Baurecht

Kalimandscharo darf weiter wachsen

Landesbergamt Halle erteilt Planfeststellungsbeschluss für K&S Zielitz mit Umweltauflagen

Von Jens Schmidt 17.12.2020, 00:01

Magdeburg l Am Ausbau der Halde hängt die Zukunft des Unternehmens in Zielitz. Kali benötigt spätestens ab Mai 2021 neue Kapazitäten, andernfalls müsste die Produktion hier enden. K&S gehört mit 1800 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern Sachsen-Anhalts. Mit der Haldenerweiterung wären Salzförderung und Kaliproduktion bis 2054 gesichert. „Für die Beschäftigten und die gesamte Region ist die Genehmigung so kurz vor Weihnachten eine besonders wichtige und schöne Nachricht“, sagte Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) der Volksstimme.

Die Bergleute fördern jährlich gut zwölf Millionen Tonnen Rohsalz aus der Erde. Doch nur zwei Millionen Tonnen taugen für den begehrten Kalidünger. Der große Rest von 10 Millionen Tonnen wandert auf die Halde. Grund: Das Kali wird in einem Nassverfahren aus dem Rohsalz gewonnen. Da die Restsalze feucht sind, dürfen sie nicht wieder unter Tage, da sich andernfalls die Stützpfeiler auflösen würden. Die Kapazität des weithin sichtbaren Salzbergs ist erschöpft. Daher soll die Halde um 200 Hektar erweitert werden – das ist eine Fläche so groß wie etwa 300 Fußballfelder.

Der Aufbau des neuen Haldenbereichs ist deutlich komplexer als früher. Bislang sickern bei Regen 90 Prozent der salzigen Haldenwässer in den Grund. Das war nicht mehr genehmigungsfähig. Daher müssen der Boden unter der erweiterten Halde sowie der Salzberg selbst abgedichtet werden. Da das Abdichten technologisches Neuland ist, dauerte es von 2009 bis 2018, ehe K&S alle Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren zusammenhatte. Es wurden 5000 Seiten in 18 Bänden. Hinzu kommen nun 1000 Seiten Baugenehmigung.

Das Landesbergamt als Genehmigungsbehörde machte deutlich, dass es für die gesamte Prüfung bis Ende 2020 brauchen würde. Wegen des absehbaren Zeitdrucks beantragte das Unternehmen daher im Mai 2019 den vorzeitigen Baubeginn für einen ersten 32 Hektar großen Abschnitt. Im Herbst 2019 gab das Bergamt dafür grünes Licht, da die Genehmigung des Gesamtvorhabens zu erwarten war. Dagegen reichte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) allerdings Klage ein. Anfang 2020 einigten sich Unternehmen und Umweltverband auf einen Vergleich. K&S erklärte sich zu zusätzlichen Umweltmaßnahmen bereit.

Auf der neuen Haldenfläche steht Wald, der gerodet werden muss. Im ersten Abschnitt sind dies 32 Hektar. K&S verpflichtete sich zunächst, dafür auf 50 Hektar neue Bäume anzupflanzen. Mit dem Vergleich kommen weitere 36 Hektar hinzu, die entweder geschützt oder aufgeforstet werden. Im ersten Abschnitt ist mittlerweile auch die neue Bodenabdichtung aufgebracht, so dass ab dem Frühjahr die Halde erweitert werden kann.

Im Januar gehen die Genehmigungsunterlagen an Einwender wie etwa Umweltverbände. Im März werden die Papiere in 18 betroffenen Gemeinden öffentlich ausgelegt; außerdem steht die Genehmigung dann auf der Internetseite des Landesbergamtes. Geht kein juristischer Einwand ein, ist ab Mai alles geklärt.

Die Genehmigung ist mit umfangreichen Umweltauflagen verbunden. Die Liste umfasst 40 Seiten, sagte Frank Paulat vom Landesbergamt. Dazu gehört die Abdichtung des Bodens und der neuen sowie alten Haldenbereiche. Außerdem wird K&S fußballfeldgroße Becken bauen, um salzhaltige Abwässer zu sammeln. Diese dürfen nur dann dosiert in die Elbe geleitet werden, wenn der Fluss genügend Wasser führt. Das Einhalten der Grenzwerte wird an mehreren Messstellen in der Elbe überwacht. Oft gefordert wurde auch, Restsalze zu trocknen, um sie wieder ins Bergwerk einlagern zu könne. „Nach derzeitigem Stand der Technik gibt es aber kein wirtschaftlich geeignetes Verfahren“, sagte Paulat.