Derenburg l Wie sehr die wahre Geschichte der nordamerikanischen Ureinwohner bis heute die Menschen bewegt, zeigt die riesige Resonanz auf die jüngste Einladung von Thomas Merbt in sein Derenburger Indianermuseum. Kein Platz blieb leer, als er am Sonntag Chief Greg Peters, das Oberhaupt der Lenape aus Moraviantown (Kanada), mit seinen drei Begleiterinnen herzlich im Harz begrüßte.

Mit ihrem Besuch schloss sich für beide Seiten ein Kreis. Merbt hatte sich bei seinem ersten Amerika-Aufenthalt 1963 geschworen, etwas für Indianer zu tun. Und just in jenem Jahr war eine Abordnung der Lenape zum letzten Mal in Europa, wie Sherry Huff erklärte. Damals war ihr ehemaliger Häuptling nach Stockholm eingeladen worden, um dort gefundene Dokumente aus den Händen des schwedischen Kronprinzen in Empfang zu nehmen.

Lenape leben heute an kanadischer Grenze

Am Sonntag gab es ebenfalls zahlreiche Gastgeschenke, darunter eine Vase der Glasmanufaktur mit dem Derenburger Wappen, überreicht von Bürgermeisterin Christina Moj, zahlreiche indianische Artefakte aus der Merb‘schen Sammlung und sogar eine kleine Brockenhexe. Die erhielt Chief Greg Peters von Klaus Römer aus Hoym, einem begeisterten Museumsbesucher. Er war einst mit den Büchern von James Fenimore Cooper („Der Wildtöter“, „Der letzte Mohikaner“) „auf den Spuren der Indianer gewandelt“, wie er sagte. „Und nun einem echten Indianer gegenüberzustehen und die Hand zu reichen, damit hat sich für mich ein Jugendtraum erfüllt“, sagte er sichtlich begeistert.

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Zuvor hatten die zahlreichen Besucher die Berichte der weitgereisten Gäste über das Schicksal ihres Volkes verfolgt. So sind die Lenape, die ursprünglich auf dem Gebiet des heutigen New York lebten, seit dem 17. Jahrhundert immer weiter nach Norden gezogen, bis sie an der kanadischen Grenze ihre neue Heimat fanden.

Dass es sie überhaupt noch gibt, hat nicht unwesentlich mit der Begleitung durch Herrnhuter Missionare zu tun. Deren enge Beziehung ist zugleich ein Forschungsprojekt der Ethnologin Dr. Siegrun Kaiser. Gemeinsam mit der Regisseurin Susanne Horizon Fränzel arbeitet sie seit etwa fünf Jahren an einer Dokumentation, in die auch der Besuch in Derenburg einfließen wird. In den kommenden Tagen sind weitere Recherchen und Podiumsdiskussionen in Frankfurt, Herrnhut, Bad Boll und in Tschechien geplant.