Magdeburg l Die Ausschreitungen nach dem FCM-Aufstieg am 21. April 2018 haben sich in den vergangenen Monaten zum bisher umfangreichsten Ermittlungsverfahren der letzten Jahre in Magdeburg entwickelt. Inzwischen hat die Polizei mehr als 140 Ermittlungsverfahren eingeleitet und mehr als 40 Tatverdächtige identifizieren können. Insgesamt liegen nach den Krawallen in jener Nacht am Hasselbachplatz 400 Gigabyte Datenmengen mit Bildern und Videos vor. Nur ein Teil ist bisher ausgewertet. Die Polizei sucht noch immer mit einer Öffentlichkeitsfahndung nach 16 Verdächtigen auf einer Fahndungshomepage.

Dabei begann der Abend mit mehreren tausend Fans am Hasselbachplatz friedlich. Doch die Stimmung begann etwa gegen 22 Uhr mit steigendem Alkoholpegel zu kippen. Als die ersten Betrunkenen alles Brennbare auf einen Haufen warfen und diesen ansteckten, zeigten die Ersten ihre Aggressionen. Sie griffen die Feuerwehrmänner an und versuchten ihnen die Löschgeräte zu entreißen. Der Löschtrupp musste sich daraufhin wieder zurückziehen. Minuten später erklommen andere junge Männer die Straßenlaternen und kaperten die daran befindlichen Überwachungskameras. Danach, etwa gegen 22.30 Uhr, eskalierte die Situation weiter. Die Betrunkenen wiegelten sich gegenseitig auf und schlossen sich zusammen.

Angriffswellen gegen Polizei

Augenzeugen berichteten später von mehreren „Angriffswellen“ der Chaoten gegen die Polizei, die zunächst im hinteren Bereich der Liebigstraße gestanden haben soll. Der damalige Besitzer eines angrenzenden Lokals beschrieb der Volksstimme damals die Situation so: „Es schepperte überall, Glas zerbrach, die Tische flogen umher. Zum Teil brannten auch unsere Einrichtungsgegenstände.“

Das Restaurant diente in dieser Situation als Rückzugsort für die Gäste von der Terrasse. Dort setzte die Polizei Pfefferspray ein, um die zum großen Teil vermummten Angreifer in die Flucht zu schlagen. Zu diesem Zeitpunkt tobte an dieser Stelle eine Auseinandersetzung, die später Magdeburgs ranghöchster Polizist Tom-Oliver Langhans als Gewalt-Exzess bezeichnete.

28 Polizisten wurden verletzt

Die Auseinandersetzungen brachten Magdeburg später mehr Schlagzeilen als der eigentliche Aufstieg. Vor allem die echten Fans des FCM ärgerte dies. Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass bis auf Ausnahmen die meisten der ermittelten Verdächtigen nicht als „Gewalttäter Sport“ der Polizei bekannt waren. Das Resultat der Krawallnacht: 28 Polizisten wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt. 15 von ihnen erstatteten Anzeige. Die Zahl der verletzten Passanten und Kneipenbesucher konnte hingegen bis heute nicht erfasst werden. Es gab drei Anzeigen von Privatpersonen.

Insgesamt wurde der Schaden jener Nacht an den Lokalen, den Einrichtungen der Magdeburger Verkehrsbetriebe und den Überwachungskameras auf dem Hasselbachplatz auf mehrere zehntausend Euro geschätzt. Die Staatsanwaltschaft führt jetzt alle Ermittlungsverfahren zusammen und wertet vor allem die Angriffe der rund 150 Chaoten auf die Polizisten als besonders schweren Landfriedensbruch. Sollte es zu einer Identifizierung der Verdächtigen und damit zu einer Verurteilung kommen, droht den Angreifern eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Das Amtsgericht Magdeburg hat in mehreren Wellen Fahndungsbilder von Verdächtigen freigegeben. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Frank Baumgarten sind die ersten Anklagen und Strafbefehle wegen vereinzelter tätlicher Angriffe gegen Polizisten bereits erfolgt. Zwei davon sogar rechtskräftig. So wurde einer der Beschuldigten wegen eines Bierflaschenwurfs zu einer Geldstrafe von 3000 Euro (150 Tagessätze á 20 Euro) verurteilt. Mit den größeren Verfahren wegen der schweren Landfriedensbrüche wird erst im Laufe des kommenden Jahres gerechnet.

Die Fahndungsfotos im Internet.