Magdeburg - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück setzt im Endspurt zur Bundestagswahl am 22. September auf die Mobilisierung potenzieller SPD-Wähler. 40 bis 50 Prozent der Bürger entschieden sich erst in den letzten beiden Wochen vor der Wahl, sagte Steinbrück am Donnerstag am Rande eines Wahlkampftermins in Magdeburg. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warf er vor, das Land nicht zu führen. "Sie fährt gerne im Kreisverkehr. Aber eine Richtung ist nicht erkennbar." Nach den jüngsten Meinungsumfragen stehen Union und FDP in der Wählergunst vor SPD, Grünen und Linken.

Steinbrück schaute sich in Magdeburg ein Bürgerhaus an, in dem Kinder betreut werden und Senioren sich treffen können. Bei dem Besuch diskutierte er auch mit rund 70 Bürgern. Auf Fragen sagte er, die SPD werde sich dafür einsetzen, dass die Banken Dispozinsen maximal acht Prozent über den Leitzinsen der Europäischen Zentralbank verlangen dürften. Die Rentenanpassung von Ost und West solle schrittweise in den nächsten fünf bis sechs Jahren geschehen. Altersarmut sei am besten zu bekämpfen, indem man Erwerbsarmut verhindere. Sieben Millionen Menschen in Deutschland verdienten weniger als 8,50 Euro pro Stunde, kritisierte Steinbrück, der mehrfach Applaus erhielt.

Zu einem von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Aussicht gestelltem dritten Hilfsprogramm für Griechenland sagte Steinbrück auf Fragen von Journalisten, auffällig sei, dass Schäuble dies beiläufig bei einem Wahlkampftermin verkündet habe. Erstens sei festzustellen, dass Schäuble damit indirekt zugebe, dass das bisherige Krisenmanagement der Regierung gescheitert sei. "Zweitens erwarte ich, dass Merkel uns reinen Wein einschenkt", sagte Steinbrück. Erneut bekräftigte er, sich nicht an einer großen Koalition zu beteiligen. "Ich selbst stehe dafür nicht zur Verfügung."

Am Nachmittag wird auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Wahlkampfauftritt in Sachsen-Anhalt erwartet. Sie will auf dem Marktplatz von Wernigerode sprechen.