Berlin (dpa) - Das Wort Service hat für Tennisprofi Kevin Krawietz derzeit eine ganz neue Bedeutung: In wettkampffreien Zeiten der Corona-Krise schlägt der 28-Jährige in einem Supermarkt auf.

"Seit ein paar Wochen arbeite ich auf 450-Euro-Basis bei einem Discounter", verriet Krawietz in einem Interview des Magazins "Der Spiegel".

An der Kasse Waren einscannen und abkassieren darf er aber noch nicht. "Ich räume zusammen mit einem Kumpel Regale ein und aus, schaue, dass Wurst und Käse aufgefüllt sind, sortiere leere Kartons aus, wir nennen das abschachteln", berichtete Krawietz von seinem Zweitjob. "Letzte Woche habe ich einmal vor dem Eingang Security gemacht, die Einkaufswagen mit Desinfektionsmittel besprüht."

Krawietz hatte "schon länger mal vor, in einen normalen Job reinzuschauen. Durch Corona habe ich nun die Gelegenheit dazu", erklärte er. Was er dort lernt? "Mehr Wertschätzung. Die Kollegen hier stehen teilweise um fünf Uhr auf, sind ab halb sechs im Laden, um die Regale zu befüllen", schilderte er. "Ich hingegen hatte in meinem Leben den Luxus, mein Hobby zum Beruf machen zu können."

Der Coburger hatte im Vorjahr bei den French Open gemeinsam mit Andreas Mies für Furore gesorgt: Die beiden Deutschen triumphierten in Roland Garros im Doppel. Krawietz darf derzeit als Profi dank einer Ausnahmegenehmigung in einer Tennishalle trainieren. "Da spiele ich drei-, viermal die Woche. Ansonsten habe ich mir Inlineskates angeschafft, fahre damit in München am Nymphenburger Kanal auf und ab." Ansonsten gilt für ihn: abschalten und abschachteln.

Interview mit Kevin Krawietz (Bezahlschranke)