Magdeburg l Das Lachen konnte sich Raphael Obermair nicht verkneifen nach der Frage, ob er auf dem Platz lieber nach vorn oder nach hinten arbeitet. „Fußballer wollen ja meistens nur nach vorn, aber ich habe mir die Defensivarbeit über die Jahre auch aneignen können“, sagte der FCM-Neuzugang augenzwinkernd.

Was daran lag, dass er bei seiner vorherigen Station in Jena sowohl defensiv als auch offensiv auf den Außenbahnen eingesetzt wurde. „Er ist vielseitig einsetzbar, das macht ihn so stark“, begründet auch Geschäftsführer Mario Kallnik die Verpflichtung des gebürtigen Oberbayers. Coach Thomas Hoßmang lobt ihn vor dem abschließenden Testspiel gegen den VfL Wolfsburg heute um 15.30 Uhr in der MDCC-Arena ebenfalls: „Er hat Qualität und Geschwindigkeit.“

Und beim FCM könnte der 24-Jährige genau die passende Rolle gefunden haben. Denn in einem 3-5-2-System, was Hoßmang nach den Eindrücken der Vorbereitung zu präferieren scheint, wäre Obermair – vorausgesetzt er spielt – der einzige Spieler auf der rechten Seite. „Da müsste ich die ganze Seite allein beackern“, sagt er. „Das kann auch ein Vorteil sein, wenn man sich nicht mit einem anderen Spieler über die Laufwege abstimmen muss.“

Obermair sucht Wege in die Tiefe

Zudem wäre im Vergleich zum 4-4-2 ein Spieler mehr im Zentrum, der die Räume dicht machen könnte. „Und ich müsste nicht mehr so weit in die Mitte“, sagt Obermair.

Der naturverbundene Typ, der mit seiner Freundin und seinen beiden kleinen Hunden täglich mindestens eine Stunde an der frischen Luft ist, schätzt sich auf dem Platz als „geradliniger Typ“ ein. Er suche viel die Wege in die Tiefe und achte sehr auf das Timing. „Ich versuche die Räume zu erkennen und die Bälle zu fordern“, sagt Obermair, der sich „weniger als Vollstrecker, mehr als Vorlagengeber“ sieht. Drei Tore legte er für den Drittliga-Absteiger Carl Zeiss Jena in der vergangenen Saison auf. Diesen Wert will er beim FCM deutlich steigern.

Dass er sich schon nach kurzer Zeit wohlfühlt in der Elbestadt, liegt nicht nur an seiner Vorliebe für Flüsse. Die Quarantäne-Zeit verbrachte er in einer Zweier-WG mit Korbinian Burger, den er noch aus der gemeinsamen Zeit bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern kannte. Er ging mit einigen Spielern essen, auch das „gesamte Trainerteam“ schätzt er sehr. „Man merkt, dass da ein guter Plan dahinter steckt.“

Profikarriere nimmt erst spät Fahrt auf

In der kommenden Woche kann er dann endlich auch aus dem Hotel raus und in die eigene Wohnung einziehen – natürlich in Elbnähe. „Da freue ich mich sehr drauf.“

Auch dem letzten Test der Vorbereitung gegen den VfL Wolfsburg blickt der Fachabiturient, der nicht den klassischen Ausbildungsweg in einem Nachwuchsleistungszentrum genoss, sondern dessen Karriere erst mit seinem Wechsel zur Bayern-Reserve 2016 Fahrt aufnahm, mit Vorfreude voraus. „Wolfsburg ist ein richtiger Brocken“, meint Obermair. „Anschließend wird jeder wissen, wo er steht und wie es mit der Luft ausschaut. Denn die Wolfsburger spielen sicher ein ganz anderes Tempo als wir.“

Und der Coach wird mit Blick auf das Auftaktspiel im Pokal gegen Darmstadt am nächsten Sonntag auch nicht mehr so viel wechseln. „Wir wollen uns gut präsentieren“, sagt der Außenspieler, der die Rückkehr der zunächst 2500 Zuschauer sehr positiv aufnimmt. „Wir freuen uns alle darauf, wieder vor Fans zu spielen.“ Und den Club-Anhängern will er jetzt auch beweisen, wie gut er die rechte Seite beackern kann. Offensiv wie defensiv.