Magdeburg l Für Jürgen Gjasula ist Fußball in diesen Tagen nur Nebensache. Die Gedanken gelten vielmehr seiner Heimat Albanien, die von dem schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten erschüttert wurde. Nur rund 30 Kilometer westlich von Gjasulas Geburtsort Tirana stürzten Häuser ein, starben mindestens 13 Menschen. „Ich war im ersten Moment geschockt, ich habe Familie dort. Das hat mich sehr mitgenommen“, sagt der Mittelfeldspieler des 1. FC Magdeburg. „In solchen Momenten wird ganz klar, dass es Dinge gibt, die viel wichtiger als Sport sind.“

Zwar haben seine Verwandten und Freunde das Erdbeben unbeschadet überstanden, trotzdem: „Es tut weh, die Bilder zu sehen. Mir tut es für die Leute sehr leid, die dort betroffen sind.“

Der Fußball verschafft Jürgen Gjasula momentan zumindest etwas Ablenkung von den traurigen Ereignissen in seinem Heimatland. Und auch dank des Deutsch-Albaners läuft es beim FCM in den vergangenen Wochen vor allem zu Hause spielerisch sowie ergebnistechnisch deutlich besser als zuvor.

Gjasula bestimmt den Rhythmus

Gjasula ist im defensiven Mittelfeld der Dirigent des Spiels, er bestimmt den Rhythmus, spielt lange, öffnende Pässe – und ist zudem enorm ballsicher. „Ich habe ja immer gesagt, dass ich mich im defensiven Mittelfeld besonders wohlfühle, weil ich dort fast mein ganzes Leben lang gespielt habe“, sagt er.

Und doch ist die Position als einziger Sechser vor der Abwehr für ihn ungewohnt. Denn: „Eigentlich habe ich immer auf der Doppel-Sechs gespielt. Das ist jetzt schon noch mal etwas anderes für mich, es gefällt mir aber.“ Der technisch starke Gjasula hat das Spiel vor sich, „ich bin ein Bindeglied zwischen Defensive und Offensive“.

Bindeglied zwischen Defensive und Offensive

Damit verbindet er die Positionen, auf denen er in dieser Saison beim Club bisher auflief. Zunächst startete Gjasula nämlich auf der Doppel-Sechs, wurde dann aber wegen akuter Personalnot von FCM-Trainer Stefan Krämer in die Innenverteidigung zurückgezogen. Auch wenn er dort zuvor noch nie gespielt hatte, machte er seine Sache gut.

Doch Krämer machte schnell klar, dass der Abwehrchef Jürgen Gjasula nur eine befristete Lösung sein würde. „Wir brauchen seine Pass-sicherheit im Mittelfeld, dort kann er seine Stärken noch besser einbringen“, betont der Coach.

Während seiner vierwöchigen Pause wegen eines Mittelhandbruchs wurde deutlich, was Krämer meint: Der FCM verlor in dieser Phase von Anfang September bis Anfang Oktober zwar kein Spiel, er gewann aber auch nur eins – gegen Würzburg (3:0). Außerdem hatte der Club spielerisch große Probleme, hatte kaum Torchancen, das Tempo wurde häufig verschleppt.

Mit Gjasulas Rückkehr ins Mittelfeld änderte sich das: Gerade in den Partien bei Viktoria Köln (1:1), gegen den Halleschen FC (1:0) und zuletzt gegen Unterhaching (3:0) hatte die Krämer-Truppe deutlich mehr Dominanz im Mittelfeld – auch dank des erfahrenen Gjasula. „Ich soll dem Team auf der Position vor der Abwehr Sicherheit geben“, betont er. „Mir gefällt die Position, weil ich mich dort optimal einbringen kann.“

Nur einmal Gelb, aber bisher noch kein Tor

Dazu gehört auch, dass Gjasula viele Zweikämpfe führt. Umso erstaunlicher ist, dass er in dieser Saison bisher erst eine Gelbe Karte sah. „Das war nicht immer so. Früher wurde ich häufiger verwarnt. Da ich ein emotionaler Spieler bin, waren auch einige Gelbe Karten dabei, weil ich gemeckert hatte“, gibt er zu.

Doch im Alter folgte die Einsicht. „Ich möchte mich schließlich weiterentwickeln. Im Spiel versuche ich, die meisten Situationen ohne Foul zu lösen, außerdem bin ich etwas ruhiger geworden“, sagt er und schmunzelt.

Vielmehr stört ihn, dass er bisher noch kein Tor und erst eine Vorlage auf dem Konto hat. „Ich hatte schon einige Chancen, beispielsweise durch Freistöße. Es wäre mal an der Zeit, einen Treffer zu erzielen“, betont der Mittelfeldspieler. Aber: „Wichtig ist, dass die Ergebnisse stimmen. Optimal wäre, wenn wir gewinnen und ich einen Treffer beisteuern würde.“

Möglicherweise schon am Sonnabend (14 Uhr) in Großaspach. Dort sieht Gjasula den FCM gefordert: „In den vergangenen Wochen haben wir es nicht geschafft, nach einem Sieg nachzulegen. Es ist jetzt an der Zeit, das zu ändern.“

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