Halberstadt l Der Amtsinhaber will wieder kandidieren. "Mit Blick auf mein bisheriges Berufsleben ist diese Aufgabe die für mich bisher erfüllendste", sagt Andreas Henke.

Hohe Ansprüche, wechselnde Anforderungen und Inhalte sowie die Möglichkeit, sich in viele Themen einzubringen, seien spannend und entsprächen seinem politischen Naturell, erklärt der 51-Jährige. Zudem sei Halberstadts Oberbürgermeister 2006 mit Zielen angetreten, die er noch nicht alle erreicht, aber schon angestoßen habe. "Ich habe lernen müssen, dass manches sehr viel mehr Zeit braucht, als einem selbst lieb ist. Und dass es oft schwierig ist, die verschiedenen Akteure für eine Idee zu begeistern oder zumindest einen gemeinsamen Nenner zu finden."

Lernen musste er auch, mit Anfeindungen umzugehen, die oft ins Persönliche abdriften. So war es bei seiner ersten Kandidatur für das Amt des OB, dass er ja Stasi-Mitarbeiter oder zumindest stasinah gewesen sei - mit seinem Studium zu DDR-Zeiten an der Offiziershochschule des Ministerium des Innern. "Das waren zwei verschiedene Ministerien und das Studium vergleichbar mit einer heutigen Landespolizeilaufbahn", erklärt er. Er habe von 1990 an "alle Überprüfungen im Kreistag mitgemacht, und die belegen, dass das bösartige Unterstellungen sind." In der Sache zu streiten, sei wichtig. Wenn es in Diffamierung ausarte, falle es schon schwer, sachlich zu bleiben. Aber auch da hat er gelernt. "Ich springe nicht mehr über jeden Stock." Auf eines habe er aber jetzt doch reagieren müssen - er ist auf seiner Facebook-Seite gefragt worden, ob es stimme, dass Halberstadt im Falle einer Wiederwahl Henkes keine Landesgelder mehr bekomme. "Das Gerücht kursiert in der Stadt, und es legt mir ja fast nahe, im Interesse der Stadt auf eine Kandidatur zu verzichten. Da haben sich einige Wahlkampfstrategen offensichtlich was ganz Infames einfallen lassen."

Facebook und Twitter bedient Henke regelmäßig, auch mit Privatem, in erster Linie aber mit Dienstlichem. "Viele Menschen nutzen die sozialen Netzwerke und haben hier weniger Scheu, mich direkt anzusprechen und ihre Fragen loszuwerden. Das macht schon Spaß, so unmittelbar ins Gespräch zu kommen", sagt Henke, der aber auch schon mal beim Einkaufen den Halberstädtern Rede und Antwort steht.

Er sei seit Jugendtagen ein politischer Mensch, und "mit Leibe, Seele und Herz Kommunalpolitiker", sagt der in Dingelstedt geborene und in Halberstadt aufgewachsene Sohn einer Buchhalterin und eines Triebfahrzeugführers und Maschinisten der Reichsbahn. Halberstadt sei sein Lebensort, hier will er sich engagieren. "Ich würde weder für den Landtag noch für den Bundestag kandidieren wollen", sagt er. Mittlerweile blickt er auf 23 Jahre in der Kommunalpolitik zurück - als Kreistagsmitglied, dann als Stadtrat und nun seit sechseinhalb Jahren als Oberbürgermeister.

Dass das Amt ein großes Arbeitspensum bereit hält, war ihm bewusst, als er 2006 kandidierte und als neuer Oberbürgermeister ins Rathaus zog. Hier ist er gerne, nach einem Urlaub kehre er mit Freude in sein Büro zurück. "Auch wenn es vielleicht blöd klingt, aber es ist schlicht ein schöner Platz." Einen ausgesprochenen Lieblingsort in der Stadt habe er nicht, "es gibt viele Orte, an denen ich mich gerne aufhalte." Spaß bereiten ihm die Spaziergänge mit Hund "Diego". Den hat seine Frau mit in den Haushalt gebracht, er Kater "Moritz". Seit Ende Juli ist der Vater dreier Kinder aus drei Ehen bzw. Lebenspartnerschaften wieder verheiratet.

Bei den Gängen mit dem Hund genießt er die ländliche Seite der Stadt und fühlt sich an Kindheitstage beim Großvater in Dingelstedt erinnert. Diese Zeit früh am Morgen und spät am Abend ist echte private Zeit. Ansonsten lasse ihm die Arbeit kaum noch Zeit für Privatleben. "Manche Bücher liegen Monate auf dem Nachtschrank, bis ich sie endlich durchgelesen habe." Neben spannenden Krimis sind es populärwissenschaftliche und Sachbücher, die ihn begleiten. "Und ich lese gern Zeitschriften über Architektur und Design." Wenn denn Zeit zum Lesen ist. Aber die ist ebenso selten geworden wie Zeit, um etwas mehr Sport zu treiben, noch häufiger mal ins Theater oder Kino zu gehen. Auch an Wochenenden gibt es kaum Tage, an denen nicht Arbeitstermine im Kalender stehen. Das erfordere Verständnis von Seiten des Lebenspartners.

Der studierte Ingenieur-Ökonom Henke will weiter OB sein. Entscheiden sich die Halberstädter anders, kann er sich ein Leben auch ohne Politik vorstellen - in der Wirtschaft oder in sozialen Projekten der Entwicklungshilfe. "Aber darüber mache ich mir Gedanken, wenn es nötig ist. Jetzt nehme ich meine Aufgabe als Oberbürgermeister wahr."