Magdeburg l Stefan Krämer mag sprachliche Bilder. So verglich der Trainer des 1. FC Magdeburg das Offensivspiel seines Teams in Chemnitz mit der Arbeit eines Versicherungsvertreters. „Wenn ein Versicherungsvertreter nur an drei Haustüren klingelt, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass er einen Vertrag abschließt“, erklärte der Coach also. „Wenn er aber 50-mal klingelt, stehen die Chancen auf Abschlüsse deutlich besser.“

Auf seine Mannschaft übertragen bedeutet das: Seine Spieler müssen viel häufiger den Torabschluss suchen, als das zuletzt in Chemnitz der Fall war. „Wir müssen die Anzahl der klaren Chancen erhöhen“, fordert Krämer. „Wir hätten in dem Moment, als wir gemerkt haben, dass es spielerisch schwer wird, einfacher spielen müssen. Wir hätten früher und häufiger aus dem Halbfeld flanken sowie auf den zweiten Ball gehen müssen. Außerdem haben wir die Außenpositionen zu selten genutzt.“

Führungsspieler sollen Impulse geben

Der Trainer erwartet in solch zähen Spielen von drei, vier Führungsspielern in Absprache mit dem Trainerteam den Impuls, sich auf veränderte Situation einzustellen – und zu reagieren. „Wenn unser Spiel stockt, muss es bei den Jungs klick machen. Wir haben in Chemnitz zu oft auf einer Seite festgehangen, haben das Spiel nicht verlagert. Außerdem wurde der Ball zu häufig flach vor die dicht gestaffelte Abwehr des Gegners gespielt. Es ist ganz schwer, gegen ein 5-4-1-System durchzukommen“, ärgert er sich. Und: „Von sieben Spielen, die so laufen wie das in Chemnitz, verliert man drei bis vier.“

Um am Sonnabend gegen 1860 München nicht vor einem ähnlichen Problem zu stehen, will Krämer deshalb ein mutiges Team sehen, das den Gegner mit zahlreichen Flanken sowie Torabschlüssen aus der zweiten Reihe „nervt“.

Also stand genau das am Dienstag auch im Training auf dem Programm. Krämer ließ schnelles Umschalten üben, häufig mit Flanken über die Außenpositionen und folgenden Torabschlüssen. Er selbst tippelte dabei häufig rechts und links neben dem Tor, gab Anweisungen. Auffällig oft fiel dabei das Wort „Risiko“.

Aus gutem Grund: „Es kommt doch sehr oft vor, dass der Torwart nach einer Flanke einen Fehler macht oder dass sich ein Verteidiger verkalkuliert. Doch um diese Fehler zu provozieren, muss der Ball aber erst einmal in die gefährliche Zone.“ Mit Christian Beck stehe ja immerhin einer der besten Strafraumstürmer der 3. Liga parat.

Doch die Erfahrung hat zuletzt auch gezeigt, dass der Kapitän allein oft nicht ausreicht, um das Zentrum im Strafraum ausreichend zu besetzen. „Es müssen mehr Spieler nachrücken. Das kann zum Beispiel Spielmacher Mario Kvesic sein, der häufig in die Spitze vorrückt. Auch die Variante mit Sören Bertram und Christian Beck im Doppelsturm ist gegen München eine mögliche Variante“, sagt Krämer.

Holt der FCM noch einen Spieler?

Nachdem sich die FCM-Defensive durch die „Umschulung“ von Mittelfeldspieler Jürgen Gjasula zum Verteidiger stabilisiert hat, ist die Offensive mit bisher nur sechs Toren in fünf Spielen momentan die Problemzone. Krämer will deshalb auch nicht ausschließen, dass der Club bis zum Ende der Transferphase am 2.  September eventuell noch mal personell nachlegt. Die Situation umschreibt er – wie so oft – mit einem sprachlichen Bild: „Grundsätzlich ist nichts mehr geplant. Wir haben aber natürlich den Markt immer im Blick und wenn ein flexibler Offensivspieler durch die Tür kommt, würde ich ihn sicherlich begrüßen – und nicht einfach so wieder nach Hause schicken.“

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