Magdeburg/München l Eigentlich wirft Dennis Erdmann so schnell nichts um. Der Verteidiger von 1860 München, der von 2017 bis 2019 das Trikot des 1. FC Magdeburg trug, steht für knallharte Zweikämpfe und pure Emotionen. Doch Erdmann wurde ausgebremst. Seine Mandeln standen ihm im Weg – eine Entzündung machte ihm zu schaffen.

Doch pünktlich zur Drittliga-Partie am Sonnabend in Magdeburg (14 Uhr) meldet sich der 28-Jährige zurück, einem Einsatz am Sonnabend in der MDCC-Arena steht nichts im Weg. „Ich bin wieder fit und freue mich auf die Partie in Magdeburg“, sagt Erdmann, der sich nach Anlaufschwierigkeiten in Bayern mittlerweile eingelebt und eine Wohnung im Vorort Unterhaching bezogen hat.

Fans lieben seine Grätschen und Sprüche

Das Duell mit seinem Ex-Verein wird für ihn ein besonderes Duell. Für den FCM bestritt er 61 Pflichtspiele, verbuchte zwei Tore und eine Vorlage. Erdmann war Publikumsliebling, die Fans waren begeistert von seinen Emotionen, seinem unermüdlichen Einsatz – und von seinen Sprüchen nach den Spielen. Beispiel: Zum schlechten Zustand des Rasens in der MDCC-Arena sagte er im Januar 2018: „Ich habe noch nie auf einem so schlechten Rasen gespielt. Da lagen noch Kerzen vom Weihnachtssingen, das kann doch nicht wahr sein.“

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Für solch offenen Worte wurde er gefeiert. Trotzdem wird er am Sonnabend aber mit zahlreichen Pfiffen rechnen müssen. Mit seinem Abschied hat sich die Stimmung nämlich gewaltig gedreht. Zunächst konnte sich Erdmann mit dem Club nicht über eine Vertragsverlängerung einigen, hatte dann den Traum vom Wechsel nach England. Letztendlich landete er dort, wo er mit dem Club nicht hinwollte: in der 3. Liga, bei 1860 München. Viele Fans nahmen ihm den Wechsel und die Begleitumstände übel.

Dieser mögliche Unmut ist für Erdmann allerdings unverständlich. „Ich habe nie über einen England-Wechsel, oder dass ich unbedingt in der 2. Bundesliga bleiben möchte, gesprochen. Ich habe mir nur alle Optionen offen gehalten, ohne dabei den Verein in den Dreck zu ziehen. Da haben sich die Fans wohl eher etwas zusammengereimt“, erklärt er. „Ich habe in zwei Jahren beim FCM immer alles gegeben, habe versucht, den Leuten auch im Abstiegskampf Halt zu geben. Pfiffe könnte ich deshalb nicht verstehen.“

Auf der anderen Seite sind Pfiffe für ihn nicht wirklich neu, wenn er gegen einen Ex-Verein spielt. Das ging es ihm bei seinen Wechseln von Dynamo Dresden zu Hansa Rostock und von Rostock nach Magdeburg so. Aus rein sportlicher Sicht sieht Erdmann die Pfiffe auch eher als Auszeichnung: „Wahrscheinlich hätte ich etwas falsch gemacht, wenn die Leute nicht pfeifen würden. Das zeigt ja einfach, dass ich den Fans nicht egal bin.“

Duell mit seinem Kumpel Beck

Doch mit Magdeburg ist die Sache komplizierter – und emotional noch tiefer. Denn: „Ich habe mich wie zu Hause gefühlt. Die Fans und der Club sind etwas Besonderes für mich. So intensiv wie beim FCM habe ich die Zeit bei keinem anderen Verein erlebt. Ich kenne viele Leute, habe wahrscheinlich schon mit jedem Fan im Stadion bereits ein Bier getrunken.“

Auf dem Rasen wird er diese Verbundenheit jetzt ausblenden müssen – das gilt auch für die Freundschaft mit Christian Beck. Zum FCM-Kapitän hat er eine enge Bindung. „Ich habe selten Freundschaften mit Kollegen geschlossen. Doch Christian ist ein echter Freund. Wir denken ganz ähnlich – auf und neben dem Platz.“

Pikanterweise könnten Stürmer Beck und Verteidiger Erdmann auf dem Rasen auch häufig mal aneinandergeraten. Und der Neu-Löwe hat mit ihm auch noch eine Rechnung offen. „Christian hat mich im Training mal gegen den Pfosten geschubst. Das kriegt er noch zurück“, sagt er und lacht. „Das ist natürlich nur Spaß. Er wird ein tolles Duell mit ihm.“

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