Magdeburg l Auf Zuruf läuft Mandy Rosenschon auf den Trainingsplatz und kümmert sich um den am Boden liegenden Spieler. Sie befragt ihn, kühlt das angeschlagene Bein. Im schlimmsten Fall führt der weitere Weg zunächst in die Kabine, danach zum Arzt. Wenn die Diagnose gestellt wurde, folgt die weitere Behandlung.

Planbar ist eigentlich kaum etwas, wenn man als Physiotherapeut bei einem Fußballverein arbeitet. Mandy Rosenschon und Tino Meyer arbeiten in dieser Funktion beim FCM. Wenn sich ein Spieler beim Spiel oder Training verletzt, sind die beiden gefordert. Gerade bei Muskelverletzungen oder Verspannungen sind ihre Hände täglich nach den Einheiten gefragt.

Früh für Beruf entschieden

Für beide stand schon früh fest, dass sie Physiotherapeuten werden möchten. „Ich wusste es schon nach dem Abitur. Ich hatte zwischenzeitlich mal an ein Medizin-Studium gedacht, habe das aber verworfen“, sagt sie. „Der Beruf kostet zwar viel Geld und Zeit, die Weiterbildungen sind nicht günstig. Trotzdem ist es sehr reizvoll, weil man nie fertig wird und immer dazulernt.“ Meyer war bereits im Alter von 13 Jahren von seinem jetzigen Beruf angetan. „Ich habe ein Praktikum bei MD Reha gemacht. Danach war es eigentlich klar. Nach dem Abitur habe ich zwar ein Lehrerstudium angefangen, nach einem Jahr aber beendet und die Physiotherapeuten-Ausbildung gemacht.“

Nach dem Zweitliga-Aufstieg des Clubs hat ihnen ihr ehemaliger Arbeitgeber MD Reha den Weg freigemacht und dadurch die Möglichkeit gegeben, beim FCM voll einzusteigen. „Zuvor waren wir ja nur stundenweise beim FCM. Unser alter Chef hat uns dann keine Steine in den Weg gelegt, obwohl der Markt an Physiotherapeuten momentan leer ist. In einer solchen Situation zwei Angestellte gehen zu lassen, ist nicht selbstverständlich. Wir sind ihm sehr dankbar“, so Meyer.

Medienaufkommen jetzt zehnmal so groß

Mandy Rosenschon ist mittlerweile im dritten Jahr beim FCM, Tino Meyer im fünften. In dieser Zeit erlebte gerade Meyer von der Regionalliga bis jetzt zur 2. Bundesliga alles hautnah mit. „Vom Medienaufkommen drumherum ist es jetzt zehnmal mehr als in der Regionalliga. Für uns hat sich die Arbeit aber nicht sonderlich verändert. Wir gehen mit den Jungs genauso um wie in den Jahren zuvor“, sagt er. Beide haben sich zu Beginn um den FCM-Nachwuchs gekümmert. „Dort hatten wir nicht so viel Zeit, waren mal am Nachmittag im Einsatz. Jetzt sind wir den ganzen Tag beim Team und können uns ganz anders kümmern“, betont die 31-Jährige.

Beide leiden mit, wenn sich ein Spieler verletzt. „Mein einschneidendes Erlebnis war mit Felix Schiller, als er lange aussetzen musste“, erzählt Meyer. „Ein verletzter Fußballer ist nicht wie ein ganz normaler Mensch. Die Seelenlage verändert sich. Deshalb zucken wir zusammen, wenn jemand liegenbleibt.“

Empathie spielt im Verhältnis zwischen Fußballprofi und Physiotherapeuten eine besonders wichtige Rolle. Laut Meyer geht es vor allem darum, die Stimmung des Spielers richtig zu deuten. „Manche kommen nur zur Behandlung und wollen nicht reden. Andere wiederum lassen ihrem Frust freien Lauf“, sagt er. Für die verletzten Spieler ist die Ungewissheit natürlich groß.

Mentale Aufbauarbeit enorm wichtig

Wie schnell kommen sie wieder auf die Beine, wird der Rückstand auf den Rest der Mannschaft zu groß? Gerade für Neuzugänge wie Manfred Osei Kwadwo und Joel Abu Hanna war es nicht einfach, als sich beide gleich zu Beginn der Vorbereitung in Rathenow verletzten. „Wir versuchen sie mental dann aufbauen, damit die Spieler nicht in ein Loch fallen. Es heilt besser, wenn man mental darauf eingestellt ist“, sagt Rosenschon.

Auch Vertrauen ist wichtig. Schließlich will sich der Spieler sicher sein, dass das, was er den Physiotherapeuten erzählt, auch vertraulich behandelt wird. „Innerhalb der Behandlungen ist es uns wichtig, dass die Spieler wissen, dass wir immer ein offenes Ohr für sie haben. Die Spieler bekommen dann mit, dass sie uns vertrauen können, und öffnen sich“, erklärt Meyer. Er sagt aber auch: „In diese Rolle muss man hineinwachsen.“

Distanz wird beibehalten

Mittlerweile haben sie ein gutes Feingefühl entwickelt. Bei allem Vertrauen sei eine gewisse Grunddistanz trotzdem wichtig. „Es würde überhaupt nicht funktionieren, wenn wir nur auf Kumpelbasis arbeiten würden“, sagt der 32-Jährige.

Die Zusammenarbeit mit dem Trainerteam um Chefcoach Jens Härtel läuft sehr gut. Dabei war es nicht immer einfach. „Anfangs mussten sich alle erst einmal finden und schauen, dass die Abläufe ineinander greifen. Wir haben jetzt das Gefühl, dass uns der Stab vertraut. Es ist alles gut zusammengewachsen“, so Meyer. „Wir haben eine gute Basis, mit der wir sehr zufrieden sind.“

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