Magdeburg l In Zeiten der Corona-Krise wird häufig von Solidarität und Werten wie Demut gesprochen. Wie alle Branchen ist auch der Fußball betroffen. Den Vereinen drohen wegen der momentanen Aussetzung des Spielbetriebs hohe finanzielle Verluste. Zahlreiche Drittliga-Vereine wie der SV Meppen oder der 1. FC Kaiserslautern haben Kurzarbeit beantragt, um die Kosten zu senken.

Vor einer Woche ist auch der 1. FC Magdeburg diesen Schritt gegangen. Da es beim Club keine vertragliche Vereinbarung zum Thema Kurzarbeit gibt, musste jeder Mitarbeiter einzeln zustimmen. Und die Reaktion seiner insgesamt 54 Mitarbeiter hat FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik sehr bewegt: „Alle Mitarbeiter haben der Kurzarbeit zugestimmt. Ich freue mich sehr über diesen Zusammenhalt, der keinesfalls selbstverständlich ist.“

Uerdinger Spieler stimmen gegen Kurzarbeit

Betroffen von der Kurzarbeit sind neben den Geschäftsstellen-Mitarbeitern auch alle Spieler sowie die Mitglieder des Trainer- und Funktionsteams. „Die Spieler verrichten momentan rund 25 Prozent ihrer Arbeitszeit. So steht es auch im Antrag auf Kurzarbeit“, verrät Kallnik. Die Arbeitsagentur zahlt rund 60 Prozent des ausgefallenen Lohns – bei Arbeitnehmern mit mindestens einem Kind im Haushalt sind es 67 Prozent.

Nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beträgt das Drittliga-Durchschnittsgehalt 120 000 Euro pro Jahr. Wobei diese Zahlen von Verein zu Verein variieren.

Dass eine gemeinschaftliche Entscheidung wie beim FCM nicht selbstverständlich ist, wurde gestern klar. Die Spieler des Liga-Konkurrenten KFC Uerdingen entschieden sich nämlich gegen die Kurzarbeit. Diese fehlende Solidarität sorgte bei KFC-Geschäftsführer Frank Strüver für Unverständnis. Denn im Gegensatz zu den Spielern haben die Geschäftsstellen-Mitarbeiter sowie das Trainer- und Funktionsteam des KFC zugestimmt.

Für Gjasula gehört Verzicht dazu

Für die FCM-Spieler stand hingegen schnell fest, dass die Mannschaft die Kurzarbeit akzeptieren wird. „Wir haben darüber natürlich diskutiert. Es ist nie schön, auf Geld zu verzichten“, sagt Kapitän Christian Beck. Aber: „In dieser Situation ist es wichtig, dass wir zusammenhalten. Jeder sollte seine Bedürfnisse etwas zurückstellen.“

Für den Stürmer sei es ein Zeichen nach innen und außen. „Wir wollen dem Verein entgegenkommen, damit wir alle eine gemeinsame Zukunft beim FCM haben“, betont Beck. Und: „Das ist jetzt ein wichtiges und gutes Zeichen für den Zusammenhalt. Aus dieser Situation können wir gestärkt hervorgehen.“

Der Zusammenhalt war beim FCM in dieser Saison immer wieder ein Thema. Nach einem großen personellen Umbruch präsentierte sich die Truppe auf dem Rasen nicht immer als homogenes Team. Jetzt ist das anders. „Es ist immer ein Geben und Nehmen. Im Verein geht es um Existenzen. Da ist es ganz normal, dass wir als Spieler auch verzichten. Schließlich finden ja gerade auch keine Spiele, keine Trainingseinheiten statt“, sagt Mittelfeldspieler Jürgen Gjasula.

Zusammenhalt für Kallnik etwas Besonderes

Der Zusammenhalt im gesamten Club ist für Geschäftsführer Kallnik etwas Besonderes: „Dieses Zeichen der Solidarität zeugt vom Zusammenhalt auch innerhalb des Vereins. Ich bedanke mich auch im Namen aller Gremienmitglieder des Vereins bei allen Angestellten für diese nicht selbstverständliche Unterstützung.“

Klar ist: Der FCM braucht dringend finanzielle Entlastung. Kallnik hat bereits vorgerechnet, dass dem FCM wegen der Corona-Krise im schlimmsten Fall 2,6 Millionen Euro Verlust drohen. Dieser wird durch die Kurzarbeit zumindest etwas abgemildert.

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