Berlin (dpa) - Mehr als 500 Wissenschaftler haben gegen eine Benachteiligung von Nachwuchsforschern und Menschen mit Kindern im Uni- und Hochschulbetrieb während der Corona-Krise protestiert.

Sie kritisierten in einem offenen Brief an die Bundesregierung, dass viele Expertengremien vor allem aus älteren Männern bestünden und die gesamte Diskussion recht einseitig geführt werde. Der Aspekt der Kinderbetreuung werde in der Debatte zu wenig berücksichtigt.

"Die aktuellen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen treffen gerade Eltern mit maximaler Härte", schreiben die Verfasserinnen und Verfasser, die nach eigenen Angaben in unterschiedlichen Bereichen forschen und zwischen 25 und 50 Jahre alt sind. Die Betreuung eines kleinen Kindes sei eine Vollzeitaufgabe. Pro Familie falle ein Erwachsener für die Arbeit weitgehend aus. Besonders Frauen würden in das traditionelle Rollenmodell zurückgedrängt und stellten ihre Karriere hinter häuslichen Aufgaben zurück. Die Folgen für die Karrieren von Frauen seien "verheerend".

Auch auf die zu wenig untersuchte Rolle von Kindern innerhalb der Infektionsketten und auf die negativen Folgen der längerfristigen Isolation für Kinder wiesen die Verfasser hin. "Wir fordern daher, der Wiederöffnung von Kitas und Kindergärten in Kleingruppen mehr
Priorität zu geben."

Insgesamt sei eine "ausgewogenere Expertenberatung und Diskussion" nötig, verlangten die Verfasser des Briefes. So habe die Arbeitsgruppe der Leopoldina aus 24 Wissenschaftlern und nur zwei Wissenschaftlerinnen mit einem Altersdurchschnitt von 63 Jahren bestanden.

Unterzeichnet wurde der offene Brief von knapp 600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zahlreicher deutscher Universitäten, darunter auch viele mit Professorentitel. Der Brief ging an die Bundesregierung, die Landesregierungen und den Bundestag und sollte im Internet veröffentlicht werden.

Offener Brief