Dresden l Philip Türpitz war am Sonnabend enorm fleißig. Das traf einerseits auf seine Laufwerte (11,57 Kilometer) und die Zweikampfquote (54 Prozent) zu. Aber auch noch auf etwas ganz anderes: Türpitz trat viele Ecken für den 1. FC Magdeburg – und musste besonders in der zweiten Halbzeit vor der Dresdener Fantribüne den Bereich rund um die Eckfahne immer wieder aufräumen. Die Dynamo-Fans gingen mit dem FCM-Offensivspieler nämlich nicht zimperlich um, bewarfen ihn mit Papier, Bierbechern und Feuerzeugen. Türpitz ließ sich aber nicht provozieren, räumte die Sachen ganz in Ruhe zur Seite und spielte dann weiter.

Türpitz und die gesamte Mannschaft blieben beim 1:1 (1:0) in Dresden meistens cool. Sie zeigten nach den zuletzt schwachen Vorstellungen in Duisburg und vor allem gegen Sandhausen (jeweils 0:1) eine Reaktion. „Wir haben gezeigt, dass die Partien zuletzt nur ein Ausrutscher waren“, betonte Türpitz.

Dresden gleicht spät aus

Björn Rother brachte den FCM in Führung (43.). In der zweiten Hälfte verpasste es der Club dann aber, den Vorsprung auszubauen. Zudem wurde der Treffer von Timo Perthel von Schiedsrichter Daniel Siebert aberkannt – wegen eines vermeintlichen Handspiels von Marius Bülter (50.). Der späte Ausgleich durch den eingewechselten Lucas Röser in der 86. Minute trübte schließlich die Stimmung. FCM-Trainer Michael Oenning: „Am Ende zählt das nackte Ergebnis und das war nicht gut für uns.“

Trotzdem: Der Club hat aus den Enttäuschungen der vergangenen Wochen offensichtlich die richtigen Lehren gezogen. Unter der Woche gab es viele Gespräche, die Mannschaft arbeitete das schwache Sandhausen-Spiel auf – und überzeugte in Dresden. „Wir waren der Chef auf dem Platz, haben das Spiel gestaltet wie wir wollten“, sagte FCM-Innenverteidiger Dennis Erdmann, der an seiner alten Wirkungsstätte spielte. „Wir haben mal wieder ein richtiges Ausrufezeichen gesetzt. Das war ein ganz anderes Gesicht im Vergleich zu den vergangenen Spielen.“

Rother ist Matchwinner

Die taktischen Umstellungen von Oenning gingen auf. Er setzte auf ein flexibles und mutiges 4-1-3-2, in dem Philip Türpitz zwischen Mittelfeld und Sturm clever pendelte.

Die Hereinnahme von Björn Rother auf der ungewohnten Position des Rechtsverteidigers erwies sich als goldrichtig. Rother hatte 55 Ballkontakte, räumte defensiv ab (55 Prozent Zweikampfquote) und glänzte dann sogar als Torschütze, als ihn Marius Bülter, kurioserweise sein Vorgänger auf der Rechtsverteidiger-Position, schön in Szene setzte. „Der Trainer kam auf mich zu und fragte mich, ob ich mir die Position des Rechtsverteidigers zutrauen würde. Ich habe sie zwar noch nicht so oft gespielt, wollte dem Trainer aber das Vertrauen zurückzahlen. Ich glaube, das ist mir über weite Strecken gelungen“, sagte Rother. Der Treffer zur zwischenzeitlichen Führung war für Rother nicht alltäglich – es war sein erstes Zweitligator. „Diesen Treffer werde ich nicht vergessen. Auch wenn ich mich noch mehr darüber gefreut hätte, wenn er zum Derbysieg gereicht hätte.“

Die Hereinnahme von Rother gab Oenning die Möglichkeit, Marius Bülter wieder in den Sturm neben Felix Lohkemper zu beordern. Der Coach war mit Bülter nicht nur wegen der Vorlage zufrieden. „Er hat das ganz hervorragend gemacht. Gerade in der Luft hat er eine starke Präsenz gehabt. Man sieht, wozu er in der Lage ist, wenn er den Ball am Fuß hat“, sagte Oenning.

Trendwende beim FCM eingeleitet

Dabei brauchte Bülter nach eigener Aussage ein paar Minuten, um sich in der Offensive erst mal wieder zurechtzufinden. Im Jahr 2019 lief er zuvor schließlich fast nur hinten rechts auf. „Es war etwas ungewohnt, ich war anfangs noch nicht so gut im Spiel. Es wurde dann aber besser. Wir haben es vorne gut gemacht, haben den Gegner wie geplant über 90 Minuten angelaufen“, sagte Bülter.

Der FCM war über alle Mannschaftsteile hinweg griffig. Die Gäste überließen Dynamo zwar meist den Ball (62 Prozent Ballbesitz), verteidigten aber so geschickt, dass Dresden im letzten Drittel nicht viel zustande brachte. „Ich bin stolz auf meine Jungs, dass sie den Mut hatten, nach vorne zu spielen. Wir haben nur wenig zugelassen – umso ärgerlicher, dass es nur bis zur 86. Minute mit dem Vorsprung gereicht hat“, sagte Oenning.

Bei aller Unzufriedenheit über den vergebenen Sieg sollte das Spiel dem FCM wieder Mut geben. Die vom Trainer geforderte Trendwende wurde eingeleitet. Das sieht auch Erdmann so: „Wir gehen jetzt mit Selbstvertrauen in die Länderspielpause und brauchen dann gegen Heidenheim unbedingt einen Sieg.“

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