Flutsanierung

Es ist licht geworden im Schönhauser Park

Kettensägen kreischen im Park. Die 300 Jahre alte Eiche wird abgetragen - einer von vielen alten Bäumen, die jetzt gefällt werden mussten.

Schönhausen l Fast fehlen den drei Spaziergängerinnen am Rande des Bismarck-Parks die Worte beim Blick über das Gelände. „Das war mal unser Park...“, schwelgen sie in Erinnerungen an Zeiten mit üppigem Grün, an Parkfeste, Sportunterricht, auf Bänken pausierenden Spaziergängern, die sich an den „Teppichen“ aus gelben Winterlingen und auch Buschwindröschen erfreuen ... Das scheint beim heutigen Anblick Lichtjahre her und kaum vorstellbar zu sein, dass es mal wieder so wird. Es wird von „Verwüstung des Parkes“ gesprochen (siehe Beitrag unten).

Es ist licht geworden, viele der einst geschätzt 2400 Bäume sind nicht mehr da oder mussten zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit ordentlich gestutzt werden. Berge von Geschreddertem türmen sich auf, an den Wegrändern liegen Stämme bereit für den Abtransport. Große Teile des schwer geschädigten Gehölzbestandes konnten nicht erhalten werden. Insbesondere alte Eichen und Eschen haben die Langzeitauswirkungen nach der Flut 2013 und die hinzukommende extreme Trockenheit 2019 und 2020 nicht verkraftet.

Die Gemeinde musste mit den jetzigen Arbeiten ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen. Ansonsten wären die für dieses Jahr geplanten Bauarbeiten zur Wiederherstellung des Parks, um diesen dann endlich wieder öffentlich zugänglich zu machen, nicht zu verantworten, heißt es aus dem Amt. Die jetzigen Arbeiten sind Vorzeichen für den Start des zweiten und dritten Bauabschnittes zur Wiederherrichtung der historischen Anlage nach der Flut 2013. Eigentlich war mal geplant, dass 2019 alles fertig ist.

Dass es nun wirklich weitergeht und schon Ende dieses Jahres alles fertig sein soll, fällt den drei Spaziergängerinnen schwer zu glauben. In der Tat: Seit dem Abschluss des ersten Bauabschnittes, zu dem die Wiederherrichtung des Rundbeckens samt Aufstellen der restaurierten Sandsteinfiguren und die Instandsetzung des Mauerwerks der Terrasse gehörten, sind nun schon drei Jahre vergangenen. Untätig war man in der Zwischenzeit nicht. Brücken und Durchlass wurden Ende 2018 errichtet und es ging zumindest auf dem Papier mit den Abschnitten 2 (der große Bereich ab den Treppen bis zur Märsche) und 3 (der ehemalige Pfarrgarten) weiter.

Die Pläne, auf Grundlage einer gartendenkmalpflegerischen Rahmenzielstellung erstellt, liegen jetzt zur Genehmigung beim Landkreis vor. „Sobald wir grünes Licht haben, können wir die Wegebau- und Pflanzarbeiten für den zweiten und dritten Bauabschnitt ausschreiben“, berichtet Philip Müller-Hohenstein von der Projektsteuerung IGEA, die das Bauamt der Verbandsgemeinde bei der Abarbeitung der Flutschäden unterstützt. Es handelt sich in erster Linie um die Herstellung von Wegen mit wassergebundener Decke sowie das Anlegen einer Festwiese auf dem Gelände des einstigen Pfarrgartens. Auf der Insel zwischen den Gräben und Teichen kann man sehen, wo die Bismarcks einst in einem Teehäuschen die Idylle genossen. Es wird zwar kein Häuschen mehr aufgebaut, aber die Fundamente sind teilweise noch vorhanden und sie werden ein kleines Stück aufgemauert, so dass man die Umrisse sehen kann. Inmitten soll dann eine derzeit noch eingelagerte, kopflose Sandsteinfigur stehen, die zu den anderen fünf Skulpturen am Teich gehört. Auch die Wiederherstellung der Park-Einzäunung gehört zum Projekt. Der hölzerne Zaun sollte bestenfalls durch einen Metallzaun und teilweise am nördlichen Rand durch die Verlängerung der vorhandenen Mauer ersetzt beziehungsweise ergänzt werden – ob dafür allerdings das Geld reicht, wird sich noch zeigen.

Insgesamt rund zwei Millionen Euro waren nach der Flut für den Wiederaufbau des Parks bewilligt worden. Da es sich um eine barocke Anlage mit historischem Wert handelt, gibt es neben den Flutmitteln zusätzlich noch Fördermittel für den denkmalpflegerischen Mehraufwand zur Wiederherstellung des über 300 Jahre alten Gutsparks und Pfarrgartens innerhalb der als Denkmal abgegrenzten Fläche, zu der auch das Torhaus, das Gartenhaus und das Speichergebäude gehören.

Ob das bewilligte Geld ausreicht oder ob gespart oder nachgelegt werden muss, wird sich noch zeigen. Denn die derzeit laufende Baufeldfreiräumung, die sich nach dem Beginn im Januar nun dem Ende neigt, wird deutlich teurer als die damals in der Schadenserhebung unmittelbar nach der Flut ermittelten Kosten. „Dass die Bäume in so schlechtem Zustand sind – damit hatte niemand gerechnet. Noch viel mehr Bäume als geplant mussten entnommen werden, weil sie schlichtweg vor sich hin faulten. Das ist gerade bei den alten Eichen, Eschen und Kastanien jammerschade“, sagt Philip Müller-Hohenstein.

„Das ist hier ein richtiger Kranken-Park“, bestätigen die beiden Arbeiter der Magdeburger Baumunion, die hier im Einsatz sind und den Bäumen zu Leibe rücken. Sie haben schon in vielen Parks gearbeitet, „aber der hier ist tatsächlich besonders krank. Hier, alles faul“, fasst Peter Fauck in ein kleines Loch in der Rinde ganz unten am Stamm, die sofort abbricht. „Von weitem sieht alles noch schön aus und man fragt sich, warum der Baum denn weg muss. Aber wenn man genauer hin sieht...“ Das war auch bei den beiden großen Eschen und der Eiche, die zum Anfangsbestand des Parks und somit 300 Jahre alt sein dürften, der Fall: Wurzelkranz weggefault.

Der Planer fügt an, dass jetzt auch Bäume entnommen wurden, die vielleicht tatsächlich noch ein, zwei Jahre hätten stehenbleiben können, „so lange hätten sie vielleicht noch durchgehalten, bevor auch sie abgestorben gewesen wären. Aber wenn erst die Wege angelegt sind, soll nicht gleich wieder mit Technik drübergefahren werden. Und jetzt während der Flutsanierung kann nachgepflanzt werden.“

Der Auelehm unter dem Mutterboden des Parks hat das Flutwasser im Juni 2013 lange gehalten. Dieses wochenlange Stehen im Wasser hat die Bäume geschwächt. Durch Staunässe und Faulprozesse wurden die Wurzeln geschädigt. Viele Bäume sind bei Windlast umgefallen, auch in den nunmehr fast acht Jahren danach. „Die Dürre in den letzten Sommern hat den vorgeschädigten Bäumen dann den Rest gegeben“, zeigt Philip Müller-Hohenstein auf ein paar Bäume, aus denen noch abgestorbene Äste herausgeschnitten werden müssen. Deutlich um etwa die Hälfte gestutzt ist auch die auf den Herkules zuführende Allee aus Heinbuchen, die einst eine überschaubare Hecke waren und zu stattlichen Bäumen herangewachsen sind.

Zur Flutsanierung gehört natürlich auch, dass neue Bäume, Hecken und Sträucher gepflanzt und somit entstandene Lücken geschlossen werden. Die Planer rechnen damit, dass die Untere Denkmalschutzbehörde die Genehmigung im April erteilt, so dass dann nach der Ausschreibung im Sommer mit den Arbeiten losgelegt werden kann.

Das mit der Baumpflege und Totholzentnahme beauftragte Magdeburger Spezialunternehmen hat noch ein paar Tage zu tun. Das Gros war bis zum 1. März geschafft gewesen, jetzt sind nur noch abschließende Pflegearbeiten zu erledigen. Beispielsweise die Stubben der gefällten Bäume abzufräsen und am Ende mit einem Schlegelmähwerk über die von den wilden Brombeeren befreiten Flächen zu fahren und ordentlich zu hinterlassen. Die Brombeeren werden wieder nachwachsen. Möglichst schonend für den Boden sollte der Einsatz der teils schweren Technik im Park sein, deshalb kamen teilweise auch Kettenfahrzeuge zum Einsatz, über die die Last besser verteilt wurde, begründen die Fachleute.