Halle l Während seine Mitspieler des 1. FC Magdeburg mit hängenden Köpfen um ihn herumstanden, wirkte Morten Behrens fassungslos. Der Torhüter schüttelte nach dem Abpfiff im Drittliga-Derby beim Halleschen FC nur leicht mit dem Kopf. Seine Gedanken behielt er für sich.

In der dritten Minute der Nachspielzeit eilte Behrens bei einem langen Ball des HFC aus seinem Kasten, klärte die Kugel per Kopf. Doch nicht zu einem Mitspieler, sondern zu Niklas Landgraf, der den Ball in die Mitte zu Terrence Boyd flankte. Und der Deutsch-Amerikaner zeigte mit seinem zehnten Saisontor, dass mit ihm bis zur letzten Sekunde zu rechnen ist. Er köpfte zum 1:0 (0:0) für die Hallenser ein.

"In die Fresse bekommen"

Und das, was schon in der Mimik von Behrens zu erkennen war, brachte FCM-Trainer Thomas Hoßmang nach dem Spiel auf den Punkt: „Wir haben richtiggehend in die Fresse bekommen. Das war unwahrscheinlich bitter für die Jungs.“

Keine Frage: So ein Fehler kann passieren. So ein Fehler kann auch dem besten FCM-Spieler in der aktuellen Saison passieren. Und obwohl Behrens in dieser Spielzeit mit starken Paraden schon viele Punkte gesichert hat – dieses Mal hatte er seine Anteile daran, dass die Heimfahrt mit null Zählern angetreten werden musste. „Wir haben uns verkehrt verhalten“, fasste Hoßmang zusammen und hätte sich gewünscht, dass sein Team den Ball vorher „einfach in die Walachei“ schießt. „Keine Ahnung, ob Morten da herauskommen muss“, kündigte er noch eine Aufarbeitung der Szene an, wollte seinem Schlussmann aber keinesfalls die alleinige Schuld geben.

Zweite Saisonniederlage gegen Halle

Auch Kapitän Tobias Müller ärgerte sich: „Das darf uns einfach nicht passieren, dass wir in so einem Spiel so ein Gegentor fressen.“ Als Ex-Hallenser weiß er um die Brisanz des Derbys. Die Niederlage bezeichnete er als „extrem bitter“ und fügte an: „Wir wollten das Hinspiel eigentlich wieder gutmachen.“ Schon zum Auftakt der aktuellen Saison unterlag der FCM den Hallensern mit 0:2. Doch eines schmerzte den Abwehrchef sogar noch mehr als die zweite Saisonniederlage gegen den Lokalrivalen: „Wir wollten den Trend fortsetzen und die englische Woche positiv abschließen. Das ist uns leider nicht gelungen.“

Nach zuvor zwei Siegen am Stück in Unterhaching und Duisburg, mit denen die Blau-Weißen die Abstiegszone verlassen hatten, hat sie nun also wieder die Erkenntnis eingeholt, dass man dem Tabellenkeller so schnell nicht entfliehen kann. Und, dass die Konzentration bis zur letzten Sekunde hoch sein sollte.

Belastung gilt nicht als Ausrede

War der späte Knockout auch mit der hohen Belastung des fünften Spiels binnen 14 Tagen zu erklären? Das wollte der FCM nicht als Ausrede gelten lassen, immerhin hatte Hoßmang die fünf Wechsel, die seit der Rückrunde erlaubt sind, auch voll ausgeschöpft. Doch Müller gab zu: „Wir haben 60 Minuten ein ordentliches Spiel gemacht, doch dann war der Tank leer.“

Das Chancenplus lag aber auch schon vorher klar bei Halle. Neben einigen Möglichkeiten von Michael Eberwein klärte auch Brian Koglin einmal entscheidend gegen Boyd (24.). Der Innenverteidiger ersetzte Alexander Bittroff – die einzige Änderung beim FCM – und machte einen guten Job. In der Schlussphase erhöhten die Gastgeber dann noch einmal den Druck. „Da hat es bei uns in der Schlammgrube vor dem Tor ein paar Mal gebrannt“, verdeutlichte Müller. „Wir waren in den letzten 15 Minuten nicht mehr so präsent und gierig“, fand auch Hoßmang.

Franzke zögert zu lang

Vielleicht fehlte auch deshalb bei der plötzlichen Großchance nach 79 Minuten die Überzeugung. Der eingewechselte Maximilian Franzke, der erstmals nach seiner Verletzung im November wieder dabei war, tauchte nach einem Fehlpass von Antonios Papadopoulos frei im Strafraum auf, zögerte aber mit seinem Zuspiel auf Andreas Müller zu lang. Die HFC-Verteidiger waren schon wieder aufgerückt und konnten klären.

Und so war Boyd der Schlusspunkt der Partie vorbehalten. Und die Hallenser entschieden auch das zweite Sachsen-Anhalt-Duell der Saison für sich. Doch Zeit für Derby-Depressionen hat der FCM nicht. Bereits am Mittwochabend um 19 Uhr geht es mit einem Heimspiel gegen den TSV 1860 München weiter. „Wir sind froh, dass wir gleich wieder zeigen dürfen, dass wir es auch besser können“, betonte der FCM-Kapitän. „Es ist ganz wichtig, dass wir jetzt nicht in ein Loch fallen, sondern die positiven Dinge aus der Woche mitnehmen.“ Davon gab es ja bei den Siegen zuvor einige. Müller: „Wir sind gefestigt.“

Und Hoßmang fand auch noch einmal passende Worte: „Wir sind zwar niedergeschlagen, aber wir werden wieder aufstehen.“ Vielleicht schon am Mittwoch. Vielleicht mit einem erstarkten Morten Behrens, der dann die Punkte wieder sichert.

Mehr Infos gibt es im Liveblog