Magdeburg l Das Handyfoto einer Zivilpolizistin mit einer Schusswaffe am Gürtel, offen getragen beim Fußballspiel in Magdeburg, hat in dieser Woche für Diskussionen gesorgt. Wirkt so etwas nicht eher eskalierend? Matthias Fricke sprach darüber mit dem Einsatzführer in Magdeburg, Polizeidirektor Dietmar Schellbach.

Volksstimme: Ist der Einsatz von bewaffneten Zivilbeamten bei Fußballspielen üblich?
Dietmar Schellbach: Ja. So wie bei anderen größeren Veranstaltungen auch, ist die Aufklärung für die Polizeiarbeit sehr wichtig. Wir müssen schließlich wissen, wo Gefahrenherde entstehen oder Straftaten passieren. Dazu kommen Kriminalisten, die ohnehin in Zivil im Einsatz sind und zum Beispiel erste Vernehmungen vornehmen oder Beweise sichern.

Wie viele Beamte sind bei einem durchschnittlichen Drittliga-Spiel in Zivil im Einsatz?
Über den Personaleinsatz wollen wir im Detail nicht sprechen. Ich kann aber so viel sagen, dass dies von verschiedenen Faktoren abhängt. Bei bestimmten Risikospielen können es auch mal mehr Zivilbeamte sein, bei anderen Derbys reichen weit weniger.

Welche Aufgaben haben denn die Zivilpolizisten im Fußballstadion?
Neben der Aufklärung und dem Erkennen von möglichen Gefahren sollen sie auch Straftaten aufdecken. Da sind vor allem die Beamten der Kriminalpolizei sehr oft mit im Boot, die im Stadion auch selbst ermitteln oder Beweise sichern. Dazu gehören unter anderem Vernehmungen, Fotografieren und alles was eben dazugehört.

Sind die Beamten auch im Block der Ultras im Einsatz?
Wir haben natürlich unsere szenekundigen Beamten mit im Einsatz, die aber bei den Fans fast alle bekannt sind. Sie sind im Regelfall auch als solche erkennbar.

Tragen diese szenekundigen Polizisten auch Waffen?
Ja, selbstverständlich. Jeder Vollzugsbeamte muss das.

Warum ist das im Stadion überhaupt nötig? Da reichen doch die uniformierten Einsatzkräfte vollkommen aus.
Nein, eben nicht. Jeder Vollzugsbeamte muss aus Gründen der Eigensicherung seine Dienstwaffe tragen. Entsprechend sind wir auch ausgebildet. Es geht ja ebenfalls darum, dass wir in Extremsituationen durch den Einsatz der Waffe als allerletztes Mittel im Notfall auch Menschenleben retten können. Das wird von uns im Rahmen des gesetzlichen Auftrages auch so erwartet.

Aber gerade im Stadion könnte so eine am Gürtel getragene Waffe, bei aufgeheizter Stimmung, sich möglicherweise als Bumerang entwickeln. Sie könnte in der Masse auch gestohlen werden ...
Wie gesagt, dazu sind alle Beamten entsprechend ausgebildet und das ist ja unser tägliches Geschäft. Es gibt natürlich auch entsprechende Sicherungen, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte.

Müssen Zivilbeamte die Waffe verdeckt tragen?
Ja, sie sollte möglichst verdeckt getragen werden. Wenn allerdings in der täglichen Arbeit durch das Verrutschen der Jacke ein Blick auf die Waffe frei wird, dann kann das passieren. Jeder erwartet doch auch von einem Polizisten in Zivil, wie bei der Kriminalpolizei auch, dass er bewaffnet ist. Das gehört zum gesetzlichen Auftrag auch dazu.

Wäre es nicht besser und deeskalierend, wenn nur Uniformierte im Stadion wären?
Nein, im Gegenteil. Manchmal ist es besser, nur einen Zivilbeamten mit der Aufklärung einer Situation zu beauftragen, als gleich einen ganzen Zug uniformierter Einsatzkräfte in voller Montur dort hinzuschicken.

Wie wollen Sie künftig mit dem Thema umgehen?
Genauso wie bisher. Wir werden natürlich auch zukünftig Zivilbeamte bei solchen Fußballspielen im Einsatz haben. Da können wir einfach nicht darauf verzichten. Solche Aufklärer wird es immer geben müssen.