Nedlitz/Pöthen l Zwar setzte gerade zum symbolischen Spatenstich der Regen ein, „aber für uns Nedlitzer scheint heute die Sonne“, sagte Ortsbürgermeisterin Christine Becker. Der Radweg nach Pöthen und Gommern sei für die Nedlitzer ein großer Gewinn.

Knapp zehn Jahre hatten die Stadt Gommern und die Ortschaft um den Bau des Radweges gekämpft. Denn es war klar, dass die Baukosten nur mit Fördermitteln zu stemmen wären. Aber gerade hier gelang es lange Zeit nicht, ein geeignetes Förderprogramm zu finden. Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos) sprach von etlichen Absagen diverser Ministerien, er sprach aber auch vom großen Einsatz von Anita Napionteck, Sachbearbeiterin im städtischen Bauamt, den Radweg doch hinzubekommen.

Um dem Wunsch Nachdruck zu verleihen, hatte der Nedlitzer Ortschaftsrat und Stadtrat Gunnar Hildebrand (CDU) im September 2019 eine Fahrrad-Demonstration auf der Kreisstraße von Nedlitz nach Gommern (K 1220) organisiert. Die Resonanz war groß. Neben zahlreichen Einheimischen hatten sich auch Radler aus den Nachbarorten und aus Gommern an der Demo beteiligt.

Zu diesem Zeitpunkt sei die Entscheidung, den Radwegebau zu fördern, schon fast getroffen gewesen, sagte Jens Hünerbein am gestrigen Donnerstagmorgen. Parallel zum Versuch, Fördermittel zu erhalten, habe die Stadt mit den Privateigentümern und Landwirten über die Flächen verhandelt, die der Landwirtschaft für den Radweg entzogen werden. Es konnte ein Einvernehmen hergestellt werden, auch was die Ackerzufahrten betrifft.

In Vorbereitung des Radwegebaus hat die Avacon ihre Stromleitung entlang der Kreisstraße als Erdkabel verlegt. Die Masten werden demnächst abgebaut.

Gommern zahlt 100.000 Euro

Mit dem Radwegebau erfüllt die Stadt Gommern den letzten Wunsch der Gemeinde Nedlitz aus der Gebietsänderungsvereinbarung von 2005. Da der Radweg entlang der Kreisstraße verläuft, hätte die Stadt auch auf den Landkreis Jerichower Land als zuständige Behörde verweisen können. In der gewählten Variante übernimmt die Stadt den Eigenanteil der Kosten in Höhe von rund 100.000 Euro und überträgt den Radweg nach Fertigstellung an den Landkreis, der dann für die Unterhaltung zuständig sein wird.

„100.000 Euro sind für eine Einheitsgemeinde nicht wenig Geld“, sagte Landrat Steffen Burchhardt (SPD). Er lobte das Engagement der Stadt. Die Leute vor Ort könnten viel besser mit den Anrainern verhandeln als eine Kreisverwaltung. „Ich freue mich über jeden Meter zusätzlichen Radweg.“

Die Verbindung zwischen Nedlitz und Gommern strahle in beide Richtungen aus, sagte Jens Hünerbein. Einerseits sollen die Nedlitzer animiert werden, das Auto in der Garage zu lassen und Wege in Gommern per Fahrrad erledigen, zum anderen sollen auch die Gommeraner Ausflüge per Rad nach Nedlitz unternehmen. Die Kirche St. Nikolaus mit ihren Kirchenführungen und den Mumien, das Straußenland oder ein Picknick auf dem Kienberg bieten sich dafür unter anderem an.

Nicht zuletzt macht der Radweg die Nedlitzer Schulkinder unabhängiger vom Schulbus.

Zwar ist das offizielle Bauende erst in elf Monaten vorgesehen, aber Jens Hünerbein hofft, dass die Arbeiten zügig vorankommen und schon im Sommer eine gemeinsame Radtour stattfinden kann. Vielleicht können dann auch die versprochenen Sektkorken knallen. Donnerstagmorgen war zum symbolischen Spatenstich zwar die Freude groß, aber wegen der Coronavirus-Pandemie achteten alle Teilnehmer auf Abstand zueinander.