Magdeburg l Über seinen Eindruck von der Mannschaft, über Stärken und Schwächen im Spiel und über mögliche Transfers ab dem 2. Januar sprach die Volksstimme dem 63-Jährigen.

Volksstimme: Herr Schork, Sie haben 31 Jahre lang als Schadenregulierer bei der Versicherung gearbeitet. Im Gespräch mit einem Berufeinstiegsportal hat ein Mann erzählt, dass man in dem Arbeitsfeld auch als „Seelsorger“ gefragt sei. Sehen Sie das auch so?

Otmar Schork: Als Seelsorger würde ich es nicht bezeichnen. Aber mit Sicherheit ist man jemand, der Unterstützung und Ratschläge gibt, oder der sagt, wie man das Ganze koordinieren kann. Mal angenommen, es gibt einen Brandschaden, bei dem der Wohnbereich zerstört wird: Dann gilt es, dem Kunden mit klaren Maßnahmen schnell zu helfen. Für den Kunden ist es dann ein zufriedenstellendes Gefühl zu sagen: „Ich bin gut aufgehoben, bekomme Hilfe und finanzielle Unterstützung.“

Das Gefühl, gut aufgehoben zu sein, wollen Sie auch den Spielern des FCM vermitteln. Sie haben in Ihrer Antritts-Pressekonferenz betont, wie wichtig es Ihnen ist, die Menschen hinter den Spielern kennenzulernen. Wie gut kennen Sie Ihre Spieler inzwischen?

Es ist ja erst etwas mehr als ein Monat vergangen. Ich glaube aber schon, dass ich die Spieler ein Stück weit erreicht habe. Ich habe die ersten Erkenntnisse, wie jeder Einzelne tickt. Aber das ist ein Prozess, der jeden Tag weitergeht. Wichtig war, dass die Spieler mir gegenüber ein Gefühl bekommen und auch Vertrauen entwickeln. Man kann ja nicht einen Knopf drücken und sagen: Jetzt ist Vertrauen da. Ich glaube, dass wir in diesen Bereichen sehr rasch vorangekommen sind, der Teamgeist da ist und wir ihn zudem weiterentwickelt haben.

Worin sehen Sie Ihre Aufgabe im direkten Kontakt mit dem Team?

Das ist ein Gesamtpaket. Da würde ich jetzt auch keine Priorität nennen. Bei mir war es so, dass ich zunächst einmal den Teamgeist fördern wollte. Fakt ist, dass es in den ersten acht Spielen zu viele Leistungsschwankungen gab. Es waren zudem atmosphärische Störungen vorhanden, die es auszuräumen galt. Ich bin froh, dass uns das sehr gut gelungen ist. Das spricht für die Jungs, für alle Beteiligten. Es hätte ja auch ein längerer Prozess werden können.

Seit Ihrem Amtsantritt gab es einen Sieg, vier Unentschieden und eine Niederlage. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Wir haben die Defensive stabilisiert, funktionieren als Mannschaft besser und haben auch ballsichere Passagen im Spiel. Ein Manko ist hingegen, dass wir zu wenig Torchancen herausspielen und entsprechend zu wenige Tore erzielen. Wenn wir in die Balleroberung kommen, gilt es, mehr Mut zu haben, in die Offensive zu gehen und das Umschaltspiel intensiver zu verbessern. Grundsätzlich wollen wir es schaffen, schneller in die Tiefe, also in die gegnerische Hälfte zu kommen. Mit besserer Präzision, mit genauem, sauberem Passspiel – da ist auf jeden Fall Steigerungspotenzial vorhanden. Daran müssen wir arbeiten.

Die Transferperiode rückt näher. Werden Sie für die Transfers alleine verantwortlich sein? Oder entscheiden Sie das gemeinsam mit Geschäftsführer Mario Kallnik?

Die sportliche Beurteilung von potenziellen Neuzugängen wird zunächst mit dem Trainer, dem Trainerstab, dem Videoanalysten und den Scouts vorgenommen. Zudem tausche ich mich im kaufmännischen und wirtschaftlichen Bereich mit Mario Kallnik und dem Aufsichtsrat aus. Zu berücksichtigen ist dabei natürlich die momentan schwierige Zeit der Corona-Pandemie. Für mögliche Transfers trage aber letztlich ich die Verantwortung.

Wird der FCM in der Winterpause denn aktiv?

Wir beobachten den Markt, das Transferfenster wird am 2. Januar geöffnet. Es gibt sehr viele Dinge zu berücksichtigen. Wir haben dieses Jahr nur eine kurze Weihnachtspause. Es gibt keine drei- bis vierwöchige Vorbereitung mit einem Trainingslager, mit Testspielen. Wir haben kaum Zeit, Neuzugänge zu integrieren. Ein neuer Spieler ist möglicherweise gerade angekommen, steht aber bereits wenige Tage später direkt auf dem Rasen. Entscheidend wird auch sein, was der Markt für uns hergibt.

Auf welchen Positionen will sich der FCM verstärken?

Wir haben eine intensive Analyse vorgenommen. Klar ist, dass wir in der Offensive Defizite sehen und uns dort verstärken wollen. Wir hoffen zudem auf die baldige Rückkehr der zuletzt verletzten Spieler Leon Bell Bell, Dustin Bomheuer, Maximilian Franzke, Florian Kath, Timo Perthel und Luka Sliskovic.

Suchen Sie eher nach erfahrenen oder jungen Spielern?

Wir brauchen die Überzeugung, dass der potenzielle Neuzugang uns auf jeden Fall auch weiterbringt. Da spielt es keine Rolle, ob er jung oder alt ist.

Der FCM geht als Schlusslicht der 3. Liga ins neue Jahr. Die Fans bangen um den Klassenerhalt. Wie können Sie ihnen Hoffnung machen?

Über allem steht für uns in dieser Saison der Klassenerhalt. Der Kampf könnte allerdings bis zum letzten Spieltag dauern. Unser Ziel ist natürlich, so schnell wie möglich die notwendigen Punkte einzufahren. Hierfür wollen wir die Mannschaft weiter stabilisieren, unsere Offensive verbessern. Spiele wie gegen Rostock, Meppen und Lübeck wollen wir in Zukunft in Siege ummünzen. Die Fans können sich sicher sein, dass wir sehr, sehr hart arbeiten und alles für den Klassenerhalt tun werden, auch wenn wir nicht jeden Tag Wasserstandsmeldungen zu Transfers geben können.