Magdeburg l Mit fast zwölf Kilometern war er der laufstärkste Spieler auf dem Rasen. Dieser Wert wirft aber die Frage auf, ob er in einem System mit einer Dreier- anstelle einer Viererkette nicht doch wertvoller ist.

Klare Analyse

Wenn es um klare und ehrliche Worte geht, ist Rother meist in der Nähe. Der 22-Jährige scheut sich nicht, Fehler anzusprechen. In seiner Analyse trifft er selbst nach anstrengenden Spielen schnell den Kern des Themas. Das war auch am Sonntag nach dem 1:2 gegen St. Pauli so, allerdings etwas später als sonst.

Nach dem Schlusspfiff sank Rother zunächst zu Boden. Der Spieler mit der Rückennummer 6 war von den zurückliegenden 90 Minuten gezeichnet. 11,95 Kilometer hatte er in den Knochen. Mehr konnte kein anderer Spieler auf dem Rasen vorweisen.

Defensiv stabil

Rother fing sich aber schnell wieder. Es gab nach der Niederlage schließlich einiges zu besprechen. „Es tut richtig weh. Wir haben so viel ins Spiel investiert“, sagte er. „Die Vorbereitung hat sich ausgezahlt, das hat man gesehen. Alle waren topfit. Wir hatten in der ersten Halbzeit nur eine Phase, in der wir nicht so griffig waren. Das lag vielleicht daran, dass wir am Anfang zu viel Gas gegeben hatten.“ Nach der Pause sei es aber von der Aggressivität und der Laufbereitschaft in der Defensive genau das gewesen, was sich Spieler und Trainer vorstellen.

Rother selbst rieb sich auf. Nominell sollte er im defensiven Mittelfeld den Gegner früh abfangen und eigene Angriffe durch schnelle Pässe einleiten. Da allerdings der Spielaufbau aus der Defensive heraus stockte, ließ er sich bei eigenem Ballbesitz gerade in der ersten Hälfte häufig zurückfallen, um die spielerische Linie etwas anzukurbeln. „Ich habe die Innenverteidiger unterstützt, damit wir auch den Ball mal in den eigenen Reihen halten konnten. Wenn uns das hilft, nehme ich diese Rolle auch gerne mal ein“, so Rother. „Uns hat in der ersten Halbzeit ein bisschen der Zug nach vorne und damit verbundene Entlastung gefehlt.“

Mit Dreierkette gefährlicher

Der Mittelfeldspieler spricht ein Phänomen an, das der FCM häufiger durchlebt hat, wenn Trainer Härtel von der bewährten Dreier- auf eine Viererkette umgestellt hat. Im 3-4-3 erspielte sich der Club in der vergangenen Saison über die verstärkten Flügel und einen offensiven Sechser im Schnitt deutlich mehr Möglichkeiten als mit einer Viererkette. Im 4-3-3 oder 4-2-3-1 steht zunächst die defensive Stabilität im Vordergrund. Nach vorne blieb das Team auch gegen St. Pauli einiges schuldig. Da der Gegner sehr zentrumsorientiert agierte, wich Härtel von seiner Erfolgstaktik ab.

Eine Rolle rückwärts zurück auf das auch von den Spielern bevorzugte 3-4-3 könnte es bereits am kommenden Sonntag in Aue geben. Auch für Rother wäre diese Grundordnung von Vorteil. Er könnte sich mehr auf seine Stärken vor der Abwehr und die ersten Pässe in die Tiefe konzen-trieren und müsste nicht den kräfteraubenden Weg hinter die Abwehrkette gehen.

Diese Rolle würde dann der Abwehrchef übernehmen. Momentan kommen hierfür Nico Hammann, Richard Weil oder mittelfristig der seit Wochen angestrebte Neuzugang in Frage.

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