Berlin l Marius Bülter ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. Nach dem 1:2 des 1. FC Union Berlin am Sonnabend gegen Werder Bremen stand er vor zahlreichen Fernsehkameras, stellte sich einem Dutzend fragender Journalisten.

Das Interesse am Offensivspieler, der im Sommer vom 1. FC Magdeburg nach Berlin ausgeliehen wurde, hat auch einen Grund: Bülter ist der große Durchstarter beim Erstliga-Aufsteiger.

Seit seinen beiden Treffern am 31. August beim 3:1 des 1. FC Union gegen Borussia Dortmund ist der 26-Jährige in ganz Deutschland bekannt. Er hat sich in Berlin auf Anhieb einen Stammplatz erkämpft, stand bisher in allen vier Bundesligapartien in der Startelf.

Marius Bülter lebt seinen Traum – und er genießt diese Erlebnisse Woche für Woche aufs Neue. „Es ist schon richtig cool, in der 1. Liga zu spielen“, schwärmt er. Und: „Ich fühle mich richtig wohl bei Union. Es macht unheimlich viel Spaß, hier zu spielen.“

Bülter hat keine Angst vor großen Namen

Was ihn beim FCM auszeichnete, ist auch in der Eliteklasse seine große Stärke: Bülter tritt unbeschwert auf, hat keinerlei Angst vor großen Namen wie Dortmunds Mats Hummels, Marco Reus oder Bremens Nuri Sahin und Davy Klaassen.

Und er ist torgefährlich: Auch am vergangenen Sonnabend im Heimspiel gegen Werder Bremen hatte Bülter, der vorwiegend auf der linken Offensivseite spielt, in der 80. Minute die große Chance zum Ausgleich. „Den hätte ich machen müssen. Darüber werde ich mich noch länger ärgern“, betont er.

Bülter schwärmt von der Bundesliga

Auch wenn sich Bülter dem Anschein nach fast spielerisch leicht in der 1. Liga zurechtgefunden hat – ihm ist durchaus bewusst, dass das nicht selbstverständlich ist: „In der 1. Liga ist es noch mal ganz anderes als in der vergangenen Saison. Hier ist alles eine Nummer größer. Wir gewöhnen uns aber Woche für Woche besser an das hohe Niveau, waren jetzt auch mit Bremen auf Augenhöhe.“

Dabei war für ihn schon die Zweitligasaison 2018/19 mit dem FCM etwas Besonderes. Bülter kam schließlich im Sommer 2018 vom Regionalligisten SV Rödinghausen nach Magdeburg – und machte den ersten großen Sprung, mit dem kaum jemand so gerechnet hätte. „Ich freue mich über jede Minute, die ich spielen darf, sagte er noch vor dem Zweitligastart 2018.

Stoff für eine Kino-Romanze

Was dann folgte, bietet den Stoff für eine fast schon schnulzig anmutende Kino-Romanze. Der ehemalige Regionalliga-Kicker, der vor Jahren noch im Probetraining beim VfL Osnabrück durchfiel, erkämpfte sich einen Stammplatz beim FCM, wurde zum Leistungsträger, zum Führungsspieler – und erfüllte sich trotz des Abstiegs des Clubs seinen großen Traum von der 1. Liga.

Dieser Aufstieg ist eng mit einem Namen verknüpft: Urs Fischer. Auf Bülter angesprochen muss der Union-Trainer wohlwollend lächeln. Der 53-Jährige ist nämlich ein großer Fan des Offensivspielers, wollte ihn in diesem Sommer unbedingt verpflichten. „Ich bin schon vor unseren Duellen mit dem FCM auf Marius aufmerksam geworden“, verrät Fischer.

Union-Trainer wollte Bülter unbedingt

Und der gute Eindruck, den der Coach von ihm hatte, ließ ihn nicht mehr los. „Ich fand immer, dass er etwas hat. Zum Glück war ich dann nicht der Einzige bei Union, der das so gesehen hat. Wir waren uns deshalb einig, dass wir ihn holen wollen“, betont er.

Je länger Fischer über Bülter spricht, umso mehr gerät er ins Schwärmen: „Es ist beeindruckend, mit welchem Selbstbewusstsein er die Spiele angeht. Er ist mutig, traut sich auch mal ins Dribbling zu gehen.“

Dem Schweizer ist aber bewusst, dass es selbst bei Bülter nicht immer bergauf gehen kann. „Auch Marius muss bereit sein, dazuzulernen.“, sagt er. Denn: „Der Weg, den er gemacht hat, ist fast wie in einem Märchen. Es werden aber auch Phasen kommen, in denen es auch mal nicht so läuft, wie er sich das vorstellt. Solche Situationen gilt es zu überstehen. Er ist aber auf einem sehr guten Weg und ich mache mir bei ihm auch keine Sorgen.“

Auch der FCM verfolgt Bülters Entwicklung ganz genau, schließlich steht er beim Club noch immer unter Vertrag. Und der Deal, den FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik einfädelte, wird immer mehr zum Geniestreich.

Die Fakten: Im Sommer rief der Club für Bülter zunächst eine utopisch anmutende Ablösesumme in Höhe von einer Million Euro auf. Das war Union zwar zu viel, der Verein wollte ihn aber trotzdem unbedingt holen. Kallnik ließ sich deshalb ein Win-Win-Win-Modell für alle drei Seiten einfallen: Bülter verlängerte seinen Vertrag in Magdeburg bis 2022, wurde aber für ein Jahr mit Kaufoption nach Berlin ausgeliehen.

FCM-Boss Kallnik fädelt lukrativen Deal ein

Das Besondere: Sollte sich Bülter langfristig bei Union durchsetzen und Union die Kaufoption ziehen, kann die Summe in einem Jahr sogar deutlich über einer Million Euro liegen. „Ich wollte unbedingt zu Union und bin froh, dass es geklappt hat“, erklärt der Stürmer, der noch immer mit einigen FCM-Spielern in Kontakt steht.

Wenn Marius Bülter wie bisher weitermacht, ist eine Rückkehr nach Magdeburg zwar nahezu ausgeschlossen, dank des Kallnik-Deals winkt dem FCM aber eine Ablösesumme in bisher nicht gekannten Dimensionen.

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