Magdeburg l Reiner Haseloff hatte Klärungsbedarf. Streitpunkt war eine Formulierung bezogen auf die 3. Liga. „Der DFB wird gebeten, für die anderen Ligen tragfähige Zukunftskonzepte zu entwickeln“, hieß es ergänzend im Beschluss von Bund und Ländern zur Saison-Fortsetzung der Bundesligen.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident erklärte am Mittwochabend via des sozialen Netzwerks Twitter unmissverständlich, was es mit dieser Formulierung auf sich hat: „Ziel der Forderung an den DFB ist die dauerhafte finanzielle und wirtschaftliche Sicherung unserer Clubs der 3. Liga in den kommenden Spielzeiten ab 2020/21.“ Von der aktuellen Spielzeit und einer möglichen Fortsetzung war keine Rede.

Haseloff widerspricht DFB-Präsident

Damit widersprach Haseloff einer vom DFB verbreiteten Meldung. In dieser sagte DFB-Präsident Fritz Keller, dass er davon ausgeht, dass unter anderem die 3. Liga „unter dem Aspekt der Gleichbehandlung von Berufsfußballern“ grundsätzlich in die Entscheidung für eine Saison-Fortsetzung eingeschlossen ist.

Bilder

Die Einschätzung von Keller verwundert. Schließlich wurde die 3. Liga im Beschluss wie gesagt gar nicht erwähnt. Im Gegenteil: Die Politik formulierte sehr präzise, dass es sich um die 1. und 2. Bundesliga, um 36 Vereine handelt.

DFB muss tragfähiges Konzept vorlegen

Der Keller-Vorstoß macht aber deutlich, dass der DFB massiv unter Druck steht. Nicht nur, dass eine Saison-Fortsetzung mit Geisterspielen weiterhin nicht genehmigt ist und immer unrealistischer wird. Durch die Forderung von Haseloff muss sich der Verband in den kommenden Monaten Gedanken machen, um ein tragfähiges Konzept für die 3. Liga ab der Saison 2020/21 vorzulegen.

Über die Frage, ob die Drittligasaison fortgesetzt oder abgebrochen wird, sollen jetzt hingegen Länder und Kommunen entscheiden. Und die Meinungen sind ähnlich wie in der Liga geteilt. In Sachsen-Anhalt dürfen der 1. FC Magdeburg und der Hallesche FC beispielsweise bis mindestens 27. Mai nicht auf den Trainingsplatz. Andere Vereine wie der MSV Duisburg trainieren hingegen bereits seit Wochen in Kleingruppen.

Zeitfaktor großes Problem des DFB

Der Zeitfaktor wird für den DFB zum großen Problem. Beim kürzlich erfragten Meinungsbild (zehn Vereine für Fortsetzung, acht für Abbruch, zwei Enthaltungen) machten viele Vereine ihre Zustimmung nämlich von einem Saisonende zum 30. Juni abhängig, weil dann viele Spielerverträge enden. Sollte die Saison über den Juni hinaus fortgesetzt werden sollen, sind arbeitsrechtliche Probleme garantiert.

Ein erneutes Meinungsbild könnte sich unter den neuen Voraussetzungen deshalb gedreht haben. Da die 3. Liga weiterhin pausiert, ist das angestrebte Juni-Ziel nämlich utopisch. Die Vereine haben schließlich mindestens zwei Wochen Vorbereitungszeit eingefordert. Auch ein siebentägiges Quarantäne-Trainingslager muss eingeplant werden.

Die 3. Liga könnte somit frühestens Ende Mai, Anfang Juni wieder an den Start gehen – aber elf Saisonspiele bis zum 30. Juni sind selbst mit englischen Wochen nicht machbar.

Deutliche Mehrheit für Saisonabbruch

In anderen DFB-Ligen geht die Tendenz unterdessen klar in Richtung Abbruch. So stimmten bei einem Meinungsbild in den Junioren-Bundesligen 50 Vertreter für einen Abbruch, einer sprach sich für eine Pause aus, zwei enthielten sich. Im Falle eines Abbruchs stimmten zudem 34 Vertreter für eine Aufstockung der Junioren-Bundesligen.

Es ist ein Weg, den jetzt wohl auch viele Drittligisten mitgehen würden.

Weitere Infos und Videos zum 1. FC Magdeburg