Magdeburg l Michael Oenning nahm sich in den vergangenen Tagen Zeit. In seiner Wahl-Heimat Hamburg nutzte der Trainer des 1. FC Magdeburg die eineinhalb freien Tage am Montag und Dienstag, um die Geschehnisse rund um den Abstieg auf sich wirken zu lassen – um etwas Abstand zu finden.

„Direkt nach dem Spiel bei Union Berlin war ich noch sehr wütend. Das hatte weniger damit zu tun, dass wir abstiegen sind, sondern mit dem Spiel an sich“, erklärt er. „Ich war enttäuscht, dass wir gar keinen Zugriff hatten, dass die Partie bereits nach dem 0:2 in der ersten Hälfte früh entschieden war.“

Doch wie geht es jetzt nach dem Abstieg weiter? Noch vor dem letzten Zweitliga-Heimspiel am Sonntag gegen den 1. FC Köln, so betont Oenning, soll eine Entscheidung fallen, ob er Trainer bleibt. „Ich gehe davon aus, dass bis dahin Klarheit herrscht“, sagt der Coach. Gespräche über eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages gab es mit Geschäftsführer Mario Kallnik bisher zwar noch nicht. „Wir werden uns aber in dieser Woche intensiv austauschen“, sagt Oenning.

Vertrauensvoller Umgang

Der Coach jedenfalls kann sich trotz des Abstiegs und der aktuellen Enttäuschung gut vorstellen, in Magdeburg zu bleiben. „Ich schätze die Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Mario Kallnik und Sportchef Maik Franz. Wir haben einen sehr vertrauensvollen Umgang miteinander“, betont er. „Die Erwartungshaltung war realistisch, niemand ist verrückt oder unnötig unruhig geworden. Es gibt deshalb jetzt keinen Grund, plötzlich komisch zu werden.“

Der SC Freiburg sei ein positives Beispiel, der in den vergangenen Jahrzehnten trotz sportlicher Dellen und einiger Abstiege an den Trainern festgehalten habe – und damit langfristig sportlichen Erfolg hatte.

Pro und Contra abwägen

Oenning also hat sich klar positioniert, jetzt liegt es an Kallnik und Franz, wie sie die Situation bewerten. Es gibt Argumente, die für Oenning sprechen: Er hat den FCM in vielen Zweitligaspielen auf Augenhöhe mit den Gegnern gebracht, hat dem Team eine neue, spielerisch Linie mit auf den Weg gegeben.

Doch es gibt auch Gegenargumente: Oenning holte mit der Mannschaft am Ende nur 21 Punkte aus 20 Spielen, verpasste den Klassenerhalt. Der Trainer schaffte es nicht, die Mannschaft im Saison-Schlussspurt aufzurichten. „Fakt ist am Ende eben, dass ich hier angetreten bin, um mit dem FCM die Klasse zu halten – und das ist nicht gelungen“, gibt Oenning zu.

Kein Vorwurf an FCM-Spieler

Die ruhigen Tage in Hamburg hat er auch genutzt, um nach den Gründen zu suchen. „Ich war davon überzeugt, dass wir es schaffen. Klar ist aber auch, dass wir personelle Ausfälle nicht so gut auffangen konnten wie andere Zweitligisten“, sagt er. „Immer dann, wenn wir in der Rückrunde alle Spieler an Bord hatten, hat es meistens sehr gut funktioniert.“

Seinen Spielern macht Michael Oenning keinen Vorwurf. „Die Jungs haben immer gewollt, es gab in dieser Saison keine Skandale oder Disziplinlosigkeiten“, hebt er hervor.

Abstieg verarbeiten

Für ihn sei aber die Ausgangslage beim Amtsantritt im November eine Hypothek gewesen: „Ich bin in einem laufenden Prozess dazugekommen. Wir hatten nur neun Punkte. Ich wusste, dass es schwierig wird, trotzdem hatten wir die Chance, es zu schaffen.“

Jetzt will der Coach die gemeinsamen Tage mit der Mannschaft erst mal als Chance begreifen. „Wir alle haben die Möglichkeit, die ganze Saison, den Abstieg etwas besser zu verarbeiten. Es wäre schwieriger, wenn sich die Mannschaft nach dem Union-Spiel direkt in den Urlaub verabschiedet hätte.“

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