Stendal l Sie sei geschockt gewesen, sagt die Wahrburger Ortsbürgermeisterin Carola Radtke über ein Gespräch mit zwei Vertretern der Deutschen Bahn im Stendaler Rathaus. Der Hoffnung, dass es mit dem Ausbau der Amerikalinie in Wahrburg auch einen Lärmschutz geben wird, sei ein Dämpfer erteilt worden. „Der Vertreter hat mehrfach darauf hingewiesen, dass es einen Bestandsschutz entlang der Strecke gibt“, sagte Radtke. Bestandsschutz heißt in dem Fall, dass es eben keine Lärmschutzwände gibt. „Das hat mich fast vom Hocker gerissen“, sagt sie.

Der Bahnvertreter hatte um das Gespräch gebeten, sagte der Stendaler Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) am Montag im Stadtrat. Dieser habe angekündigt, dass der lange geplante Ausbau der Bahnstrecke in den Jahren 2025 bis 2028 erfolgen soll. Der Ausbau soll zweigleisig passieren, bisher besteht die Strecke aus einem Gleis.

Nur drei Stadträte bei Gespräch

Zu dem Gespräch waren alle Stadträte eingeladen, allerdings waren neben dem Oberbürgermeister am Ende nur drei anwesend. Im Stadtrat mahnte Carola Radtke die Verwaltungsspitze an, dass sie als Ortsbürgermeisterin künftig sehr eng in die Gespräche mit der Bahn einbezogen werde. „Wir müssen dranbleiben“, sagte Radtke der Volksstimme.

Schmotz hatte im Stadtrat darauf hingewiesen, dass der Lärmschutz für Wahrburg in das Planfeststellungsverfahren eingearbeitet werden müsse. Radtke geht davon aus, dass die Bahn schon in Kürze ihre Entwürfe für den Ausbau vorlegt, zumindest hatte der Bahnvertreter für das dritte Quartal 2017 eine Informationsveranstaltung und im vierten Quartal einen Bürger-Dialog angekündigt.

Bereits am 3. Mai sollen Bundes- und Landtagsabgeordnete und auch Landräte und Bürgermeister informiert werden. „Der Lärmschutz muss mit in das Planfeststellungsverfahren“, sagte Schmotz. Die Bahn werde jetzt für den Streckenabschnitt zwischen Stendal und Steinfeld in die konkreten Planungen eintreten, sagte der Verwaltungschef im Stadtrat. Für den Abschnitt zwischen Steinfeld bis Uelzen gebe es bereits ein Planfeststellungsverfahren. „Da muss versucht werden, die Regelungen zum Lärmschutz zu erneuern“, so Schmotz.

Aus Carola Radtkes Sicht ist es ärgerlich, dass der Lärmschutz für Wahrburg nicht schon in den 1990er Jahren umgesetzt wurde. Dies sei schlichtweg von den Verantwortlichen verschlafen worden. „Wenn man mit dem Zug Richtung Hannover fährt, dann merkt man mit der Grenze nach Niedersachsen, dass die Verantwortlichen dort cleverer waren und es Lärmschutzwände gibt.“

Dass nun die Bahn auch noch in dem Zusammenhang von Bestandsschutz spricht, bringt die Wahrburger Ortsbürgermeisterin in Rage. Sie weist darauf hin, dass ihr Ortsteil nicht nur von der Amerikalinie durchschnitten ist, sondern auch die Bahnlinien Richtung Hannover, Salzwedel und Wittenberge dort entlang führen. Oft könnten Einwohner gar nicht draußen sitzen, so laut sei es. „Holztransporter sind am schlimmsten“, sagt Radtke.

Gesetz zu leisen Waggons beschlossen

Mit Hinblick auf Güterwaggons könnte es schon schneller eine Entlastung für die Wahrburger geben, nachdem der Bundestag in den vergangenen Woche ein Gesetz verabschiedet hat, wonach bis spätestens 2020 leisere Güterwaggons eingesetzt werden müssen. Der Bund fördert die Umrüstung auf leisere Güterwaggons. Waggons bei denen eine Umrüstung nicht möglich ist, sollen ab Dezember 2020 verboten sein.