim Mansfeld, zwei Jahre jünger, schnappt sich seinen Drahtesel. Eine Freundin schmeißt derweil eine leere Plastikflasche in einen Abfallbehälter. Ein Freund bleibt vor dem Haus, das als einziges dort leer steht, zurück. Der Gummersbacher Platz gehört neben dem Bahnhof und der Kanalbrücke zu ihren festen Treffpunkten. Keine Minute und alle sind wieder zusammen. „Wenn wir nicht auf dem Platz sind, sind es andere, hier ist es fast immer voll“, sagt Lukas. Das störe niemanden. „Bis auf die Anwohner, irgendwie logisch“, meint das Mädchen in der Runde.

Lärm, Alkohol und Drogen?

Einige Meter weiter sitzt eine Familie auf zwei Bänken. Eltern und Großeltern haben sich Kuchen mitgebracht, der Junge leckt Eis. Weiter oben auf dem Platz vergnügen sich andere am Wasserspiel. Der Platz im Herzen der Stadt füllt sich, es sind Ferien und die Sonne brennt vom Himmel. Anwohner haben ihre Fenster geöffnet. Eine Frau hatte Tage zuvor gegenüber der Volksstimme von Lärm, Alkohol und sogar Drogen berichtet. Gerade die etlichen Gruppen junger Leute würden sich regelmäßig daneben benehmen. Zwei Kameras der Polizei sind auf den Platz gerichtet.

Anfang April ist ein aufgesprühtes Hakenkreuz registriert worden, eine Sachbeschädigung. Mitte Mai wurde jemand bei einer Kontrolle mit Drogen erwischt. Tage später notierte die Polizei eine Körperverletzung. „Die letzte Ruhestörung datiert vom 10. Juli.“ Jugendliche hatten laut Musik gehört. Gegen 23.30 Uhr war Schluss damit. Dennoch: „Ein Brennpunkt ist der Gummersbacher Platz momentan nicht“, meint Polizeisprecher Falko Grabowski. „Das heißt nicht, dass dort nichts passiert.“ Kollegen laufen dort immer wieder Streife, auch die Regionalbereichsbeamten schauen vorbei.

„Im Vergleich zu früher hat sich alles entspannt“, beteuert Jens Vogler, Leiter des Ordnungsamtes. Vor drei, vier Jahren bekamen sich Vertreter der linken und rechten Szene in der Innenstadt noch regelmäßig in die Haare. Eine Diskothek befindet sich ganz in der Nähe, dazu Cafés und Restaurant. Vieles spielt sich an diesem Ende der Einkaufsstraße ab. „Ich bin oft zu Fuß und mit dem Fahrrad in dem Bereich unterwegs. Torkelnde oder randalierende Jugendliche sehe ich nicht“, sagt Vogler. Weil die Skateboarder im Goethepark eine neue Anlage hätten, gehe es auf dem Platz auch längst nicht mehr so turbulent zu.

Der 18-jährige Lukas und seine Freunde mögen den „Gummes“, wie sie den Platz kurz nennen. Von irgendwelchen Eskapaden wollen sie nichts wissen. „Wir sind jung und wollen natürlich Spaß haben.“ In Burg sei ja ansonsten nicht allzu viel los, immer wieder zieht es die Gruppe gerade an Wochenenden in die nur knapp 30 Kilometer entfernte Landeshauptstadt Magdeburg. „Der Gummes ist uns aber schon wichtig“, sagt Lukas und begrüßt Kumpel Leon Meier, 17. Jahre alt. Und keine Viertelstunde später betritt ein weiterer Trupp junger Menschen den Gummersbacher Platz. Es wird Abend.

„Wir lassen keinen Bürger, der sich in seiner Nachtruhe gestört fühlt, allein“, will Polizeisprecher Grabowski unterstrichen wissen. Auch die Kameras bleiben auf den Platz gerichtet. „Uns ist aber bewusst, dass so ein zentraler Platz gerade im Sommer zum Verweilen einlädt. Bei den hohen Temperaturen stehen die Fenster offen. Es kommt vielleicht zu dem einen oder anderen Wortgefecht.“ Konflikte seien schon fast programmiert. „Von Drogenhandel und ähnlichen Delikten haben wir keine Kenntnis, aber ausschließen lässt sich das nie. Einen Brennpunkt sehen wir derzeit nicht.“

Gegenseitige Rücksichtnahme

Weitere junge Leute schlendern über den Gummersbacher Platz. Auf die Fragen der Volksstimme haben sie keine Lust. Polizei und Ordnungsamt wollen die Entwicklung nicht aus den Augen verlieren, zeigen sich momentan dennoch eher gelassen. Polizeisprecher Grabowski sagt am Telefon: „Wir reden nichts schön und dramatisieren nichts.“ Ordnungsamtschef Vogler: „Vielleicht lässt sich einiges in einem stärkeren Miteinander von Anwohnern und jungen Leuten lösen. Stichwort: gegenseitige Rücksichtnahme.“ Wenn das nicht helfe und sich Beschwerden häuften, seien Ordnungsbehörden wieder stärker gefragt.

* (Namen der Jugendlichen geändert)