Vorbereitungen laufen: Organisatoren suchen noch Hinweise und Exponate für eine Schau im Staßfurter Stadt- und Bergbaumuseum

Gemeinde will Geschichte von St. Johannis mit dem Schiefen Turm wieder ins Bewusstsein rücken und plant eine Ausstellung

Von Daniel Wrüske 29.02.2012, 05:21

Staßfurt l Wer heute Salz- elmens mächtige Pfännerkirche St. Johannis in Schönebeck besucht, gewinnt einen Eindruck davon, welch prächtiges Gotteshaus einst auch das Staßfurter Stadtzentrum schmückte. Sein Namenspatron war ebenfalls der heilige Johannis. Der mächtige Sakralbau gehörte zu den Meisterwerken spätgotischer Hallenbaukunst in der Region. Doch vor allem der Bergbau in der Salzstadt und fehlende finanzielle Mittel, sicherlich am Ende auch politisches Kalkül, führten dazu, dass die Staßfurter Stadtkirche nicht erhalten blieb. 1948 brannten Türme und Kirchenschiff. Das Langhaus wurde daraufhin geschleift. Gut 20 Jahre später, die Turmfront hatte sich längst wegen Bergbausenkungserscheinungen gebeugt, ließen die Stadtväter die letzten steinernen Zeugen abreißen. Chronisten berichten von der wechselhaften Geschichte der Kirche in den 150 Jahren davor: mit Schließungen bedingt durch Bauschäden, Umgestaltungen, Renovierungen.

Die kirchliche Tradition von St. Johannis lebt heute in der evangelischen Gemeinde St. Petri und Johannis fort. Hier gibt es derzeit eine Initiative, die Geschichte der einstigen Staßfurter Stadtkirche wieder bewusst zu machen. Vom 9. September bis zum 4. Oktober ist eine Ausstellung im Stadt und Bergbaumuseum geplant, die den Titel "St. Johannis mit dem Schiefen Turm - eine fast vergessene Geschichte" tragen soll. "Die Kirche ist noch im Bewusstsein der Menschen", sagt Pfarrer Thomas Weigel und begründet das Engagement einer kleinen Arbeitsgruppe, die die Exposition vorbereitet. Der Geistliche nennt den Rotary-Club, der ein Modell der Kirche aufgestellt hat, oder die Stadt, die bei der IBA-Stadtgestaltung das Kirchengrundstück am Stadtsee andeuten ließ. Viele würden zudem Kindheitserinnerungen an das verlorene Wahrzeichen haben. "In jedem Wohnzimmer hängt der Schiefe Turm in einer Darstellung. Er gehört zu Staßfurt", sagt Pfarrer Weigel.

Die Recherche läuft. Anlass und Motivation gibt es genug. Einiges hat die Vorbereitungsgruppe erreicht. Kirchliche und städtische Archive sind durchforstet. Dabei machte das Team so manche Entdeckung, wie den Text sechs geistlicher Lieder, gedruckt 1646 für Staßfurt, die zur Ausstellung neu vertont werden sollen. In der Schau sind Zeugnisse der alten Kirche zu sehen wie eine Agenda, eine Gottesdienstordnung von 1545, Reste von Kunstwerken und liturgisches Gerät, Darstellungen der Kirche aus allen Zeiten. Pfarrer Weigel berichtet von Besonderheiten: Es gibt die Zeitschrift Gartenlaube, die im 19. Jahrhundert in Bürgerhäusern gelesen wurde, und die über die Senkungserscheinungen in Staßfurt berichtete. "In diesem Zusammenhang erschienen auch zwölf großformatige Fotos." Die Ausstellungsvorbereiter hoffen, dass sie hier wie in anderen Fällen von Zuarbeiten aus der Bevölkerung profitieren könnten. Vielleicht habe jemand eine solche Zeitung im Besitz, oder, noch wichtiger, Innenaufnahmen der Kirche, so die Hoffnung. 1888 wurde die Kirche, nachdem sie wegen erster Senkungserscheinungen beschädigt und geschlossen war, wieder eröffnet. Dazu war auch der Rat eingeladen, samt Foto auf der Einladung. Vielleicht, so Pfarrer Weigel, findet sich in manchen Sammlungen noch ein solches Bild oder eine andere Innenansicht der Kirche. Ansonsten freut sich das Team über Spuren, die zur Geschichte von St. Johannis führen. Und schon jetzt auf zahlreiche neugierige Gäste.

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