Magdeburg/Berlin l In der gläsernen Fußballwelt gibt es kaum noch Talente, die sich unter dem Radar der Vereins-Scouts bewegen und dann plötzlich zur Überraschung werden. Ein seltenes Beispiel für einen solchen Transfercoup ist Marius Bülter, der sich über den Regionalligisten SV Rödinghausen und den 1. FC Magdeburg beim Erstligisten 1. FC Union Berlin innerhalb von nur zwei Jahren einen Namen gemacht hat.

Und davon profitiert jetzt auch der FCM, der den Stürmer entdeckt hat. Geschäftsführer Mario Kallnik tüftelte nämlich ein sehr geschicktes Modell aus. Bülters Vertrag in Magdeburg wurde vor einem Jahr bis 2022 verlängert, gleichzeitig wurde er an Union Berlin verliehen – mit anschließender Kaufoption, die bis Ende Mai gezogen werden muss.

FCM bekommt mit jedem Einsatz mehr Geld

Kallniks Coup war eine Klausel in der Kaufoption: Mit jedem Erstligaspiel, mit jedem Tor für Union Berlin steigt die Ablösesumme ein Stückchen weiter nach oben. Nach Volksstimme-Informationen könnte der Club neben den rund 350 000 Euro Leihgebühr deshalb jetzt zusätzlich eine Transfersumme von rund 1,6 Millionen bekommen.

Denn Bülter lieferte zuverlässig, kommt bisher auf 24 Erstligaeinsätze und sieben Tore – unter anderem gegen Borussia Dortmund, RB Leipzig und Werder Bremen. Sollten die restlichen Partien im Mai und Juni nachgeholt werden, ist sogar noch mehr drin.

Wegen dieser starken Leistungen und Tore haben die Berliner deshalb Anfang der Woche bestätigt, die Kaufoption ziehen zu wollen.

Rasante Entwicklung war nicht zu erwarten

Dass sich Bülter so rasant entwickelt, hätte wohl kaum jemand gedacht. Im Sommer 2018 verpflichtete der FCM den zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannten Marius Bülter ablösefrei vom Regionalligisten SV Rödinghausen. Der Stürmer war bereits 25 Jahre alt. Anfangs waren seine Ansprüche beim Club noch recht bescheiden. „Ich freue mich über jede Minute, in der ich auf dem Rasen stehe“, sagte der Offensivspieler zu Saisonbeginn.

Bülter Weg wie ein Fußball-Märchen

Was in den Folgemonaten geschah, gleicht einem Fußball-Märchen. Bülter wird schnell Stammspieler, verbuchte in 32 Zweitligaspielen vier Tore und vier Vorlagen. Die guten Leistungen blieben auch der Konkurrenz nicht verborgen. Der 1. FC Union Berlin hatte im vergangenen Sommer deshalb Interesse an einer Verpflichtung. Nach dem Abstieg des FCM und dem Aufstieg der Berliner war es für Bülter die große Chance, sich seinen Erstliga-Traum zu erfüllen.

Doch der FCM stellte sich zunächst quer, setzte die Ablösesumme auf eine Million Euro fest. Eine Zahl, die zu dieser Zeit utopisch wirkte. Union winkte zunächst ab. Doch das Interesse blieb bestehen, Trainer Urs Fischer wollte Bülter unbedingt. „Ich fand immer, dass er etwas hat. Zum Glück war ich dann nicht der Einzige bei Union, der das so gesehen hat. Wir waren uns deshalb einig, dass wir ihn holen wollen“, verrät er.

Kallnik freut sich über Bülters Weg

FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik handelte dann den erwähnten Deal mit Union Berlin aus, der sich für den Club im Nachgang ganz besonders lohnen sollte. Anstelle der vor einem Jahr noch unrealistischen Million könnte der Club jetzt sogar die doppelte Summe einstreichen.

Die genannten Zahlen will Kallnik zwar nicht bestätigen. Er sagt aber: „Ich freue mich sehr darüber, dass sich Marius so toll entwickelt hat. Es ist natürlich auch schön, dass wir von dieser Entwicklung profitieren könnten.“ Und dieses Geld kann der Club in der Corona-Krise gut gebrauchen. Durch fehlende Zuschauereinnahmen und mögliche Regressforderungen droht ein Verlust von 2,6 Millionen Euro.

Zwei Hindernisse beim Bülter-Deal

Zwei Hindernisse gibt es noch beim Bülter-Deal: Die Kaufoption wurde offiziell noch nicht gezogen – das ist aber nur eine Formalität. Viel kritischer ist, dass der FCM nur Geld sieht, wenn der Drittliga-Klassenerhalt gelingt. Bei einem Abstieg wäre Bülter ablösefrei.

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