Magdeburg l „Ich kenne diesen Schmerz ganz genau“, sagt Dirk Keller, Reha- und Fitnesstrainer beim 1. FC Magdeburg. Und trotzdem kommt erbarmungslos das nächste Startsignal, in der Hand die Stoppuhr – und Mittelfeldspieler Charles-Elie Laprevotte quält sich unter den gestrengen Augen die Stufen auf der Haupttribüne der MDCC-Arena hinauf. Ein ums andere Mal. Bis die Oberschenkel schmerzen... „Ich weiß, wie das brennt. Ich habe jede meiner Übungen zuvor selbst erfühlt“, erklärt Keller mit einem schelmischen Grinsen.

In der inzwischen vierten Saison ist Keller für die Fitness der Spieler beim Zweitliga-Aufsteiger tätig, ist wichtiges Bindeglied zwischen Cheftrainer Jens Härtel auf der einen sowie den Physiotherapeuten und der medinzinischen Abteilung beim Club auf der anderen Seite und hat sich einen Ruf als „sympathischer Schweinehund“ erarbeitet.

Keller, gebürtiger Magdeburger und heute in Sichtweite des Stadions zu Hause, kam erst über Umwege in den Profifußball und zu den Blau-Weißen. Der heute 55-Jährige studierte an der DHfK in Leipzig Sport, war vor der Wende bei den Luftstreitkäften der DDR am Fliegerhorst Holzdorf (bei Jessen) für die Fitness der Piloten zuständig. Nach den Wirren der Wende machte Keller eine Zusatzausbildung zum Sporttherapeuten und arbeitete in Cottbus in einer Reha-Praxis.

In der „Reha-Vita“ gingen damals auch die Fußball-Profis von Energie Cottbus ein und aus. Einer seiner Stammkunden Anfang 2001: Christian Beeck. Der eisenharte Abwehrspieler hatte sich einen Kreuzbandriss zugezogen und wurde von „Kellogs“ – Beeck erfand den Spitznamen – damals wieder fitgemacht. Später war die Schaffung einer entsprechenden Stelle bei den Lausitzern eine der Lizenzauflagen – und Keller quasi über Nacht im Profifußball angekommen.

VfR Aalen, Union Berlin, FC Carl Zeiss Jena, nochmal FC Energie Cottbus und seit Mitte 2015 der 1. FC Magdeburg heißen die weiteren Karriere- stationen. Als prägend empfindet Keller vor allem die Jahre in Cottbus. „Das war eine wegweisende Zeit. Niemand hatte dort Erfahrung. Das Konzept hat uns aber recht gegeben“, blickt Keller zufrieden zurück und sieht durchaus Parallelen mit dem FCM. „Wir machen hier aus bescheidenen Mitteln ebenfalls sehr viel.“ Sportlich hofft er, dass sich die Mannschaft nach dem Aufstieg aus der 3. Liga auch in der 2. Bundesliga etablieren wird. „Das soll das Normalmaß für Magdeburg sein“, sagt Keller. „Und vielleicht gelingt uns auch mal Urlaub von der 2. Bundesliga.“ So wurde in Cottbus damals die erste Zeit im Fußball-Oberhaus (2000 bis 2003) genannt.

In Magdeburg steht er bis Ende der Saison unter Vertrag. „Ich könnte mir auch vorstellen, hierzubleiben. Ich denke, ich bringe die Magdeburger DNA mit: hohe Identifikation und viel Herzblut“, sagt Keller, der aber auch in fast 20 Jahren Profifußball gelernt hat, dass die Branche mitunter sehr schnelllebig sein kann.

Körperliche Fitness immer wichtiger

Experten wie er werden aber mehr denn je gebraucht. Die körperliche Fitness der Profis hat in den vergangenen Jahren einen immer höheren Stellenwert eingenommen. „Ich denke, Jürgen Klinsmann hat in seiner Zeit als Bundestrainer entscheidenden Input gegeben“, sagt Keller. Keller vertraut dabei vor allem der klassischen Trainingslehre, um eine hohe Belastungsvertäglichkeit bei seinen Spielern zu entwickeln. „Was sich in den letzten Jahren stark verbessert hat, sind die Diagnosemöglichkeiten. Und es sind viel mehr Sportgeräte dazugekommen“, sagt Keller, der seine Schützlinge auch gern mal eine Runde auf das Rad schickt – das sei die Portion Zuckerbrot, sagt er – und lacht.

Kellers Markenzeichen sind und bleiben aber die Treppenläufe. Erfunden hat er die in einer Trainingsmaßnahme mit dem FC Energie und dem damaligen Cheftrainer Petrik Sander. Auf der Schanzenanlage im Kanzlersgrund in Oberhof scheuchte Dirk Keller damals bis zu fünfmal die Spieler die Treppen hinauf. 700 Stufen wie in Thüringen sind es zwar in der MDCC-Arena nicht, Spieler wie Charles-Elie Laprevotte wissen aber nur zu gut, was es bedeutet, wenn es heißt: Auf die Treppe, fertig, los!

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