Berlin (dpa/tmn) - Sie sollen ein Stillmahlzeit ersetzen und Säuglinge mit wichtigen Nährstoffen versorgen: Wenn es um die abendliche Beikost ab dem sechsten Lebensmonat geht, setzen viele Eltern auf Milch-Getreide-Breis.

In einer Untersuchung der Stiftung Warentest schnitten viele dieser Produkte aber nur mäßig ab ("test", 9/19). Kritikpunkte waren falsche Etikett-Angaben und teils zu hohe Schadstoffmengen, aber auch: zu viel Zucker und Zusätze, die eine Vorliebe für Süßes wecken könnten.

Konkret kritisiert werden etwa zugesetzte Fruchtpulver aus Apfel, Birne oder Bananen. Das sorge für einen süßen und mitunter künstlich fruchtigen Geschmack, heißt es. Kinder- und Jugendmediziner Berthold Koletzko rät Eltern darum zum Vorkosten: "Probiert es selbst. Wenn es sehr süß schmeckt, ist es für euer Kind ungeeignet", beschreibt der Leiter der Abteilung Stoffwechsel und Ernährung am Haunerschen Kinderspital in München in der "test"-Zeitschrift.

"Das Problem an zu viel Zucker im Brei ist, dass das zu einer sehr frühen Gewöhnung an einen starken Süßgeschmack führt", erklärt Maria Flothkötter, Leiterin des Netzwerks Gesund ins Leben. "Gerade das erste Lebensjahr ist hier prägend." Generell empfehle man, auf Produkte mit Aromen ganz zu verzichten, so Flothkötter. Für die Geschmacksprägung sei es günstiger, wenn Säuglinge den natürlichen Geschmack von Lebensmitteln kennen lernen.

Fünf bis sieben Prozent Zucker sind in Ordnung

Aber wie viel Zucker ist zu viel? "Der Zuckergehalt sollte sich an dem originalen Vollmilch-Getreide-Brei-Rezept vom Forschungsinstitut für Kinderernährung orientieren", empfiehlt Flothkötter. Das seien etwa fünf bis sieben Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die Zuckermenge, die in den Zutaten Milch und Obst enthalten ist. So seien etwa 10 Gramm Zucker auf 100 Gramm Fertigbrei bereits zu viel.

Wer skeptisch gegenüber Fertigkost ist, kann also den Brei selbst anrühren. Kompliziert ist das nicht: 200 Milliliter Vollmilch (3,5 Prozent Fett) werden in einem Topf mit 20 Gramm zarte Haferflocken verrührt. Diese Mischung lässt man aufkochen und drei Minuten köcheln, danach abkühlen. Abschließend gibt man 20 Gramm zerdrücktes Obst dazu. In einer Online-Broschüre listet das Netzwerk Gesund ins Lebens noch weitere Rezeptvorschläge für gesunden Brei auf.

Nehmen Säuglinge zu viel Zucker zu sich, erhöht sich außerdem das Risiko für Karies und Fettleibigkeit, so Flothkötter.

Nur drei Produkte waren "gut"

Unter dem Strich schnitten nur zwei von zwölf getesteten Produkten zum Selbstanrühren "gut" ab: der Bio-Milchbrei Gute Nacht Kinderkeks von Hipp (Gesamtnote 1,9) und der Babylove Bio Milchbrei Grieß von dm (2,1). Acht waren "befriedigend" und zwei "ausreichend". Unter den fertigen Brei-Gläschen bekam nur der Abendbrei Grießbrei pur von Alnatura die Note "Gut" (2,4), außerdem gab es hier viermal ein "Befriedigend" und zweimal ein "Ausreichend".

Während im Test einige Breie an Aromen oder Zucker zu viel enthielten, war von wichtigen Inhaltsstoffen mitunter zu wenig drin: ein Großteil der Produkte lieferte etwa zu wenig Eisen, das laut dem "test"-Bericht im zweiten Lebenshalbjahr wichtig für das Kind sei.

Etikett kann Eltern in die Irre führen

Missverständliche Etikett-Angaben könnten Eltern dazu verleiten, ihren Kindern zu früh Beikost zu geben. Knapp die Hälfte der Produkte wirbt auf der Verpackung mit der Angabe "nach dem 4. Monat".

Laut Empfehlung des Netzwerks Gesund ins Leben ist es frühestens mit Beginn des fünften Monats und spätestens mit Beginn des siebten Monats Zeit für die erste Beikost. Das sollte erstmal nur Gemüsepüree sein, das man später mit Kartoffeln und ein wenig Öl und in der Folge noch mit Fleisch oder Fisch mischt. Als zweite Beikost könnten Eltern rund einen Monat später den Milch-Getreide-Brei einführen, der Säugling sollte dann zwischen sechs und acht Monate alt sein.

Empfehlungen zur Beikost von Gesund ins Leben

Online-Broschüre vom Netzwerk Gesund ins Leben zu Säuglingsnahrung