Magdeburg l An das neue Umfeld beim 1. FC Magdeburg muss sich Giorgi Loria erst mal gewöhnen. Loria spricht zwar neben Georgisch und Russisch auch Englisch. Im Training kommt es zwischen dem Torhüter und seinen neuen Teamkollegen Alexander Brunst und Mario Seidel aber trotzdem manchmal zu Missverständnissen. Torwarttrainer Matthias Tischer schlüpft dann spontan in die Rolle des Dolmetschers.

Verständigung mit Händen und Füßen

Als Brunst beispielsweise beim Versuch, einen aufsetzenden Ball zu erklären, hilfesuchend zu Tischer schaut, sagt dieser: „It is a bounce ball.“ Loria schaut kurz, versteht dann und meistert die Übung souverän. Lorias erster Eindruck von den „goal guys“, wie er die Torhüter-Kollegen nennt, ist jedenfalls gut. „Wir tauschen uns notfalls mit Händen und Füßen aus“, sagt er und schmunzelt.

Es sind die kleinen Hindernisse, mit denen sich der 32-Jährige seit seiner Ankunft in Magdeburg auseinandersetzen muss. Dazu gehörten in den vergangenen Tagen auch Behördengänge und medizinische Untersuchungen. „Ich bin erst wenige Tage hier, aber schon ziemlich viel unterwegs. Von der Stadt habe ich leider noch nicht viel gesehen“, sagt er.

Mehrere Monate ohne Verein

Loria geht den Stress aber gelassen an: Er hat in seiner Karriere schließlich schon ganz andere Situationen erlebt. Besonders die vergangenen Monate setzten ihm zu. Ende August stand er plötzlich ohne Verein da. Er verließ den russischen Erstligisten Krylja Sowetow Samara – mehr gezwungen als freiwillig. Der neue Sportdirektor Aleksandr Shikunov, seit Mitte Juli im Amt, hatte keine Verwendung mehr für Loria.

„Ich sollte den Verein plötzlich verlassen, ohne dass es sportliche Gründe gab“, erzählt Loria. Und: „Ich wurde von der Entscheidung völlig überrascht.“

Danach zerschlug sich ein Wechsel nach Kasachstan. „Ich hatte einen Vertrag in Aussicht, der unterschriftsreif vorlag“, sagt der 32-Jährige. Doch wieder war das Glück nicht auf seiner Seite. „Der Verband änderte zu dieser Zeit die Transferregeln. Es ging einfach nicht voran.“

Der Torhüter hatte genug. Er wollte nicht mehr warten und griff zu, als sich über Alexander Iashvili, Ex-Bundesliga-Spieler und Ex-Mitspieler von FCM-Sportchef Maik Franz, der Kontakt nach Magdeburg ergab. „Alexander erzählte mir vom FCM, vom Trainer und von den Zielen des Vereins. Danach sagte ich zu“, erzählt er. Loria spürte, dass er schnell handeln musste. Endlich stand ein sportliches Signal mal auf Grün.

Kurz vor Wechsel zum FC Chelsea

Zu oft hatte er zuvor Chancen verpasst – meist unverschuldet. Den größten Karrieresprung hätte er fast im Sommer 2015 gemacht: Loria stand beim griechischen Top-Verein Olympiakos Piräus unter Vertrag, als plötzlich der FC Chelsea anklopfte. „Stammtorhüter Thibaut Courtois, der mittlerweile bei Real Madrid spielt, war verletzt. Außerdem hatten Petr Cech und Mark Schwarzer den Verein verlassen. Chelsea wollte mich deshalb holen“, sagt Loria. Aus dem Wechsel wurde letztendlich aber nichts – was der Georgier noch heute bedauert: „Es war eine Riesenchance. Ich bekam in England aber keine Spielerlaubnis.“

Grund für den gescheiterten Wechsel: Die Regeln wurden 2015 für Nicht-EU-Fußballer, die in die Premier League wechseln wollten, verschärft. Wenn ein Kicker in den zurückliegenden zwei Jahren nicht 70 Prozent der möglichen Länderspiele bestritten hatte, bekam er keine Spiel-erlaubnis. Loria kam damals nicht auf diese Prozentzahl. Mittlerweile hat er 47 Länderspiele auf dem Konto.

Stolz auf Nationalteam

Chelsea holte dann Torhüter Asmir Begovic von Stoke City, der sogar fünf Champions-League-Partien absolvierte. Weil Piräus finanzielle Probleme hatte, wechselte Loria trotzdem – nach Russland zu Samara.

Bei allem Ärger, den Loria verdauen musste – ein sportlicher Anker war die georgische Nationalmannschaft. „Dort spielt man nicht nur für sich. Es ist toll, das ganze Land auf dem Rasen zu vertreten, die Nationalflagge auf dem Trikot zu sehen“, schwärmt er.

Möglichst oft möchte er auch das FCM-Trikot tragen. Seit gestern ist er spielberechtigt. Von der 2. Bundesliga hat er sich bereits ein Bild gemacht. Es gebe viele „fighting games“, wie er es nennt. „Das kenne ich aber aus Russland“, sagt er und lacht.

FCM wie Tiflis

Loria hat zudem eine Parallele zwischen dem FCM und seinem Heimatverein Dinamo Tiflis ausgemacht. Tiflis gewann 1981 gegen Jena den Pokal der Pokalsieger, sieben Jahre nach dem FCM. „Beide Vereine haben Geschichte geschrieben. Beim FCM möchte ich Teil der Mission Klassenerhalt sein“, sagt er.

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