Vor wenigen Wochen waren es fünf Niederlagen in Folge, nun sechs Gegentore daheim im Duell mit Chemnitz – Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg produziert derzeit Rekord-Negativschlagzeilen. Volksstimme-Redakteur Uwe Tiedemann sprach gestern mit Präsident Volker Rehboldt.

Volksstimme: Nach der höchsten Heimniederlage der Club-Geschichte können Sie sicherlich nicht zur Tagesordnung übergehen, oder?

Volker Rehboldt: Nein, und das werden wir auch nicht, gleichzeitig aber nicht alles in Frage stellen.

Volksstimme: Wie wird der Verein reagieren?

Rehboldt: Wir bewahren vor allem Ruhe. Bis zur Winterpause wird es keine sichtbaren Veränderungen geben.

Volksstimme: Was heißt das konkret?

Rehboldt: Wir werden uns im Präsidium und im Aufsichtsrat sehr kritisch mit der Situation auseinandersetzen, aber das passiert intern und nicht öffentlich. So etwas kann sich leicht kontraproduktiv auswirken. Das haben wir alles schon erlebt.

Volksstimme: Wie sehr sehen Sie denn das Projekt, in dieser Saison eine neue Mannschaft aufzubauen, die dann im Jahr darauf oben mitspielt, inzwischen gefährdet?

Rehboldt: Wir halten auf jeden Fall daran fest. Es macht doch keinen Sinn, ein solches Konzept nach nur vier Monaten über den Haufen zu werfen. Das Projekt ist alternativlos.

Volksstimme: Sitzt Trainer Ruud Kaiser weiterhin fest im Sattel?

Rehboldt: Absolut.

Volksstimme: Weil Sie sich keinen neuen Coach leisten können?

Rehboldt: Das hat überhaupt keine finanziellen Gründe. Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass er der Richtige ist. Für den Weg des Neuaufbaus muss man sich auch Zeit nehmen.

Volksstimme: Und wenn sich der Erfolg in Kürze trotzdem nicht einstellen sollte?

Rehboldt: Es gibt kein Ultimatum für Ruud Kaiser.

Volksstimme: Trotzdem klingt natürlich die Aussage von Manager Rüdiger Bartsch, der Trainer leiste hervorragende Arbeit, unmittelbar nach einer 1:6-Heimniederlage wenig glaubwürdig ...

Rehboldt: Das möchte ich jetzt im einzelnen nicht bewerten. Er wollte sicherlich ein deutliches Zeichen der Gemeinsamkeit setzen.

Volksstimme: Auch Sie selber geraten wieder mehr in die Kritik ...

Rehboldt: Darüber bin ich mir sehr wohl im Klaren. Das ist ein ganz natürlicher Prozess, aber da muss man durch.

Volksstimme: Sie hatten am Sonntag von Erklärungen für die Niederlage gesprochen, die Sie jedoch lieber für sich behalten möchten. Würden Sie sich jetzt konkreter äußern?

Rehboldt: Es bleibt dabei: Zu sportlichen Dingen sollen der Trainer und Manager Auskunft geben. Nur soviel: Die hohe Niederlage ist meiner Meinung nach in erster Linie auf individuelle Fehler zurückzuführen. Es gab durchaus gute Ansätze, und auch ein Spielsystem war erkennbar. Das Positive wurde aber natürlich komplett entwertet.

Volksstimme: Einige Sponsoren haben ausgesprochen verärgert auf die Pleite reagiert. Befürchten Sie, dass der eine oder andere jetzt abspringt?

Rehboldt: Die Gefahr besteht immer. Aber wir haben ihnen vor der Saison klar dargelegt, dass uns ein steiniger Weg bevorsteht. Die Bekundung, diesen mitzugehen, war da. Man sollte jetzt nicht alles an diesem einen Ergebnis festklemmen.

Volksstimme: Und was sagen Sie zu den Ausschreitungen vor, während und nach der Partie gegen Chemnitz?

Rehboldt: Nach unseren Informationen war das Ganze von langer Hand geplant und kein Frust aus der Situation heraus. Das macht die Angelegenheit so besonders kritisch. Wir müssen nun erst einmal abwarten, welche Informationen, Namen und Fakten wir erhalten. Erst danach kann man über Strafen nachdenken. Sie können aber sicher sein, dass wir diesbezüglich knallhart durchgreifen werden.