Wiesbaden (dpa) - Deutschlands Exporteure kommen nur mühsam aus dem Corona-Tal. Zwar stiegen die Warenausfuhren im August gegenüber Juli nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,4 Prozent.

Doch vom Vorkrisenniveau ist der Export, der zu den wichtigen Stützen der größten Volkswirtschaft Europas zählt, noch weit entfernt. Der Außenhandelsverband BGA sprach von einer Erholung auf niedrigem Niveau. Mit Sorgen beobachtet die Wirtschaft die wieder steigenden Infektionszahlen. Hinzu kommen der Brexit und Unsicherheiten wegen der US-Präsidentschaftswahl. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet mit einem "ungemütlichen Herbst".

Zeitweise Grenzschließungen, Störungen in der Logistik und Unterbrechungen der Lieferketten zu Beginn der Corona-Pandemie hatten das Geschäft mit "Made in Germany" in den vergangenen Monaten ausgebremst. Die allmähliche Erholung der Wirtschaft in vielen Ländern kommt den Exporteuren zwar im Monatsvergleich zugute. Gegenüber August 2019 brach das Volumen der Exporte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aber um 10,2 Prozent auf 91,2 Milliarden Euro ein. Die Ausfuhren liegen damit immer noch um 9,9 Prozent unter dem Niveau von Februar 2020 - dem Monat vor Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen. Die Einfuhren verringerten sich binnen eines Jahres um 7,9 Prozent auf 78,5 Milliarden Euro.

Der zeitweise Lockdown hinterließ auch tiefe Spuren in der Bilanz der ersten acht Monate. Von Januar bis August sackten die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12,7 Prozent auf 770,3 Milliarden Euro ab. Die Importe verringerten sich um 10,1 Prozent auf 661,2 Milliarden Euro.

Die Sorge der Wirtschaft ist weiterhin groß. "Das Corona-Virus lässt die Infektionszahlen momentan wieder weltweit in die Höhe schnellen und kann uns zum Jahresende nochmals einen Strich durch die Rechnung machen", sagte BGA-Präsident Anton Börner. Daneben gebe es weitere Risiken. "Der Brexit nimmt immer absurdere Züge an." Auch die US-Wahl werde Spuren hinterlassen. "Wer auch immer die Wahl gewinnt, die transatlantischen Beziehungen werden nicht auf alte Pfade zurückkehren. Wir können aber hoffen, dass der Umgang ein zivilisierter sein wird", sagte Börner.

Nach Einschätzung des DIHK-Außenwirtschaftsexperten Volker Treier ist die Entwicklung im August vor allem dem wiederanziehende China-Geschäft und Nachholeffekten in Europa zu verdanken. "Doch die Coronavirus-Pandemie hält die Wirtschaft noch in vielen Ländern in Schach, darunter leiden die Geschäfte der deutschen Exporteure", sagte Treier. Ohne die Möglichkeit für Geschäftsreisen könnten vielfach Aufträge oder Investitionen nicht abgeschlossen werden. So verzeichnete beispielsweise die deutsche Elektroindustrie nach Angaben des Branchenverbandes ZVEI im August 12,4 Prozent weniger Aufträge als vor einem Jahr. Die Order aus dem Ausland sanken dabei um 17,0 Prozent.

ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski sieht vorerst "mehr Gegenwind als Rückenwind" für den Export. "Neue Beschränkungen in vielen Ländern aufgrund steigender Infektionen werden ihre Spuren auch beim deutschen Export hinterlassen". Hinzu komme der Strukturwandel in Teilen der Wirtschaft sowie zunehmender Protektionismus.

Die Bundesregierung rechnete zuletzt mit einem Einbruch der Exporte im Gesamtjahr von 12,1 Prozent. Bei den Importen macht sich demnach eine geringere Binnennachfrage bemerkbar, dort erwartet die Regierung ein Minus von 8,1 Prozent.

Nach der jüngsten Schätzung der Welthandelsorganisation (WTO) wird der Welthandel diesem Jahr zwar etwas weniger dramatisch einbrechen als im April befürchtet. Die Volkswirte rechnen mit einem Rückgang im Warenhandel in diesem Jahr von 9,2 Prozent. Im April hatte sie im besten Falle mit minus 12,9 Prozent gerechnet. Die Unsicherheit bleibe bei allen Prognosen aber groß, teilte die WTO jüngst mit.

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