Grundschulen

Diskussion um Schülerzahlen

Nach aktuellem Stand müsste die Grundschule Förderstedt ab 2035/2036 geschlossen werden, damit die drei Grundschulen in Staßfurt saniert werden können.

Von Franziska Richter 16.10.2015, 19:04

Staßfurt/Förderstedt l Die Führung der Staßfurter Stadtverwaltung musste dem Ortschaftsrat Förderstedt jetzt einen Vorschlag machen, der für alle Beteiligten unangenehm ist. Wenn drei Grundschulen im Stadtgebiet Staßfurts saniert werden sollen, muss eine vierte geschlossen werden. Die Idee: Schließung der Grundschule Förderstedt und Konzentration des Schulbetriebs auf die Grundschulen Goethe, Uhland und Nord. Die Grundschule Löderburg wird bei dieser Planung gar nicht mehr miteinbezogen, da man dort bereits ab 2024 mit einer Schließung rechnet.

Das Problem: Die Grundschulen Förderstedt, Goethe, Uhland und Nord haben alle großen Sanierungsbedarf. Die Stadt hat aber kein Geld, sondern im Gegenteil ein Defizit von über 4 Millionen Euro. Ohne das Förderprogramm Stark III, bei dem das Land einen Großteil der Sanierungskosten übernimmt, kann die Stadt ihre Grundschulen nicht sanieren.

Aber: Will die Stadt das Förderprogramm Stark III in Anspruch nehmen, muss sie die Bedingungen einhalten: 100 Schüler pro Grundschule im Jahr 2035/36 fordert das Land. Das sind die neuesten Zahlen aus dem Kultusministerium.

Für alle vier Grundschulen braucht die Stadt für das Förderprogramm Stark III dann 400 Kinder. „Wir werden nach unseren Berechnungen aber nur 355 Schüler im Schuljahr 2035/36 im gesamten Gebiet der Stadt Staßfurt haben“, erklärte Hans-Georg Köpper. Der Fachbereichsleiter der Stadt Staßfurt hat zu den angenommenen Kinderzahlen der aktuellen Regionalisierten Bevölkerungsprognose bereits zwölf Prozent dazugerechnet, um erfahrungsgemäße Abweichungen zwischen Prognose und Realität auszugleichen. Den aktuellen Zuwanderungsstrom kann die Stadt nicht einkalkulieren, denn das Land möchte von der Stadt bereits jetzt eine Angabe der Schülerzahlen.

Dennoch ist klar: Die 355 Schüler reichen nur für drei Mal 100 Schüler. Um wenigstens drei Grundschulen über das Stark III-Programm sanieren zu lassen, müsste eine Grundschule geschlossen werden, um auf die restlichen drei je mindestens 100 Schüler aufzuteilen. Wenn die Grundschulen die Bedingungen von Stark III nicht zu erfüllen hätten, wären alle vier groß genug, um weiter bestehen zu dürfen.

„In der Grundschule Förderstedt erwarten wir 2035/36 66 Schüler“, erklärt Hans-Georg Köpper. „Wir haben nun gemeinsam mit dem Oberbürgermeister überlegt, was wir tun können.“ Aus dieser Diskussion wurde die Idee geboren, die Grundschule Förderstedt ab 2035/36 zu schließen.

Dann würden die Förderstedter Grundschüler den anderen drei Grundschulen in Staßfurt zugeordnet werden. Die Stadt erwartet zwar einen Zuwachs an Kindern durch Migration, allerdings muss die Schließung der Förderstedter Grundschule jetzt beschlossen werden: Denn das Land möchte die sogenannten Demografie-Checks haben. Diese sollen dem Fördermittelgeber zeigen, dass die Schulen genügend Schüler für Stark III haben. Das Thema kommt daher in den kommenden Wochen in die Fachausschüsse des Stadtrats.

Soll die Förderstedter Grundschule erhalten bleiben, kann es auch eine andere Möglichkeit geben: Nur zwei Grundschulen in Staßfurt werden über das Förderprogramm saniert. Die Grundschule Förderstedt dürfte mit 66 Schülern weiterbestehen, könnte aber nicht saniert werden. Die Grundschule in Staßfurt mit den wenigstens Schülern könnte ebenso weiterbestehen, würde aber auch keine Sanierung bekommen.

Der Vorschlag der Schließung der Förderstedter Grundschule ist im Ortschaftsrat Förderstedt auf Gegenwehr gestoßen. Johann Hauser (FDP) erklärte: „Ich bezweifle die Schätzung der künftigen Schülerzahlen aufgrund der aktuellen Zuwanderung sehr.“ Diese sei so enorm, dass von Schulschließung in zwanzig Jahren keine Rede mehr sein dürfte.

Peter Maier (Die Linke/offenen Liste) machte den Vorschlag: „Wieso nicht 34 Schüler aus Staßfurt nach Förderstedt transportieren?“ So könnte die Grundschule in Förderstedt saniert werden, eine Grundschule in Staßfurt würde keine Sanierung bekommen.

Günter Döbbel (FDP) forderte von der Verwaltung, genau diese Alternative zu prüfen: Die Grundschule Förderstedt und zwei in Staßfurt mit je 100 Schülern auszustatten und diese drei sanieren zu lassen. „Wir haben eine moderne Sporthalle, kurze Wege und eine Grundschule in gutem Zustand. Vielleicht müssen wir in Förderstedt weniger Geld zur Sanierung investieren“, sagte Döbbel.

Peter Rotter (CDU): „Ich halte die Diskussion, die hier angestoßen wird, für gefährlich. Wir müssen Familien mit Kindern im ländlichen Raum halten.“

Die Stadträte müssen in der übernächsten Woche in den Fachausschüssen und Anfang November im Stadtrat eine Entscheidung fällen.