Interview

Mit Salz wedeln ...!?

Wladimir Kaminer tritt am Donnerstag, 27. September, im Salzwedeler Kulturhaus mit seinem Programm "Die Kreuzfahrer" auf.

Von Arno Zähringer 19.09.2018, 15:23

Salzwedel l Er kommt wieder in die Hansestadt Salzwedel: Wladimir Wiktorowitsch Kaminer, 1967 in Moskau geboren, wurde vor allem durch das Buch „Russendisko“ bekannt. Am Donnerstag, 27. September, gastiert er im Kulturhaus.

Volksstimme: Herr Kaminer, wie haben Sie den Schock verdaut, dass Deutschland nicht Fußballweltmeister geworden ist? Schließlich hatte so Ihr Tipp gelautet ...
Wladimir Kaminer: Ich habe sehr darunter gelitten. In der Regel bin ich im Juni auf Lesereise. Dieses Jahr aber hat sich niemand getraut, etwas zu veranstalten, weil alle dachten, unsere Nationalmannschaft würde bis zum Finale kämpfen. Und man weiß ja nicht, an welchem Tag sie spielen werden. Ich hatte dafür viele Aufträge von Zeitungen und Zeitschriften bekommen. Sie wollten über Fußball in Russland mehr wissen. Dann aber waren die Deutschen vorzeitig ausgeschieden. Niemand wollte mehr über Fußball in Russland etwas wissen. Also bin ich auf meinen Fußballessays sitzen geblieben. Vielleicht mache ich irgendwann ein Fußball-Buch daraus.

Woran hat es gelegen, dass „Die Mannschaft“ rausgeflogen ist? Hatte da vielleicht Putin (oder die Russenmafia) die Hände im Spiel?
Ich weiß es nicht. Der Druck war wahrscheinlich zu groß, die Angst zu scheitern: Wir sind die Weltmeister, wir müssen den Titel verteidigen. „Wer auf hohem Bett schläft, fällt leichter runter, als jemand, der auf dem Boden liegt“, sagen die Russen.

Sie sind viel unterwegs. Donnerstag nächster Woche kommen Sie nach Salzwedel. Was sagen Sie, der Geschichtenerzähler, dann Ihrer Mutter, wo Sie sind?
Meine Mutter ist ein sehr neugieriger Mensch. Wenn ich ihr die Wahrheit sage, wird sie bestimmt wissen wollen, wieso die Stadt so heißt und wie man überhaupt mit dem Salz wedeln kann. Ich werde mir etwas einfallen lassen.

 

Sie leben als Schriftsteller in Berlin und kommen nach Salzwedel mit Ihrem Programm „Die Kreuzfahrer“. Was verbirgt sich dahinter? Zurzeit scheinen sehr viele Menschen unzufrieden und unterwegs zu sein. Sie suchen nach einem besseren Ort – ob als Flüchtlinge oder als Touristen. Ich gehe mit ihnen auf die Reise und beschreibe sie.

Es gibt lautet Ihrer Definition freiwillig (Touristen) und unfreiwillig Reisende (Flüchtlinge). Wie werden Sie sich diesem Thema nähern?
Mein Buch über unfreiwillig Reisende kam in März raus und ist gleich ein Bestseller geworden, jetzt habe ich die zweite Gruppe ins Visier genommen. „Die Kreuzfahrer“ gefällt mir von allen meinen Werken am besten. In diesem Buch treffen die freiwillig und unfreiwillig Reisenden stets aufeinander, sie laufen aneinander vorbei. Und man sieht, wie dünn die Grenze zwischen beiden Gruppen ist.

Wie ist es möglich, über ernste Dinge lachen zu können?
Man muss über die Tragödien des Lebens lachen lernen, sonst werden sie zur Sackgasse und nicht mehr zu überwinden. Wenn alle nur weinen, kommen wir nicht weiter.

Wladimir Kaminer tritt am Donnerstag, 27. September, ab 19.30 Uhr im Kulturhaus Salzwedel auf. Eintrittskarten sind in der Tourist-Information Salzwedel, Neuperverstraße 29, Telefon 03901/422438, erhältlich.