Magdeburg l Jan Kirchhoff hat normalerweise keine Probleme, die passenden Worte zu finden. Der 28-Jährige ist selbst nach schlechten Ergebnissen eloquent, unaufgeregt, bedacht. Doch die sportliche Situation des 1. FC Magdeburg macht auch Kirchhoff zu schaffen. Nach dem 2:4 in Bochum rang er mit sich. „Wir stehen jetzt auf einem Abstiegsplatz. Das ist ein Schock für uns“, sagte er. „Es fühlt sich sehr schlecht an, es ist schwer, alles trefflich zu analysieren.“

FCM-Abwehr nicht sattelfest

Nach einigen Minuten fing sich Kirchhoff aber, atmete tief durch und sagte: „Wir haben die entscheidenden Situationen in den Torbereichen verloren.“ Was er meinte: Der FCM war in der Abwehr nicht sattelfest und vor dem gegnerischen Tor nicht effizient. Und das galt auch für ihn selbst.

Kirchhoff ist ein Spieler, der den FCM um eine Klasse besser machen kann. In Bochum war das aber anders. Von Trainer Michael Oenning wurde er zentral in der Dreierkette und somit defensiver als sonst aufgeboten. „Ich wollte in der Abwehr die Lufthoheit haben. Aus meiner Sicht hat das in der ersten Halbzeit auch gut funktioniert“, begründet der Trainer. „Außerdem war ich der Meinung, dass Aleksandar Ignjovski zuletzt im defensiven Mittelfeld gut gespielt hatte, deshalb wollte ich das nicht ändern.“

FCM verliert 2:4 gegen VfL Bochum

Bochum / Magdeburg (tw) l Der 1. FC Magdeburg hat beim VfL Bochum eine bittere 2:4-Niederlage kassiert. Der FCM rutscht damit auf einen Abstiegsplatz. Das Spiel in Bildern.

  • Bochums Silvere Ganvoula bejubelt sein Tor zum 1:0 Foto: Guido Kirchner/dpa

    Bochums Silvere Ganvoula bejubelt sein Tor zum 1:0 Foto: Guido Kirchner/dpa

  • Bochums Anthony Losilla (l-r), Magdeburgs Christian Beck und Bochums Tim Hoogland kämpfen im Kopfballduell um den Ball. Foto: Guido Kirchner/dpa

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  • Magdeburgs Trainer Michael Oenning steht an der Seitenlinie. Foto: Guido Kirchner/dpa

    Magdeburgs Trainer Michael Oenning steht an der Seitenlinie. Foto: Guido Kirchner/dpa

  • Magdeburgs Manfred Osei Kwadwo (r) steht nach seiner vergebenen Torchance auf dem Platz. Foto: Guido Kirchner/dpa

    Magdeburgs Manfred Osei Kwadwo (r) steht nach seiner vergebenen Torchance auf dem Platz. Foto: Gu...

  • Magdeburgs Nico Hammann sitzt nach dem Spiel auf dem Rasen. Foto: Guido Kirchner/dpa

    Magdeburgs Nico Hammann sitzt nach dem Spiel auf dem Rasen. Foto: Guido Kirchner/dpa

  • Magdeburgs Jan Kirchhoff (l-r) und Magdeburgs Dennis Erdmann stehen nach dem Tor zum 4:1 auf dem Platz. Foto: Guido Kirchner/dpa

    Magdeburgs Jan Kirchhoff (l-r) und Magdeburgs Dennis Erdmann stehen nach dem Tor zum 4:1 auf dem ...

  • Bochums Lukas Hinterseer (r) und Magdeburgs Tarek Chahed kämpfen um den Ball. Foto: Guido Kirchner/dpa

    Bochums Lukas Hinterseer (r) und Magdeburgs Tarek Chahed kämpfen um den Ball. Foto: Guido Ki...

  • Magdeburgs Charles Elie Laprevotte wird von Sanitätern mit einer Trage vom Platz getragen. Foto: Guido Kirchner/dpa

    Magdeburgs Charles Elie Laprevotte wird von Sanitätern mit einer Trage vom Platz getragen. F...

  • Magdeburgs Marius Bülter (m) zieht sich beim Bochumer Torjubel zum 3:0 das Trikot ins Gesicht. Foto: Guido Kirchner/dpa

    Magdeburgs Marius Bülter (m) zieht sich beim Bochumer Torjubel zum 3:0 das Trikot ins Gesich...

  • Magdeburgs Trainer Michael Oenning steht an der Seitenlinie. Foto: Guido Kirchner/dpa

    Magdeburgs Trainer Michael Oenning steht an der Seitenlinie. Foto: Guido Kirchner/dpa

Schwach im Zweikampf

Doch nach dem 2:4 steht fest: Das Experiment mit Kirchhoff ist gescheitert. Die Rolle als Abwehrchef passt in dieser Konstellation nicht zu ihm. Zu Beginn war er ungewohnt unsicher und sah bei zwei Gegentreffern nicht gut aus. Er gewann zudem nur 44 Prozent seiner Zweikämpfe. Das ist für Kirchhoff ein ungewohnt schwacher Wert. „Wir haben die entscheidenden Zweikämpfe nicht gewonnen, kamen oft einen Schritt zu spät“, ärgerte er sich. „Aus diesem Spiel gibt es nichts herauszuziehen.“

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Vor allem konnte Kirchhoff in der Defensivrolle seine Stärken, die Spieleröffnung und den klaren Weg nach vorne, nicht ausspielen. Er hatte zwar 90 Ballkontakte, die schnellen Balleroberungen und folgenden Pässe in die Spitze fehlten aber in der ersten Hälfte. Entsprechend wenig lief beim Club zunächst durch das zentrale Mittelfeld. „Bochum war deutlich torgefährlicher als wir“, sagte auch Kirchhoff.

Wie wertvoll er sein kann, zeigte er in Bochum hingegen nach dem Seitenwechsel. Als der FCM bereits 0:3 zurücklag, rückte Jan Kirchhoff punktuell auf seine gewohnte Position ins defensive Mittelfeld vor, kurbelte das Offensivspiel an. Der Club war dadurch sofort gefährlicher, hatte Torchancen und erzielte auch Treffer. Und Kirchhoff fühlte sich offensichtlich wohler. „Ich durfte ins Mittelfeld schieben, wenn ich das Gefühl hatte, dass ich es machen muss“, erklärte er. „Wir haben uns dann in der zweiten Hälfte mehr aufgebäumt und waren torgefährlicher.“

Trotz des missglückten Positionswechsels will Kirchhoff dem Trainer aber keinen Vorwurf machen. „Ich spiele dort, wo mich der Trainer hinstellt. Ich habe diese Position in der Abwehr früher schon mal bei Schalke gespielt“, sagt er.

Mit dem Rücken zur Wand

Zeit für weitere Experimente bleibt jetzt allerdings nicht. Nachdem die Konkurrenz im Zweitliga-Tabellenkeller punktete, steht der Club zwei Spieltage vor Saisonschluss mit dem Rücken zur Wand. Der Rückstand auf den FC Ingolstadt, der den Relegationsplatz belegt, beträgt zwei Punkte. Am Sonntag (15.30 Uhr) bei Union Berlin hilft deshalb nur ein Sieg. „Wir müssen uns jetzt aufrappeln“, sagt Kirchhoff. „Um eine realistische Chance zu haben, müssen wir die letzten beiden Spiele gewinnen.“

Es ist davon auszugehen, dass er dann wieder auf der strategisch wichtigen Position im defensiven Mittelfeld auflaufen darf. Da Charles Elie Laprévotte angeschlagen ist und zudem wegen einer Gelbsperre fehlen wird, wird Ignjovski wohl auf die Position des Franzosen rücken.

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