Magdeburg l Alexander Brunst stand beim Training nachdenklich am Pfosten, die Schultern hingen nach unten. Die Körpersprache war nicht sonderlich positiv. Bei Brunst täuschte allerdings der erste Eindruck. Wenn er im Tor steht, dann ist er fokussiert. Seine Umgebung nimmt er kaum wahr. „Ich schalte alles aus und bin dann im Tunnel“, erklärt er.

In ihm sah es sicherlich ganz anders aus. Kurz vor dem Training erhielt er schließlich eine gute Nachricht: FCM-Trainer Jens Härtel bat Jasmin Fejzic und Brunst zum Gespräch und erläuterte beiden, dass er einen Wechsel im Tor vornehmen wird. Brunst wird somit zur neuen Nummer 1, Fejzic muss auf die Bank.

Wechsel deutete sich an

Es ist ein Wechsel, der sich angedeutet hatte. Trotzdem sagte Fejzic auf die Frage, ob er von dem Torhüterwechsel nach nur fünf Pflichtspielen überrascht wurde: „Ja.“ Weitere Aussagen gab es von ihm nicht. In den vergangenen Wochen wurden die Zweifel an Fejzic größer. Trainer Härtel bescheinigte ihm in Kiel eine solide, aber keine gute Partie. Die Verantwortlichen hatten sich mehr erhofft, der 32-Jährige sollte mit seiner Erfahrung Ruhe ausstrahlen. Das Gegenteil war der Fall: Zu oft vermittelte er einen unsicheren Eindruck. Bei den Freistoß-Gegentreffern gegen St. Pauli, Ingolstadt und in Kiel sah er unglücklich aus. Härtel vermisste die erhoffte Reaktion. „Es war schon im Sommer eine enge Entscheidung. In der Länderspielpause haben wir uns dann nach einer intensiven Analyse für den Wechsel entschieden“, erklärt Härtel.

Für Brunst geht damit ein Traum in Erfüllung. Bereits am Montag (20.30 Uhr) zu Hause gegen Arminia Bielefeld wird er sein Zweitligadebüt feiern. Diese Aussicht zaubert ihm ein Lächeln ins Gesicht. „So richtig kann ich es wahrscheinlich erst nach dem Spiel fassen, dass ich in der 2. Liga aufgelaufen bin. Das kann nicht jeder von sich behaupten und kann mir niemand mehr nehmen“, betont er.

Mentale Stärke ist großes Plus

Der Spieler mit der Rückennummer 30 kann jetzt beim FCM endgültig durchstarten. „Das ist meine Chance. Ich will das Vertrauen des Trainerteams jetzt durch Leistung zurückzahlen“, sagt er. „Ich setze mich aber auch nicht unter Druck. Dass ich mit einer solchen Situation umgehen kann, habe ich zuletzt im Pokal gegen Darmstadt und gegen Ende der vergangenen Saison gezeigt.“ Auf der Zielgeraden der 3. Liga stand Brunst, der im Sommer 2017 vom VfL Wolfsburg II nach Magdeburg kam, fünfmal zwischen den Pfosten, da der damalige Stammtorhüter Jan Glinker verletzt ausfiel.

Ein großes Plus von Brunst ist seine mentale Stärke. Der 1,95-Meter-Hüne blieb in der vergangenen Saison ruhig, als sich Härtel zweimal für Glinker und gegen ihn entschied. Er glaubte standhaft und geduldig an seine Chance. Nach der Sommervorbereitung arbeitete er noch härter, als Fejzic zunächst den Vorzug erhielt. Von Resignation war nichts zu spüren. „Es gibt nichts Schöneres für mich, als Bälle zu halten. Warum sollte ich mich hängen lassen? Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, stellt er klar.

Extra-Schicht mit Costly und Lohkemper

Auch gestern Nachmittag blieb er nach der rund zweistündigen Einheit noch mit Marcel Costly und Felix Lohkemper auf dem Rasen. Eine Extra-Schicht stand auf dem Programm. An freien Tagen geht er gerne mal in den Kraftraum und tobt sich dort aus. „Ich habe früh gelernt, dass Fleiß und harte Arbeit immer das Talent schlagen. Irgendwann wird diese Arbeit belohnt. Mal geht es schneller, mal dauert es länger. Das ist meine Lebenseinstellung“, versichert der 23-Jährige.

Diese Einstellung hat der Trainer jetzt honoriert. Härtel sieht in dieser Entscheidung aber für Brunst keinen Freibrief. „Alexander wird sich daran jetzt messen lassen müssen. Er muss den gestiegenen Stellenwert, den er bei uns genießt, jetzt bestätigen.“

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