Halberstadt l Dröhnend frisst sich der riesige Bohrer ins Erdreich. „Wenn wir auf festen Untergrund stoßen, müssen wir mindesten einen Meter tief in den Fels hinein“, sagt Johannes Kröner. Deshalb sind es meist eher acht als nur fünf Meter, die die Bohrlöcher tief sind, die dann mit Beton aufgefüllt und mit Flechtwerk aus Bewehrungsstahl bestückt werden. Jetzt, ohne Frost, kommen die Bohrpfahlgründer der Firma Jacbo gut voran auf dem Areal an der Kühlinger Straße. „Bis Ende der kommenden Woche wollen wir fertig sein“, sagt Kröner.

250 Bohrpfähle werden es am Ende sein, 72 weniger als beim ersten Bauabschnitt. Und diesmal mit minimierten Risiko, die Fundamentpfeiler an der falschen Stelle zu platzieren. Das war beim ersten Bauabschnitt der Lindenhofterrassen passiert.

Genaueres Einmessen

Johannes Kröner weiß auch, woran es lag. 2016 richtete sich das Unternehmen an abgesteckten Achsen aus, der Vermesser übergab Johannes Kröner die Daten. Doch es war nicht Achse A abgesteckt, sondern Achse B. Und damit verschob sich der Bezugspunkt – viele der 322 Pfähle wurden falsch gesetzt.

„Das kann jetzt nicht mehr passieren, inzwischen hat sich die Technik weiter entwickelt, wir arbeiten jetzt verstärkt mit GPS-Daten und klaren Fixpunkten, die uns der Vermesser in seinem Protokoll übergibt. Wir haben alles dreimal kontrolliert, damit uns kein Fehler beim Einmessen unserer Bohrpfähle unterläuft. Die Fixpunkte erleichtern solche Kontrollen“, sagt Johannes Kröner. Und er gibt zu, dass ihm damals das Herz in die Hose gerutscht sei, als klar wurde, was für ein Fehler da passiert war.

Fehler vermeiden

Sein Chef Arij Lambo hört das natürlich gern. Denn jeder Fehler kostet. „Mit den Problemen ist die Firma sehr professionell umgegangen und hat damals kurzfristig nachgebessert“, sagt HaWoGe-Geschäftsführerin Beate Grebe. Weshalb die Halberstädter Wohnungsgesellschaft das seit 25 Jahren in Deutschland tätige niederländische Unternehmen Jacbo aufforderte, sich auch an der Ausschreibung für den zweiten Baubschnitt zu beteiligen. „Es gibt verschiedene Anbieter, die unterschiedliche Verfahren anwenden. Wir haben uns bewusst für das der Firma Jacbo entschieden“, so Grebe.

Weniger Unwägbarkeiten

„Für uns hat das Verfahren einen klaren Vorteil“, ergänzt Henning Staat, Technikchef der HaWoGe, „es ist gut planbar. Wenn man mit den Fundamenten so tief ins Erdreich muss, sind viele andere Verfahren mit großen Unwägbarkeiten verbunden, die wir bei der Bohrpfahlgründung einfach nicht haben.“ Dazu komme, dass nicht endlose Erdmassen bewegt werden müssen, die man von der Baustelle wegbringen und später zum Auffüllen wieder heranschaffen muss, so Staat. „Das schont auch die Umwelt“, kommentiert Jacbo-Geschäftsführer Lambo beim gestrigen Vor-Ort-Termin in Halberstadt.

Abschluss nächste Woche

Seit Montag sind vier Mitarbeiter seines Unternehmens mit dem Setzen der Bohrpfähle, die einen Durchmesser von 52 Zentimeter haben, beschäftigt, zwischen 25 bis 30 schaffen sie pro Tag. „Ende nächster Woche werden wir fertig sein“, so Bauleiter Johannes Kröner. Hilfreich dafür sei das offene Wetter. Weil keine Minusgrade herrschen, müssen die Pfahlköpfe nicht gesondert vor Frost geschützt werden, wenn der Beton abbindet. Und es muss kein vorgewärmter Beton geliefert werden, damit der dann beim Einfüllen in die Bohrlöcher die richtige Temperatur hat.

Dass der Untergrund für den zweiten Bauabschnitt ein bisschen weniger zum „Schweizer Käse“ wird als beim ersten, hat mit den unterschiedlichen Grundflächen zu tun. „Wir ziehen bei diesem Abschnitt das Erdgeschoss nicht mehr so weit nach außen“, so Grebe.

Rohbauer starten

Bereits am Montag rücken zudem die Rohbauer auf der Baustelle an, kündigt HaWoGe-Chefin Beate Grebe an. Auch hier setze man wieder auf ein Unternehmen, das bereits im ersten Bauabschnitt sein Können unter Beweis stellte. Bevor die Gitterroste über die Pfähle gelegt und die Grundplatten gegossen werden, müssen noch Tiefbauarbeiten erledigt werden, zum Beispiel für die Entwässerung.

Begonnen wird mit den Arbeiten an der Ecke Kühlinger/Heinrich-Julius-Straße. Das habe einen einfachen Grund, erläutert Henning Staat. „Von dort kommen alle Medien, die wir für die Wohnhäuser brauchen. Die Leitungen ans andere Ende der Baustelle zu ziehen, um dort zu beginnen, ist unwirtschaftlich.“

Wie auch beim ersten Bauabschnitt haben vor Beginn der Arbeiten Archäologen und Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes das Areal sondiert. Es gab fünf Verdachtsfälle, die sich aber alle als „normaler“ Metallschrott entpuppten.