Raucher haben es nicht leicht. Von der Gesellschaft schräg angeschaut, geben sie alljährlich zu Jahresbeginn ihr Laster auf, nur um sich kurz darauf bei Bier und Gesellschaft ein Glimmstängel mal gönnen zu können. Wieder im Strudel von Eingeständnissen gelandet, geht auf dem täglichen Weg zur Arbeit ein Nikotinstängel nach dem Nächsten durch die Lunge, der Stummel wandert gen Boden oder wird effektvoll weggeschnippst.

Manch einer, so weiß ich das aus eigener Erfahrung als Gelegenheitsraucher sowie durch anderer Rauchende, ertappt sich dabei eines schlechten Gewissens. Kaum wegen der eigenen gesundheitlichen Risiken (der Zug ist oft lange abgefahren), viel mehr wegen der Umweltbelastungen, die täglich durch das Wegwerfen von Zigarettenkippen angehäuft wird - davon abgesehen, dass das unsachgemäße Entsorgen von kleinen Müllteilen, zu denen zählen Kippenstummel, ein Verstoß gegen die Abfallsatzung ist und 25 Euro fällig werden.

Ganz (un-)schön widerlich

Weltweit könnten nach Schätzungen rund 4,5 Billionen Kippen in der Natur landen. Etwa 7000 verschiedene Chemikalien tummeln sich in ihnen, viele davon pures Gift für die Flora und Fauna. Da hört selbst derjenige mal kurz auf, der sich sonst keine Gedanken über die Post-Greta-Welt macht.

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“Die Filter bestehen aus Kunststoff und belasten die Umwelt für Jahre”, erklärt Madeleine Linke, ihres Zeichens Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen/future! Magdeburg. “Bei Zigarettenkippen sind vor allem die Giftstoffe wie z. B. Blei, Nikotin, Arsen etc. für die Ökosysteme in Magdeburg problematisch.” Besonders Gewässer seien laut Linke durch das achtlose Wegwerfen von Zigarettenkippen gefährdet. Und wer sich ein wenig mit Kreisläufen in der Natur auskennt, weiß, dass der ganze Mist früher oder später in unseren Gläsern oder auf unseren Tellern landen kann. Die Giftstoffe unterscheiden verständlicherweise nicht zwischen Raucher oder Nicht-Raucher, also hat jeder seinen zweifelhaften "Spaß" an dem Zeug.

Kaum Alternativen

Doch wohin mit den Stummeln? In erster Linie bietet sich die Möglichkeit die Kippen auszudrücken und in den nächstbesten Mülleimer zu schmeißen. Nicht elegant, immer mit der Angst im Nacken, dass irgendwas in diesem Ding Feuer fangen und einem Feuerwehrtrupp den Nachmittag versauen wird. Ein Taschenascher als Alternative, verströmt dieser aber in unliebsamen Momenten aus der Jackentasche den Hauch von Tod und Verderben.

Eine von der CDU-Fraktion gestellte Anfrage von Anfang 2019, welche eine mögliche “Gesundheitsgefahr durch Zigarettenkippen auf der Straße und Spielplätzen” behandelt, ergab, dass in Magdeburg 27 Papierkörbe mit Zigaretteneinwurf im Stadtgebiet installiert sind. Vorsichtig geschätzt leben rund 50.000 Rauchende in Magdeburg, macht etwa einen “Papierkorb mit Zigaretteneinwurf” auf 1.800 Tabaknutzende. Da kann sich ein jeder selbst mal ein Bild machen ob der Zahlen, auch unabhängig von Zigarettenstummeln.

Aufräumen und sensibilisieren

Kampagnen wie “Let’s Clean Up Europe” sowie die jährlich stattfindenden “World Cleanup Day” und der beliebte Frühjahrsputz sprechen das Engagement von Freiwilligen an ihre Stadt “aufzuräumen” - diese finden in Magdeburg anklang. Auch “Magdeburg putzt sich” oder “Bleib sauber, Magdeburg” sowie der vom BUNDjugend initiierte “MüllSammelSonntag” kommen bei den Magdeburgern gut an, weiß Madeleine Linke. Sie unterstützt mit ihrer Fraktion ebenjene Aktionen, um den Müll, dazu zählen eben auch jene unachtsam weggeworfenen Kippenstummel, von der Straße zu holen.

Ein guter Ansatz, doch möchte man es negativ betrachten, räumen sie uns Rauchern auch nur hinterher. Eine Ultima Ratio ist das noch lange nicht.

Madeleine Linke sieht einen Ansatz in der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Aufstellung von mehr Mülleimern mit Zigaretteneinwurf, insbesondere an Parkanlagen mit anliegenden Gewässern. Auch häufiger durchgeführte Kontrollen für unsachgemäß entsorgtem Müll sollen ihrer Meinung nach häufiger durchgeführt werden. Hier sei “in Magdeburg noch viel Luft nach oben von Seiten des Ordnungsamtes”, so Linke. "Dieses mit mehr Personal und nichtmotorisierten Fahrzeugen zu unterstützen, ist ein großes Anliegen unserer Fraktion".

Rauchende von ihrem Laster abzuschwören ist de facto ein Ding der Unmöglichkeit. Was helfen könnte, um zumindest das Ökosystem zu schützen, ist Raucher und Raucherinnen zu sensibilisieren. Entweder als “Stendaler Modell”, wo auf der Straße entsorgter Müll bis zu 5.000 Euro kosten kann, in Form von mehr zugänglichen Papierkörben, oder der einfachste Weg: jeder fasst sich mal eben kurz an die eigene Nase und entsorgt seinen Unrat ordentlich.

Und jetzt stecke ich mal fluchs den erhobenen Zeigefinger, der auch an mich gewandt ist, ein und frage Euch: Was hilft gegen diese sehr unnötige Umweltbelastung? Sollte die Stadt mehr gegen den Müll in der Stadt machen oder reichen Sensibilisierung-Maßnahmen? Schreibt es in die Kommentare.

Euer (hustender) Nico Esche