Salzwedel/Gardelegen l Auch wenn der meist graue Himmel und die vielen Regenschauer einigen auf das Gemüt schlagen, für die Natur ist das Wetter nach den beiden Dürrejahren ein Segen. „Es hat gut geregnet, es reicht aber noch nicht für einen Anschluss an normale Grundwasserstände“, sagt die Leiterin des Sachgebietes für Wasserwirtschaft, Claudia Lembke. Das zeigt die Auswertung der sogenannten Jahresganglinien an den Messstellen in Mieste, Miesterhorst und Parleib. In Mieste ist der Stand des Frühjahres 2019 nach einem Tief vom Sommer knapp erreicht. In Parleib und Miesterhorst sieht es ähnlich aus.

Ein Grund dafür ist der sogenannte „Sommerfrost“ im Boden der nach langanhaltender Dürre entsteht, erklärt die Fachfrau. Dabei entsteht in 40 bis 50 Zentimetern Tiefe eine verdichtete Schicht durch die das Wasser nur sehr langsam durchsickert. Bei stärkeren Regenfällen fließt es ab in die Gräben und Flüsse und landet letztlich in der Nordsee. „Es muss noch viel mehr und vor allem langsam regnen, damit die Sommerfrostschicht durchweicht und das Oberflächenwasser im Grundwasser ankommt“, lautet das Fazit der Sachgebietsleiterin. Dabei spiele die Art der Böden eine Rolle. Bei Sand geht es schneller, bei ton- oder lehmhaltigen Böden dauert es länger.

16 Zentimeter bei Zießau

Die Frühjahrspegel der Flüsse haben nach einem Tief im September 2019 von an einigen Stellen nur wenigen Zentimetern wieder einen für die Jahreszeit normalen Stand erreicht. Bei der Dumme in Salzwedel liegt er bei aktuell 49 und Tylsen bei 85 Zentimetern, die Jeetze führt in Sienau aktuell 112 Zentimeter Wasser. Am Arendsee zeigt der Pegel bei Zießau 16 Zentimeter, nachdem er von Ende August bis zum Beginn des neuen Jahres bei Null gestanden hatte.

Die Niederschläge sind lokal unterschiedlich ausgefallen. An der Wetterstation in Gardelegen sind in diesem Jahr 126 Liter pro Quadratmeter gemessen worden. 2019 waren es 491 Liter, 2018 ganze 323 und im regenreichen 2017 schließlich 676 Liter pro Quadratmeter, wie es die Statistik des Wetterdienstes ausweist.

Kulturen stehen gut

Die Winterkulturen auf den Feldern stehen nach der milden und feuchten Witterung der vergangenen Monate „gar nicht so schlecht“, schätzt der Vorsitzende des Kreis-Bauernverbandes Raimund Punke ein. Jetzt komme es auf den Stickstoffgehalt im Boden an. Um ihn zu ermitteln, werden Proben entnommen, damit auf den Bedarf abgestimmt gedüngt werden kann, erklärt er.

Es gebe wenige bis keine frostbedingten Ausfälle. Und auch für die Wiesen haben nach der anhaltenden Trockenheit der Vorjahre „gut Wasser aufgenommen und sich in weiten Teilen gut erholt“, schätzt der Landwirt ein. Der Boden habe sich erstmal voll gesaugt. Wichtig sein nun, dass das Frühjahr nicht zu trocken werde. Alles in allem habe sich die Situation entspannt. Aber: „Es kann ruhig noch ein bisschen weiterregnen“, sagt der Verbandsvorsitzende. Auf Sandböden sei es meist kein Problem trotzdem die Frühjahrsarbeiten vorzunehmen, bei schwereren Äckern sei das etwas anderes, vor allem wenn Wasser auf den Flächen stehe, erklärt er.