Magdeburg l Als Spielanalyst muss man gerade in der Vorbereitung sehr flexibel sein. Beim Doppeltest in Bernburg gab es für Kevin Waliczek (30) keine Möglichkeit, das Spiel aus der erhöhten Position einer Tribüne mit der Kamera zu filmen. Der Ottersleber improvisierte und setzte sich auf das Dach des Vereinsheims.

Seit dem Aufstieg in die 3. Liga Mitte 2015 ist Waliczek, der die A-Trainerlizenz besitzt, beim FCM fest als Spielanalyst angestellt. „Für Trainer Jens Härtel war es eine sehr wichtige Stelle“, sagt er. „Ich war regelmäßig bereits seit April 2014 dabei, damals neben dem Studium. Die Position des Spielanalysten gab es zu dieser Zeit noch nicht.“ Von 2014 bis 2015 kam er vorrangig bei Heimspielen zum Einsatz. Vor der Relegation gegen Offenbach wurde es dann ernst. „Ich war zwei-, dreimal bei Spielen der Kickers und habe eine Gegner- und Eigenspielanalyse gemacht“, erinnert er sich.

Gute Harmonie im Team

Bei einer Gegneranalyse schaut er sich vier bis fünf Spiele der jeweiligen Mannschaft an – live oder auf Video. Aus diesen Spielen werden dann rund 30 Szenen, die jeweils zehn bis 30 Sekunden lang sind, aus der Defensive und Offensive zusammengeschnitten. „Das dauert schon mal zwei Arbeitstage, ohne dass ich auf Stunden schaue. Ich bin fertig, wenn ich fertig bin“, sagt Waliczek. Rund acht Minuten kommen bei einer Gegneranalyse zusammen. „Bei der ersten Zusammenkunft mit dem Trainerteam biete ich meistens zu viele Szenen an. Im Verlauf der Jahre haben das Trainerteam und ich uns aber sehr gut abgestimmt“, betont er. „Die Schwerpunkte der Analyse stehen dann noch mal schriftlich in der Kabine, damit die Spieler draufschauen können. Das wird auch sehr gut angenommen.“

Neben der Gegneranalyse schneidet er auch die Spielszenen der eigenen Partien zusammen. Der Ablauf ist da ähnlich. Zu seinen „Werkzeugen“ gehören ein Laptop, eine Kamera sowie die Freeware-Software Longomatch. Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga werden dem Club zusätzlich qualitativ hochwertige Aufnahmen durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) zur Verfügung gestellt, außerdem bekommt Waliczek mit Sportscode ein neues Programm. „In der 2. Liga bekommen wir zum ersten Mal Zahlen und Daten durch die DFL. In den ersten Wochen werde ich mich wahrscheinlich Tag und Nacht durch die Statistiken graben, um das zu finden, was uns am meisten sagt“, erzählt er.

Den Fuß in die Tür bekam der gebürtige Magdeburger beim Club bereits 2011 durch einen Bekannten. „Ich habe die U-19 sechs Monate für meine Masterarbeit mit dem Schwerpunkt Spielanalyse begleitet“, so Waliczek, der den Studiengang Sportwissenschaften im September 2015 abschloss.

Zu Beginn Allzweckwaffe

„Damals war mein Berufswunsch etwas mit Fußball, ich hatte zuvor unter anderem in Ottersleben als Trainer gearbeitet.“ Beim FCM wurde er nach seiner Ankunft zunächst zu einer regelrechten Allzweckwaffe. Neben der Funktion als U-13-Co-Trainer war er auch administrativer Leiter im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) sowie kurzzeitig Torwarttrainer der Profis. „Als Torwarttrainer habe ich aber die Keeper in erster Linie bei Laune gehalten“, sagt Waliczek und lacht. „Ein paar Übungen hat Matthias Tischer aber in sein Programm übernommen.“

Mit Trainer Härtel tauscht er sich vertrauensvoll aus. „Anders würde es auch nicht gehen. Vertrauen ist ganz wichtig“, betont er. In der Rückrunde der vergangenen Saison hat Waliczek bei den Partien mit der Liveanalyse begonnen. „Noch in der Halbzeit schauen wir uns als Trainerteam Szenen aus der ersten Hälfte per Video an, die besser gemacht werden können. Das kann in einem kurzen Video noch anschaulicher dargestellt werden, als wenn man nur darüber spricht“, erklärt der 30-Jährige, der in seiner Freizeit auch gerne Fußball schaut. „Bei Spielen, die ich mir im Fernsehen angucke, habe ich ja nur einen Spielausschnitt und kann nicht den ganzen Rasen sehen. Mit Freunden bin ich dann ganz entspannt ohne den Analyseblick. Grundsätzlich bekomme ich vom Fußball aber auch nach meiner Arbeit nicht genug“, sagt er und lacht.

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