Magdeburg l Die Leistungen, die Magdeburger im Rahmen des Magdeburg-Passes und der Bildungskarte in Anspruch nehmen können, sollen zusammengefasst und um Leistungsangebote und weitere Personenkreise ergänzt werden. Ein Konzept für die neue Otto-City-Card hat die Stabsstelle im Sozialdezernat entwickelt. Geplant ist der Start für die neue Karte zum 1. Januar 2021.

Durch die Einführung der Otto-City-Card sollen Familien und Einzelpersonen mit wenig Einkommen gestärkt werden. Damit wird ein Angebot eingeführt, das in anderen Städten Deutschlands bereits etabliert ist und Vergünstigungen für einkommensschwache Personenkreise in einer Karte vereint, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Mit dem Magdeburg-Pass gibt es zum Beispiel Ermäßigungen auf den Eintritt in Kultur- und Sporteinrichtungen in der Landeshauptstadt.

Die bereits vorhandene Bildungskarte wird in die Otto-City-Card integriert.

Hilfe für weitere Personengruppen

Zu den Magdeburger-Pass-Berichtigten gehörten bislang Hartz-IV-Empfänger, Sozialhilfeempfänger sowie Menschen, die gemäß dem Asylbewerberleistungsgesetz unterstützt werden. Neu hinzukommen sollen Wohngeld- und Kindergeldbezieher sowie Kinder in Kinderheimen und bei Pflegefamilien, die im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe unterstützt werden.

Die Aufnahme von Wohngeldempfängern in den Kreis der Karteninhaber richtet sich nicht nur an Familien, sondern insbesondere auch an Senioren. Damit soll der Altersarmut entgegengewirkt werden.

Kinder aus Heimen und Pflegefamilien

Hintergrund für die Aufnahme der Bezieher von Unterstützung aus der Kinder- und Jugendhilfe: Sie erhalten neben Unterkunft, Verpflegung und weitergehenden Beihilfen in stationären Einrichtungen und bei Pflegeeltern Barbeträge. Diese sogenannten Barbeträge stehen ihnen zur freien Verfügung, vergleichbar mit Taschengeld. Da die Höhe der Barbeträge sehr gering ist, sollen diese Kinder und Jugendlichen auch von den Vergünstigen profitieren und die Otto-City-Card bekommen. In Magdeburg gibt es etwa 600 Kinder in Heimen oder bei Pflegeeltern.

Bevor der Stadtrat, der durch zwei Beschlüsse den Impuls für ein einheitliches Angebot gegeben hatte, die Einführung der Otto-City-Card beschließt, haben die Ausschüsse das Wort. Noch nicht getagt zum Thema hat der Finanzausschuss. Zustimmung gab es ohne Neinstimmen und bei einigen Enthaltungen bislang im Familienausschuss, im Gesundheitsausschuss, im Kulturausschuss, im Jugendhilfeausschuss, im Ausschuss für Familie und Gleichstellung, im Bildungsausschuss und im Bauausschuss.

Bauausschuss will keine Ausnahmen

In diesem Ausschuss allerdings mit einem Änderungsantrag. Grünen-Fraktionschefin Madeleine Linke hatte sich daran gestoßen, dass Studenten und Schüler sowie Behinderte, die allein Eingliederungshilfe bekommen, von der Otto-City-Card ausdrücklich ausgeschlossen werden sollen. Dies, so die Verwaltung, liege daran, dass diese Gruppen in den meisten Fällen ohnehin Nachlässe erhielten. Wie Future-Stadtrat Mirco Stage berichtet, gebe es aber vielerorts für diese Gruppen weniger Unterstützung als für die Inhaber des bisherigen Magdeburg-Passes.

Entsprechend den Veränderungen in der Gesellschaft soll die Otto-City-Card übrigens zukünftig in Form einer Chipkarte mit QR-Code an die Berechtigten ausgegeben werden.

Frage nach einer App

Für einige Angebote der Otto-City-Card soll es einfache Smartphones ohne Telefonfunktion und mit beschränktem Datenvolumen geben. Dies erleichtert die Handhabung und soll für eine hohe Akzeptanz bei bestehenden Anbietern sorgen und neue dazugewinnen. Bei der Zusammenkunft des Bauausschusses hatte zudem SPD-Stadtrat Falko Grube dazu nachgefragt, ob das Angebot auch als App für ein bereits vorhandenes Samrtphone zur Verfügung gestellt werden könne.

Alle Nutzer der Otto-City-Card sollen einen eigenen Zugang mit Login-Daten bekommen. Sie können dann alle Angebote sehen sowie die ihnen gewährten Leistungen, den Gültigkeitszeitraum und das noch vorhandene Guthaben bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben.

Einfacheres System

Die Magdeburger Verkehrsbetriebe bieten im Rahmen der bisherigen Angebote auch Unterstützung – derzeit in Höhe von fünf Euro je Monat. Hier wird sogar ein wenig Geld eingespart – da hier bislang mit Papier-Wertmarken und einem aufwendigen Abrechnungssystem gearbeitet wird.

Zudem besteht eine Coupon-Funktion. Die Coupons können dann für alle gültigen Otto-City-Card-Teilnehmer freigeschaltet werden oder auch nur eingeschränkt zum Beispiel für Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren.

Technik macht Coupon-Angebote möglich

Mit dieser Möglichkeit erhofft sich die Verwaltung einen Zugewinn von weiteren Leistungsanbietern, auch aus dem kommerziellen Bereich. Die Anbieter könnten so auch mit besonderen Vergünstigungen werben, wodurch keine gesonderten Kosten entstehen müssten.

Das vereinfachte und praktikablere System führt auch in der Verwaltung zur Kosteneinsparungen. Kostenneutral wird das Ganze dennoch nicht: Pro Jahr muss die Stadt rund 21.300 Euro mehr einplanen für Leasinggebühren für die Technik. Hinzu kommen Gelder, die für die Einführung des neuen Systems erforderlich sind.